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«Charmant auftreten» – «am Budget festhalten» – «auf Vertrauenspersonen setzen»: Dies raten langjährige Luzerner Kantonsrätinnen neuen Kandidatinnen

Am 31. März wählt das Luzerner Stimmvolk 120 Vertreter in den Kantonsrat. Um den Frauenanteil zu steigern, hat das überparteiliche Netzwerk «Frauen Luzern Politik» am Montag die Kandidatinnen für den Wahlkampf gerüstet.
Evelyne Fischer
Die Gruppe «Frauen Luzern Politik» beim Referat von Viviane Speranda-Koller über Chancen und Stolpersteine in der Öffentlichkeit. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 28. Januar 2019)

Die Gruppe «Frauen Luzern Politik» beim Referat von Viviane Speranda-Koller über Chancen und Stolpersteine in der Öffentlichkeit. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 28. Januar 2019)

32 der 120 Sitze im Luzerner Kantonsrat sind in Frauenhand. Damit dieser Anteil steigt, ist 2016 das überparteiliche Netzwerk «Frauen Luzern Politik» ins Leben gerufen worden. Dieses hat am Montagabend alle Kandidatinnen der Kantonsratswahlen vom 31. März in den Kantonsratssaal geladen.

Einleitend sagte Maria Pilotto, Grossstadträtin der SP: «Wenn wir Frauen in den Ämtern nicht vertreten sind, bleiben wir auch von weiterführenden Einflussbereichen ausgeschlossen.» Der Anteil der Frauen im Luzerner Kantonsrat stagniere seit Jahren bei 25 Prozent. Dies gelte es zu ändern. 135'000 mögliche Kandidatinnen und Wählerinnen gebe es im Kanton Luzern. «Nutzen wir dieses Potenzial.»

Weil der Auftritt in der Öffentlichkeit gelernt sein will, wies Viviane Speranda-Koller, Tele 1-Moderatorin und Medientrainerin, auf mögliche Stolpersteine hin – auch im Umgang mit Medien. «Reden lernt man, indem man redet», sagte sie. Ohne Vorbereitung gehe nichts. In Interviews sollten Kernbotschaften wiederholt werden, Sätze einfach und einprägsam sein («auch ein zwölfjähriges Kind sollte es verstehen»). Beim Auftritt vor der Kamera sei der richtige Einsatz der Gestik wichtig («weniger ist oft mehr»), auch die Kleiderwahl spiele eine Rolle: Der Ausschnitt nicht zu tief, der Rock nicht zu kurz, Schmuck nur dezent. Denn: «Alles was blinkt, lenkt von der Aussage ab.» Zum Schluss bilanzierte Speranda-Koller: «Habt keine Angst und übt, übt, übt.»

Auch vier langjährige Politikerinnen geben auf Anfrage unserer Zeitung einige Tipps weiter:

Marlis Roos Willi

Marlis Roos Willi

Marlis Roos Willi (54), Geiss, CVP-Kantonsrätin 2001-2019

«Damalige Grossratskollegen wie Franz Wüest, Guido Graf und Ida Glanzmann als Gotte haben mir den Einstieg leicht gemacht. Hilfe fand ich auch im Parteisekretariat. Kandidatinnen rate ich, Fragen zu stellen und auf Standpunkten zu beharren. Charme ist auch in der Politik ein Mittel, das man einsetzen soll. Eine Kandidatin soll sich nicht davon beirren lassen, dass die Organisation des Lebens ausserhalb der Politik etwas aufwendiger wird, gerade als Mutter. Man ist stets am Vorbereiten, Nachholen, Kompensieren und muss es aushalten, dass das schlechte Gewissen ein ständiger Begleiter ist.»

Angela Pfäffli-Oswald

Angela Pfäffli-Oswald

Angela Pfäffli-Oswald (63), Grosswangen, FDP-Kantonsrätin 2006-2019

«Interviewantworten würde ich wenn möglich von Freunden oder Wahlkampfhelfern gegenlesen lassen. Es ist schnell passiert, dass man sich unbedacht äussert oder sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Ich spreche aus Erfahrung: 2011 wurden Nationalratskandidaten von dieser Zeitung gefragt, welchen der damaligen Bundesräte man nicht mehr wählen würde. Mit der Konkordanz im Kopf nannte ich Eveline Widmer-Schlumpf. Wie ich später erfuhr, hat mich das viele wertvolle Stimmen gekostet. Mein erfahrener Parteikollege antwortete souverän, er entscheide erst nach den Wahlen.»

Katharina Meile

Katharina Meile

Katharina Meile (34), Kriens, Grüne-Kantonsrätin 2005-2017

«Wer neu kandidiert, erfährt viel Interesse. Am wichtigsten ist es, sich selbst zu bleiben. Für Auftritte wie Podien ist gute Vorbereitung Pflicht. Unsicherheit darf man transparent machen. Nicht alles zu wissen, ist legitim und besser, als etwas vorzuspielen. Gerade ältere Parlamentarier stehen jungen Politikerinnen gern zur Seite. Diese ‹Betreuung› kann man zur Lobbyarbeit nutzen, man darf und soll aber Grenzen setzen. Was das Äussere anbelangt, werden Frauen leider nach wie vor kritischer gemustert als Männer. Sich dem Anlass entsprechend anzuziehen, war für mich selbstverständlich.»

Nadia Furrer-Britschgi

Nadia Furrer-Britschgi

Nadia Furrer-Britschgi (40), Ballwil, SVP-Kantonsrätin 2007-2016

«Welche Ratschläge soll ich mir zu Herzen nehmen? Welche abprasseln lassen? Das war für mich der grösste Knackpunkt. Als 28-jährige Nominierte hatte ich ein knappes Budget für den Wahlkampf – dafür haufenweise Tipps. Ich empfehle, am gesetzten Budget festzuhalten und auf wenige, ausgewählte Personen zu hören. Weiter rate ich davon ab, Inserate und Statements von Drittpersonen schreiben zu lassen, vor den Wahlen den Rufnamen anzupassen oder im Wahlfieber den Kleiderstil neu zu formieren. Wer authentisch bleibt und wirbt, kommt auch glaubwürdig rüber.»

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