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Straftäter «Carlos» wird vom Kanton Zürich in den Aargau verlegt

Der aus einer TV-Dokumentation bekannte Gewaltstraftäter befindet sich nun in Lenzburg in Haft – dies, nachdem sein Anwalt die Bedingungen am vorherigen Ort hart kritisiert hatte.
Fabian Hägler
2013 brachte eine «SRF»-Reportage den Fall «Carlos» ans Licht. (Screenshot SRF Archiv)

2013 brachte eine «SRF»-Reportage den Fall «Carlos» ans Licht. (Screenshot SRF Archiv)

Sondersetting. Das Wort ist wohl erst allgemein bekannt, seit SRF vor sechs Jahren eine Dokumentation über den damals noch jugendlichen Straftäter «Carlos» sendete. Der Beitrag löste heftige Debatten über Sinn und Kosten der Behandlung aus, die unter anderem ein umstrittenes Thaibox-Training umfasste.

Ein anderes Sondersetting gab es für «Carlos», der im März 2017 wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt wurde, in der Zürcher Strafanstalt Pöschwies. Seit August 2018 sass der mittlerweile 23-Jährige fast durchwegs in einer pinkfarbenen Arrestzelle, die speziell für ihn umgerüstet wurde. Gemäss einem Bericht der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter konnte «Carlos» seinen vorgeschriebenen täglichen Spaziergang nicht immer machen. Und wenn er in den Gefängnishof durfte, dann nur mit Hand- und Fussfesseln sowie bewacht von mehreren Mitarbeitern in Schutzausrüstung. Weiter kritisierte die Kommission, dass «Carlos» in der Pöschwies täglich mit Personen in Kontakt komme, die in einem laufenden Strafverfahren gegen ihn aussagen.

Das Gefängnis in Lenzburg, wo «Carlos» nun untergebracht ist. (Bild: Keystone/Walter Bieri, 23. Mai 2017)

Das Gefängnis in Lenzburg, wo «Carlos» nun untergebracht ist. (Bild: Keystone/Walter Bieri, 23. Mai 2017)

«Carlos» wieder vor Gericht

Laut der Zürcher Staatsanwaltschaft soll er in verschiedenen Gefängnissen zahlreiche Angestellte, Polizisten und Mitinsassen geschädigt haben. Vor zwei Monaten gab Staatsanwalt Ulrich Krättli bekannt, dass er in 29 Fällen Anklage gegen «Carlos» erhebt. Dieser wird sich unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte vor Gericht verantworten müssen.

Auf den Prozess, dessen Termin noch nicht feststeht, wartet «Carlos» aber nicht mehr in Pöschwies. Wie das Onlinemagazin «Republik» berichtet, wurde er Anfang Juni in die Aargauer Justizvollzugsanstalt Lenzburg verlegt. Dort sitze der Häftling ebenfalls in einer Sicherheitszelle in Isolationshaft, die aber unter einem weniger strengen Regime geführt werde. «Carlos» dürfe jeden Tag im Hof spazieren, dies ohne Fuss- und Handfesseln. Das Setting sehe eine schnelle Lockerung der Haftbedingungen vor, falls sich dieser in den ersten zwei Wochen bewähre.

Kanton schweigt zu Haftbedingungen

Samuel Helbling, Sprecher des Aargauer Innendepartements, bestätigt auf Anfrage, dass «Carlos» nach Lenzburg verlegt wurde. Dies sei «vor einigen Tagen» geschehen. Zu den Haftbedingungen könne er sich aus Sicherheitsgründen nicht äussern. Es sei im Strafvollzug aber durchaus üblich, dass Häftlinge aus anderen Kantonen in Lenzburg untergebracht würden. «Es ist ein modernes Gefängnis mit hohen Sicherheitsstandards und es gibt den umgekehrten Fall, in dem Straftäter aus dem Aargau in anderen Kantonen in Haft sind», erklärt Helbling. Ein Beispiel dafür ist Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, der in Pöschwies einsitzt.

Kosten entstehen dem Kanton aufgrund der Verlegung laut Helbling keine, diese trägt weiterhin der Kanton Zürich. Er hält fest, die Verantwortung für den Strafvollzug bleibe trotz der Verlegung in den Aargau bei den Zürcher Behörden. Zu den Gründen, weshalb der Straftäter nun in Lenzburg einsitzt, gibt der Mediensprecher keine Auskunft. Helbling sagt allerdings, der Kanton Aargau habe das Recht, «Carlos» wieder nach Zürich zu überstellen, wenn es zu Problemen kommen sollte.

Zürcher lehnten Verlegung ursprünglich ab

Offen bleibt die Frage, wie die Verlegung von «Carlos» von Pöschwies nach Lenzburg überhaupt möglich wurde. Noch Ende April hatte Thomas Manhart, der Chef des Zürcher Amts für Justizvollzug, laut NZZ gesagt, die Gewaltbereitschaft von «Carlos» lasse eine Lockerung des Regimes oder eine Verlegung in ein anderes Gefängnis nicht zu. Auf die Nachfrage, warum sich diese Einschätzung geändert hat, gibt es von den Zürcher Behörden keine Antwort. Fragen zu einer konkreten Person, die sich noch dazu in einem laufenden Verfahren befinde, dürfe man «aus Gründen des Amtsgeheimnisses sowie des Daten- und Persönlichkeitsschutzes» nicht beantworten. Rebecca de Silva, Kommunikationsbeauftragte beim Zürcher Amt für Justizvollzug, äussert sich nur generell: «Straftäter, die mit der Unterbringung in einer Institution nicht einverstanden sind, haben jederzeit die Möglichkeit, ihre Kritik über eine Beschwerde oder auf dem Rechtsweg unter Beizug eines Rechtsbeistandes zu artikulieren.»

Es scheint wahrscheinlich, dass Thomas Häusermann, der Rechtsanwalt von «Carlos», einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Häusermann war für eine Stellungnahme bisher nicht erreichbar. Gegenüber der NZZ hatte er kritisiert, viele Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen seinen Mandanten stünden in direktem Zusammenhang mit der Situation im Vollzugssystem. Diese bezeichnete der Anwalt von «Carlos» als unerträglich, in Pöschwies würden nicht einmal die Minimalstandards eingehalten.

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