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CBD-Hanfprodukte werden oft falsch deklariert

Die Lebensmittelkontrolle hat ergeben: Die allermeisten Luzerner Lebensmittelbetriebe haben im vergangenen Jahr gut abgeschnitten. Beanstandungen gab es vor allem im Umgang mit an sich einwandfreien Nahrungsmitteln. Ein Auge hat der Kantonschemiker auch auf Produkte aus oder mit CBD-Hanf.
David von Moos
Im Dienste der Konsumenten: Die Laboranten Rolf Eigenmann und Armin Bacher untersuchen Proben aus Luzerner Lebensmittelbetrieben. (Bild: PD)

Im Dienste der Konsumenten: Die Laboranten Rolf Eigenmann und Armin Bacher untersuchen Proben aus Luzerner Lebensmittelbetrieben. (Bild: PD)

Über 90 Prozent der Luzerner Lebensmittelbetriebe hielten sich 2017 an die Vorgaben bezüglich Sicherheit, Qualität und Deklaration von Lebensmitteln. Dies zeigen die letztjährigen Proben und Inspektionen der Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz, wie der Kanton Luzern am Dienstagvormittag mitteilte.

Untersucht wurden rund 6400 Lebensmittel. Rund neun Prozent der Proben haben den Anforderungen nicht entsprochen, so der Kanton weiter. Diese Zahl bewege sich auf dem Niveau der Vorjahre.

«Es geht meist nicht um Mängel, die an und für sich gesundheitsschädigend wären, sondern Mängel, die dazu führen, dass Produkte qualitativ schlechter werden», stellt Kantonschemiker Dr. Silvio Arpagaus, Leiter der Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz, klar.

Vorproduzierte Esswaren sind heikel

Die meisten Beanstandungen seien mangelhafte Hygiene zurückzuführen. Vielfach gehe es um unsachgemässe Handhabung wie die Lagerung bei zu hohen Temperaturen, ungenügende Warentrennung oder Überschreiten der Verbrauchsfristen. Etwa sei man bei den Kontrollen auf Produkte gestossen, «bei welchen nicht bekannt war, wann sie hergestellt und die dann zu lange verwendet wurden.»

Betroffen waren laut Arpagaus häufig vorproduzierte Lebensmittel wie zum Beispiel Teigwaren oder vorgekochter Reis, die gelagert und später aufgewärmt werden. Bei klassisch heiklen Fleisch- und Eierprodukten gebe es mittlerweile weniger Probleme als früher.

«Es geht grossmehrheitlich um mikrobiologische Mängel, also Überschreitungen von Richtwerten», relativiert Arpagaus. Qualitätsverminderte Lebensmittel würden den Konsumenten ja nicht immer auffallen. «Nur im Extremfall fallen die Produkte den Konsumenten sensorisch auf und man muss von verdorbenen Lebensmitteln sprechen.»

Mengenmässig weniger bedeutsam waren gemäss Arpagaus Verunreinigungen oder Mängel bei der Kennzeichnung.

115 Betriebe im Kanton ungenügend

Neben der Prüfung von Lebensmitteln haben die Kontrolleure 1650 Inspektionen durchgeführt, namentlich in Trinkwasserversorgungen sowie Industrie-, Gewerbe-, Handels- und Verpflegungsbetrieben. Unter die Lupe genommen wurden etwa die Sauberkeit und der Zustand der Infrastruktur, die Ausbildung der Mitarbeitenden oder die Verarbeitung von Lebensmitteln vor Ort.

Über neun von zehn Betrieben haben die Inspektoren ein gutes bis sehr gutes Zeugnis ausgestellt, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Bei 115 Betrieben wurden grössere Mängel vorgefunden. «Für die Betroffenen bedeutet dies, dass sie umgehend Massnahmen treffen mussten und künftig häufiger von der Lebensmittelkontrolle überprüft werden», so Arpagaus.

