Chinesen bleiben weg – die grosse Leere auf dem Schwanenplatz in Luzern

Wegen des Corona-Virus hat Chinas Regierung Gruppenreisen ins Ausland gestoppt. Das führt in Luzern zu Umsatzeinbussen.

Roger Rüegger
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Der Schwanenplatz in Luzern war gestern Mittag menschenleer, die Uhrengeschäfte kaum frequentiert.

Der Schwanenplatz in Luzern war gestern Mittag menschenleer, die Uhrengeschäfte kaum frequentiert.

Bild: Manuela Jans-Koch (7.Februar 2020)

Das Bild wirkt fast idyllisch. Luzern präsentiert sich derzeit ziemlich menschenleer. Dies, seit die chinesische Regierung aufgrund des Corona-Virus Gruppenreisen nach Europa gestoppt hat. Die zahllosen chinesischen Touristen, die sich an einen Stadtführer heften, bleiben seit Anfang Februar fern.

Dies fällt insbesondere an Hot-Spots auf, wo sonst Touristenbusse im Minutentakt vorfahren und emsig Frauen und Männer aus Asien ein- und aussteigen. Am Löwenplatz etwa fuhren am Freitag, wenn überhaupt, kaum zwei Busse gleichzeitig zu. Dasselbe Bild bot sich am Schwanenplatz. Nur gerade ein Bus liess eine Gruppe Touristen aussteigen. Sie seien aus Korea, sagt ein junger Mann, der einen blauen Steppmantel und eine gelbe Spiegelsonnenbrille trägt. Sie würden nach der Stadtbesichtigung auf den «Mount Ligi» fahren, erzählt er. Dieselben Leute treffen wir später beim Löwendenkmal, sonst sind kaum Gäste aus Asien zu sehen.

Absehbar, dass die Misere vorbei geht

Das Fernbleiben der Chinesen mag für andere Touristen und auch für Einheimische, die sich über unhaltbare Zustände im Busverkehr beklagen, in Ordnung sein. Für viele Geschäfte in der Touristenstadt Luzern ist die Lage besorgniserregend. So etwa Gasthäuser, in denen sich asiatische Touristen stärken, bevor sie auf Shoppingtour aufbrechen. In einem Restaurant, das wir auf Wunsch des Chefs nicht nennen, befinden sich als Gäste nur ein einheimisches Paar. Der Wirt zuckt die Schultern. «Was sollen wir machen? Wir verzeichnen derzeit einen Umsatzrückgang von 70 bis 80 Prozent», erzählt der Mann. Er werde sich wohl mit dem Gedanken befassen müssen, Kurzarbeit anzumelden.

Auch bei «Casagrande Souvenirs» rechnet man in den nächsten paar Wochen mit einer «empfindlichen Einbusse. Seit Anfang Februar reisen keine Gruppen aus China mehr an, diese Kundschaft fehlt uns im Winter. Vor allem bei den in China beliebten mechanischen Uhren rechnen wir mit einem massiven Einschnitt», sagt Mitinhaber Robert Casagrande. Als Massnahmen seien der Abbau von Überstunden und das Beziehen von Ferien denkbar. Den Teufel an die Wand malt er nicht. Es sei ja absehbar, dass die Misere wieder vorbeigehe. Nach einem halben Jahr hätten die Leute die Geschichte hoffentlich vergessen.

Auf den Rückgang der Besucher aus China ist man bei Carl F. Bucherer vorbereitet. «Bei weniger Frequenz werden wir Personalpläne anpassen. Wer möchte, kann Überstunden abbauen», teilt PR-Chefin Regina Schilcher mit. Die Firma habe in 130 Jahren gelernt, mit Krisen umzugehen. Als die ersten «SARS»-Fälle bekannt wurde, habe Bucherer eine Task Force gebildet, Szenarien entworfen und Stellschrauben definiert. Derzeit sei es zu früh, um die finanziellen Auswirkungen des Corona-Virus zu beziffern. Zudem habe Bucherer auch lokale Kunden und Gäste. «Diesen möchten wir unveränderten Service bieten.» Laut Luzern Tourismus verzeichnen vereinzelte Hotels und Bergbahnen einen Gästerückgang. Da für Reisende aus China nicht Hochsaison ist, seien Verluste relativ gering.