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Luzerner Car-Problem: So macht’s Salzburg

Während in Luzern weiterhin über die Lösung des Car-Problems gestritten wird, ist Salzburg längst weiter: Dank zwei Car-Terminals mit Zeit-Slots hat man die Anzahl Reisebusse nahezu halbiert.
Roman Hodel
Zwei Minuten zu Fuss in die Altstadt: Touristen am Salzburger Reisebus-Terminal Paris-Lodron-Strasse. Bild: Salzburger Nachrichten/Robert Ratzer

Zwei Minuten zu Fuss in die Altstadt: Touristen am Salzburger Reisebus-Terminal Paris-Lodron-Strasse. Bild: Salzburger Nachrichten/Robert Ratzer

Horden von vornehmlich asiatischen Reisegruppen, die hastig durch die Gassen eilen und Reisecars mit italienischen, polnischen oder slowakischen Kennzeichen, die Strassen und Plätze verstopfen: So kennt man die Luzerner Innenstadt. Szenen, die aber ebenso gut aus dem österreichischen Salzburg stammen könnten. Hunderttausende Touristen besuchen die Geburtsstadt von Wolfgang Amadeus Mozart jährlich, besichtigen die zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Altstadt, verweilen im barocken Mirabellgarten. Wie in Luzern reist der grösste Teil davon in Bussen an und will möglichst nahe bei den Sehenswürdigkeiten parkieren, denn nach wenigen Stunden geht es weiter zum nächsten Programmpunkt auf der Europareise.

Um die Situation in den Griff zu bekommen, hat die Stadt Salzburg zwar bereits 2010 mit zwei Car-Terminals reagiert. Diese liegen wenige Gehminuten von den Sehenswürdigkeiten entfernt und sind zum Aus- und Einladen der Touristen gedacht. Allerdings war der eine bisher viel zu stark, der andere hingegen kaum ausgelastet. Und oftmals warteten die Chauffeure dort gar, bis die Touristen von ihrer kurzen Sightseeingtour zurückkehrten.

Stimmung im Volk «drohte zu kippen»

«Vor allem im vergangenen Jahr hat sich die Situation zugespitzt», sagt Hannes Kittl. Er ist Verkehrssprecher des Vereins Guide Service Salzburg, seit 20 Jahren Fremdenführer und kennt die Situation aus dem Effeff. «Die Anzahl Reisebusse und das damit verbundene Verkehrschaos hatten derart zugenommen, dass die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen drohte.»

Zehn Minuten zu Fuss in die Altstadt: Der Reisebus-Terminal Nonntal in Salzburg. Bild: Salzburger Nachrichten/Robert Ratzer

Zehn Minuten zu Fuss in die Altstadt: Der Reisebus-Terminal Nonntal in Salzburg. Bild: Salzburger Nachrichten/Robert Ratzer

Deshalb hat die Stadt Salzburg gehandelt. Seit dem 1. Juni gilt ein neues Regime für Reisebusse. Diese müssen für die beiden Terminals neu vorab online einen Zeit-Slot für 24 Euro buchen. Dieser berechtigt zum Aus- oder Einladen der Touristen zur vorgegebenen Zeit auf einem der sieben Halteplätze im Terminal Nonntal oder der acht Halteplätze im Terminal Paris-Lodron-Strasse. Nach spätestens 20 Minuten muss der Car weg sein, weil dahinter schon der Nächste wartet. Während die Touristen in der Stadt flanieren, hat der Chauffeur den Car auf einem der beiden Busparkplätze am Stadtrand mit 40, respektive 67 Parkplätzen zu parkieren.

Wer zu früh oder zu spät kommt, wird nicht gebüsst

Zeit-Slots sind je nach Terminal zwischen 8 und 19, respektive 22 Uhr möglich. Kommt ein Chauffeur zu früh oder zu spät zum Slot, wird dies gemäss Kittl nicht sanktioniert: «Wer jedoch keinen Slot gebucht hat, bezahlt 70 Euro Busse.» Sollte er die Buchung sowohl beim Aus- als auch beim Einladen versäumen, kostet es 140 Euro. «Zwei Wachorgane kontrollieren dies permanent», sagt Kittl. Wer die Busse nicht bezahle, bekomme es mit der Polizei zu tun. Ganz schlaue Chauffeure parkieren nach wie vor wild. Geschieht dies in der Innenstadt, die als Sperrzone für Reisebusse deklariert ist, wird’s teuer: mindestens 150 Euro Bussgeld. 2016 büsste die Polizei deswegen 450 Reisebusse.

Eine erste Zwischenbilanz des neuen Regimes will die Stadt Salzburg im August ziehen, aber schon jetzt ist klar: Es zeigt Wirkung. Gemäss Fremdenführer Hannes Kittl buchen über 90 Prozent der Reisebusse einen Zeit-Slot. Zudem seien die beiden Terminals nun – wie von der Stadt Salzburg erhofft – ausgeglichener ausgelastet: Im Juni vor einem Jahr benützten 80 Prozent der Reisebusse den Terminal Paris-Lodron-Strasse – weil dieser etwas günstiger gelegen ist – und nur 20 Prozent den Terminal Nonntal. Jetzt sind es in Letzterem 60 Prozent und an der Paris-Lodron-Strasse noch 40 Prozent. Das ist nahe am Ziel von 50 zu 50 Prozent. «Vor allem aber zählen wir in Salzburg fast die Hälfte weniger Reisebusse als noch vor einem Jahr, als es im Schnitt täglich um 140 waren», sagt Kittl. Der Grund dafür liege auf der Hand: «Die Slots kosten Geld und ausserdem müssen die Reisecars in der Zwischenzeit zwingend einen der beiden Parkplätze am Stadtrand ansteuern – das braucht Zeit und diese haben jene vielen Reisegruppen, die bloss eine bis zwei Stunden in der Stadt bleiben, nicht.»

Nur Swarovski sei jetzt am Jammern

Der rapide Rückgang der Ein-bis-zwei-Stunden-Touristen wird gemäss Hannes Kittl von den wenigsten bedauert: «Diese Leute berücksichtigten ja weder die Gastronomie noch die Museen oder Läden.» Der Einzige, der wohl einen Umsatzrückgang zu beklagen habe, sei der Swarovski-Store. «Da schauten sie alle immer vorbei.» Kittl sagt: «Die Stadt Salzburg wollte weg von diesen Ein-bis-zwei-Stunden-Touristen und forciert mit dem neuen Regime bewusst Tagestouristen, die im Schnitt 5,5 Stunden hier verbringen – und das ist ihr bislang gelungen.»

Reservationssystem ist auch in Luzern ein Thema

Die Einführung eines digitalen Reservations- und Pricingsystems wie in Salzburg ist auch in Luzern ein Thema. Zumindest im Bericht und Antrag «Attraktive Luzerner Innenstadt» hat der Stadtrat unter den «flankierenden Massnahmen» einen entsprechenden Vermerk gemacht. Demnach würden Experten für alle Lösungsansätze der Car-Parkierung ein solches System als begleitende Massnahme vorschlagen. Der Bericht und Antrag wurde allerdings vom Grossen Stadtrat Ende Juni mit grosser Mehrheit zurückgewiesen (wir berichteten). Der Stadtrat muss über die Bücher – und das Parlament hat ihm auch gleich eine ganze Reihe von Forderungen mitgegeben. So sollen etwa Interessenvertreter und Direktbetroffene viel stärker einbezogen werden. Insbesondere aber müsse man zuerst eine Grundsatzdiskussion führen: Welche Art von Tourismus will Luzern fördern? (hor)

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