Eine besonders krasse Situation angetroffen haben der der Kantonschemiker und seine Kontrolleure im vergangen Jahr in einem Käsekeller. «Da wurden alle gelagerten Käselaibe über lange Zeit nicht mehr gepflegt, das heisst nicht mehr gewaschen und gewendet, und auch die Hygiene im Keller war stark vernachlässigt. Der ganze Keller sah unschön aus.»

Der Käse sei so stark verschimmelt gewesen, «dass einem schon auf ersten Blick war klar wurde, dass da seit längerem nichts mehr gemacht wurde.» Warum das Geschäft so vernachlässigt worden sei, sei in diesem Fall schwer zu sagen. Vielleicht ein persönlicher Schicksalsschlag, mutmasst Arpagaus. «Da hat vorher alles gut funktioniert und plötzlich nicht mehr. Die Gründe sind uns unbekannt.» Für die Konsumenten bestand laut Arpagaus zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr. «Der ganze Kellerinhalt – rund 200 Kilogramm Käse – musste vernichtet werden. In den Verkauf geraten ist dieser Käse nie.»

Im Labor der Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz wurden rund 6400 Proben untersucht. (Bild: PD)

Im Labor der Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz wurden rund 6400 Proben untersucht. (Bild: PD)

Bedenklicher Hype um CBD-Hanf

Vorsicht geboten ist laut dem Kantonschemiker bei Produkten aus oder mit CBD-Hanf. Der sogenannte «legale Hanf» und daraus hergestellte Produkte hätten 2017 in Angebot und Nachfrage rasant zugenommen. Die Palette der in Shops und Internet angebotenen Produkte, welche das nicht berauschende CBD enthalten, sei breit. Es handle sich dabei um Rohstoffe wie Hanfblüten oder -pulver, verarbeitete Produkte, Nahrungsergänzungsmittel als Kapseln oder Tabletten, Flüssigkeiten für E-Zigaretten, Tabakersatzprodukte, Duftöle oder Salben.

Auch wenn Produkte, die weniger als ein Prozent des Wirkstoffes THC enthalten, nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, können sie nicht nach Belieben vertrieben und beworben werden, heisst es in der Mitteilung. Fälschlicherweise würden CBD-angereicherte Lebensmittel gerne mit Heilversprechen beworben, beispielsweise mit «schmerzlindernd» oder «entzündungshemmend».

Kantonschemiker Arpagaus stellt klar: «Tatsächlich handelt es sich bei diesen Produkten nicht um Heilmittel, ihre Wirkung ist nicht belegt. Oftmals ist sogar Vorsicht geboten. Je nach Quelle der Produkte ist auch die Unbedenklichkeit nicht sichergestellt.» Es sei daher eine zentrale Pflicht der Betriebe, dafür zu sorgen, dass die Produkte den rechtlichen Anforderungen genügen. «Wir verfolgen die Entwicklungen im CBD-Markt weiterhin aufmerksam», so Arpagaus. Bei Verstössen gebe es verschiedene Massnahmen. Im einfachen Fall könne eine unzulässige Werbeaussagen unterbunden werden, allenfalls müsse aber auch das Produkt aus dem Verkehr gezogen werden. Bei den bisherigen Kontrollen sei dies aber nicht der Fall gewesen.

Nur auf Repression setzen will der Kantonschemiker nicht: «Grundsätzlich unterstützten wir die Betriebe auch bei ihrer Selbstkontrolle. Die rechtliche Situation ist komplex, weshalb wir auch viele Anfragen erhalten, wie CBD-Produkte korrekt in Verkehr gebracht werden können.»

Mehr Sicherheit für Konsumentinnen und Konsumenten

2017 ist das neue Lebensmittelrecht in Kraft getreten. Dieses erlaubt neu etwa den Verkauf von Insekten als Nahrungsmittel oder CBD-Hanf. Wie die neuesten Daten der Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz zeigen würden, habe diese Neuerung keine besonderen Auswirkungen auf die Beanstandungsquote.

David von Moos

Der vollständige Bericht der Luzerner Lebensmittelkontrolle ist unter https://lebensmittelkontrolle.lu.ch/publikationen/jahresberichte einsehbar.

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