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Chancenungleichheit?

Chefredaktor Jérôme Martinu zur Abschaffung der Hausaufgaben in der Luzerner Gemeinde Kriens.
Jérôme Martinu

Jérôme Martinu

Hausaufgaben sind ein Reizthema. Bisweilen gar eine heilige Kuh. Zu Recht? Kaum. Auch die Schulen müssen sich verändern. Das Reformtempo ist zwar oft (zu) hoch, Schulformen wie noch vor 20, 30 Jahren dürfen deswegen aber bestimmt nicht das Ziel sein. Kriens macht nun als erste Gemeinde der Zentralschweiz einen mutigen Schritt: Im nächsten Schuljahr werden Hausaufgaben abgeschafft. Stattdessen werden die Primarschüler im Unterricht täglich 20 bis 30 Minuten individuelle Aufgaben lösen. Gründe für den Systemwechsel: Mit dem Lehrplan 21 gibt’s mehr Schulstunden, es soll darum genügend Zeit für Freizeitaktivitäten bleiben. Weiter soll die Chancengleichheit verbessert werden, insbesondere für Kinder bildungsferner Familien. Und: Hausaufgaben erzielten «keine oder kaum Wirkung».

Was so geschliffen tönt, ist nicht frei von Widersprüchen. Kritische Einwürfe sind also angezeigt. So etwa zum«empirisch nachgewiesenen sehr geringen Nutzen» der Ufzgi, wie die Krienser Schulen mitteilen. In einem Bericht der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern tönt es differenzierter: Die Wirkung von Hausaufgaben auf die Leistungen der Schüler würde sich «je nach Alter unterscheiden». Ein vernünftiges Mass an Repetition oder Vertiefung ausserhalb des Unterrichts ist also nicht per se unnütz.

Was die Chancengleichheit betrifft, so ist dies ohne Zweifel ein wichtiges Ziel der Volksschule. In der Absolutheit des Anspruchs darf man sich aber keine Illusionen machen. Bildungsferne und -nahe Milieus sind ja nichts Neues. Die Schere wird sich auch in einem hausaufgabenlosen System nicht schliessen. Wo man sich in den Familien für die Schule interessiert, wird der eigene Nachwuchs auch weiterhin stärker gefördert.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch

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