CASINO: Grausige Gnagis und ein zotiger Stapi

Am 92. Gnagi-Essen ging es gewohnt deftig zu und her – auch rhetorisch.

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Von rechts: die Ober-Gnagibrüder Ruedi Bürgi, Hans Pfister, Urs Liechti und Charlie Bösch. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Von rechts: die Ober-Gnagibrüder Ruedi Bürgi, Hans Pfister, Urs Liechti und Charlie Bösch. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

«Wenn 460 strammi Manne ond rüüdigi Cheibe / sech 2000 Schwiins-Haxe tüend iiverliibe / Wenn de Stapi Stefan Roth met grosser Chelle / frivoli Gschechte tued verzelle, / sini sexy Money Girls lod lo ufmarschiere / ond dezue tued seichti Schlager tirilliere, / Jo, denn send, es esch en Fluech, / im Casino weder d’ Gnagibrüeder z’ Bsuech!»

Eigentlich wollte ich meinen ganzen Artikel über das 92. Männer-Gnagi-Essen am Montagabend im Casino Luzern so wie oben in Versform schreiben. Das Versli-Brönzeln hätte ja auch Sinn gemacht. Denn bei den Gnagibrüdern wurde auch diesmal wieder teils hochphilosophisch-lyrisch «gebrönzelt».

Einmarsch von Gnagivater Ruedi Bürgi (vorne) mit Herold Charlie Bösch, Schatzmeister Hans Pfister und Landschryber Urs Liechti (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
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Gnagivater Ruedi Bürgi, rechts. mit Schatzmeister Hans Pfister. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Stadtpräsident Stefan Roth bei einer Darbietung. (Bild: Jérôme Martinu/Neue LZ)
Applaus von Schatzmeister Hans Pfister,rechts,  Landschryber Urs Liechti und Herold Charlie Bösch. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Zeremonienmeister Silvio «Pizza» Panizza. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)
Bild: Jérôme Martinu/Neue LZ
Bild: Jérôme Martinu/Neue LZ

Einmarsch von Gnagivater Ruedi Bürgi (vorne) mit Herold Charlie Bösch, Schatzmeister Hans Pfister und Landschryber Urs Liechti (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)

Gedränge an den Tischen

Aber Schwamm drüber. Einen ganzen Artikel so durchzuziehen, ist grober Unfug, der gemäss StgB. Art 11 111 mit lebenslangem Füllfeder-Entzug bestraft wird. Deshalb ganz prosaisch das Wichtigste vom erwiesenermassen nonsensigsten Vorfasnachts-Anlass der Stadt Luzern: Wie immer war er ausverkauft. 460 Männer sassen dicht gedrängt an den gedeckten Tischen. Der bald 85-jährige Gnagivater Ruedi Bürgi, körperlich zwar nicht mehr der tifigste, aber geistig hellwach, liess es sich wieder nicht nehmen, fast jeden Anwesenden namentlich zu begrüssen – von der hohen Geistlichkeit (Hofpfarrer Beat Jung, Kaplan Gerold Beck) bis zu den illustren Gästen aus Wirtschaft und Politik.

Die Gnagi (Schweinshaxen) waren wie immer: grausig anzuschauen, aber wenn man dreinbiss, von geradezu erlesener Köstlichkeit. Rund 2000 Stück dürften vertilgt worden sein. Und dann kamen sie, die Värsli-Brönzler. Zuerst der Blumen-Bürgi selber, vom brillanten Conferencier Silvio «Pizza» Panizza flugs zum Bundesrat erkoren. Er liess sich etwa über die «Lädele, lädele, lädele»-Wut von Cityvereinigungs-Präsident Franz Stalder aus, dem sogar 24 Stunden Ladenöffnungszeiten zu wenig seien.

Landschryber Urs Liechti nahm gewohnt sarkastisch allerhand Polit-Händel aufs Korn: «D’ Schwiiz hed Handgranate noch Saudi-Arabie exportiert, / doch send die eine oder andere au in Syrie explodiert.» Schatzmeister Hans Pfister huldigte dem neuen Luzerner Stadtpräsidenten mit umgetexteter Landeshymne: «Tritt am Morgen Roth daher, / schläft im Stadthaus keiner mehr.»

Und dann der Höhepunkt: Stefan Roth selber trat ans Rednerpult – mit viel Selbstironie: «Es genügt nicht, unfähig zu sein. Man muss auch in die Politik gehen ...» An einem solchen Anlass darf auch ein hoher Magistrat mal eine Zote äussern. «80 Prozent der Frauen finden ihren A ... zu dick», so Roth, «15 Prozent finden ihren A ... zu dünn, und 5 Prozent finden ihren A ... okay – und sind zufrieden damit, dass sie ihn geheiratet haben.» Riesengelächter. Als Roth seine Money Girls – sexy gekleidete Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung – auf die Bühne holte und im Playback den Schlager «Is This The Way To Amarillo» trällerte, brachen alle Dämme. Eine einminütige Standing Ovation folgte – einzigartig in der Historie des Gnagi-Essens.

Witziger «Zeitungsfritz»

War das kabarettistische Feuerwerk damit zu Ende? Nein, im Gegenteil. Es folgte als weiterer Redner Jérôme Martinu, stellvertretender Chefredaktor unserer Zeitung. Dass ein «Zeitungsfritz» neben einer spitzen Feder auch rhetorisch brillieren kann, bewies Martinu trefflich. «Was ist der Unterschied zwischen dem Luzerner Theater und dem Kantonsrat?», fragte er. «Im Theater werden gute Schauspieler schlecht bezahlt», so die Antwort. Der Saal tobte.

Hugo Bischof