CEO der Pilatus-Bahnen: «Es ist gut möglich, dass bis Ende Jahr keine internationalen Gruppengäste mehr kommen»

Seit Mitte März fährt am Pilatus kein «Bähnli» mehr. Bis zum Normalbetrieb wird es noch sehr lange dauern, glaubt CEO Godi Koch. Immerhin bleibt 2019 als goldenes Jahr in Erinnerung – und hilft nun beim Überbrücken der Verluste.

Robert Knobel
Merken
Drucken
Teilen

Beim Lesen des Geschäftsberichts 2019 der Pilatus-Bahnen kommt geradezu Nostalgie auf: Touristen aus aller Welt strömten vergangenes Jahr ununterbrochen auf den Berg – die Bahn, die Restaurants und die Geschäfte auf dem Gipfel florierten.

Touristen fahren mit der Dragon-Ride von der Fräkmüntegg auf den Pilatus.

Touristen fahren mit der Dragon-Ride von der Fräkmüntegg auf den Pilatus.

Bild: Eveline Beerkircher (Kriens, 3. April 2015)

Insgesamt beförderten die Pilatus-Bahnen knapp 840'000 Personen – 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon reisten 604'000 bis ganz auf den Pilatus, so viele wie noch nie.

Bis vor wenigen Woche florierte das Geschäft am Pilatus – dank vielen internationalen Gästen, die nun aber wegbleiben.

Bis vor wenigen Woche florierte das Geschäft am Pilatus – dank vielen internationalen Gästen, die nun aber wegbleiben.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Der Grund ist der zunehmende Anteil ausländischer Gäste. Sie wollen meistens auf den Gipfel, während bei Schweizer Gästen vor allem die Krienseregg und die Fräkmüntegg mit ihren Gastro- und Freizeitangeboten beliebt sind. Auf der Fräkmüntegg sorgten zudem die neu eröffneten Attraktionen Dragon Glider, Wipfelpfad und Drachenalp für zusätzliche Frequenzen.

Anzahl Passagiere Pilatus-Bahnen

in Tausend
Total
davon bis Pilatus Kulm
201520162017201820190200400600800

Das Pilatusgebiet ist gleichzeitig als Winterdestination zunehmend gefragt. «Wir hatten im Winter eine starke Zunahme von Gruppengästen, vor allem aus China», sagt Godi Koch, CEO der Pilatus-Bahnen. Ein Highlight für Schweizer Gäste war zudem die Schlittelpiste zwischen Fräkmüntegg und Krienseregg, die während 49 Tagen in Betrieb war. Dass das Geschäft 2019 wie geschmiert lief, zeigt auch der Rekordumsatz von 37,8 Millionen Franken.

Nur die Armee ist noch auf dem Pilatusgipfel anzutreffen

Doch seit dem 15. März stehen alle Bahnen am Pilatus still. Wann der Betrieb wieder aufgenommen wird, ist völlig offen. Die einzigen Menschen, die sich zurzeit auf Pilatus Kulm aufhalten, sind einige Angehörige des Armee-Führungsstabs. Sie bleiben jeweils ein paar Tage dort und werden dann per Bahn wieder zu Tal gebracht.

Der Grossteil der Mitarbeitenden der Pilatus-Bahnen befinden sich in Kurzarbeit. Einzig die Angestellten der Zahnradbahn auf der Obwaldner Seite arbeiten vorläufig weiter. Denn die Zahnradbahn befindet sich ohnehin noch in der Winterpause und wird zurzeit planmässig revidiert.

Auch auf der Krienser Seite hofft die Direktion der Pilatus-Bahnen, den Stillstand für vorgezogene Unterhaltsarbeiten zu nutzen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, wie Godi Koch sagt: «Zurzeit wollen alle Bergbahnen Revisionsarbeiten machen. Wir hoffen, dass wir im April oder Mai bei der Firma Garaventa einen Termin erhalten.» Sollte dies klappen, könnte man sich einen Teil der geplanten Revision im Herbst sparen – wobei dann die Bahn im November nur noch während einer Woche geschlossen bleiben müsste.

Zuerst werden die Schweizer Gäste zurück kommen

Doch wie verkraftet das Bahnunternehmen den Stillstand finanziell? «Wir sind zum Glück gesund unterwegs», sagt Godi Koch. Auch das zeigt der Jahresbericht 2019: Die flüssigen Mittel betrugen Ende Jahr 36 Millionen Franken – das entspricht praktisch einem Jahresumsatz. Hinzu kommen Rückstellungen in der Höhe von 55 Millionen Franken. Doch auch wenn das Überleben gesichert ist, werden die Ausfälle 2020 wohl massiv ausfallen. Denn selbst wenn die Bahnen wieder fahren, wird es wohl noch sehr lange dauern bis das Niveau von vor der Krise wieder erreicht ist. «Es ist gut möglich, dass bis Ende Jahr überhaupt keine internationalen Gruppengäste mehr kommen werden», sagt Godi Koch. Umso wichtiger seien die Schweizer Gäste, die wohl als erste wieder auf den Pilatus zurück kehren werden.