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Chinesische Reisegruppe kurbelt in Engelberg das Mai-Geschäft an

12'000 Verkäufer der Kosmetikfirma «Jeunesse Global» besuchen in den nächsten Tagen die Zentralschweiz – seit Freitag auch den Titlis. Sogenannte «Incentive»-Reisen sind hierzulande ein Millionengeschäft.

Jonas von Flüe
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Die chinesische Reisegruppe ist in Engelberg Teil des Tagesgeschäfts. (Bild: Pius Amrein, 18. Januar 2016)

Die chinesische Reisegruppe ist in Engelberg Teil des Tagesgeschäfts. (Bild: Pius Amrein, 18. Januar 2016)

12'000 Personen umfasst die chinesische Reisegruppe, die in den nächsten zwei Wochen die Zentralschweiz besuchen wird. Allein 4000 Touristen werden am Montag in Luzern erwartet (wir berichteten). Die Teilnehmer sind allesamt Verkäufer der amerikanischen Firma Jeunesse Global, die weltweit Kosmetik- und Wellnessprodukte sowie Nahrungsergänzungsmittel vertreibt. Die Reise erhalten die 12'000 Personen als Bonus, weil sie ein gestecktes Verkaufsziel erreicht haben.

«Incentive»-Reisen, die als Anreiz zur Leistungssteigerung dienen, sind ein Millionengeschäft und werden für den Schweizer Tourismus immer wichtiger. In den letzten fünf Jahren stieg der mit solchen Reisen aus Asien generierte Umsatz in der Schweiz um 62 Prozent auf 25 Millionen Franken, wie ein Sprecher von Schweiz Tourismus erklärt. Waren es 2017 noch 245 «Incentive»-Reisen, unterstützte Schweiz Tourismus im vergangenen Jahr bereits 376 Reisen.

«Jeunesse Global» setzt in puncto Grösse aber neue Massstäbe. Die ersten Teilnehmer der Reisegruppe sind seit Donnerstag in der Schweiz. In Bussen werden sie von ihren Hotels in Zürich und Basel nun zum Rheinfall, in die Aareschlucht oder eben nach Luzern und zurück gefahren.

800 bis 1000 zusätzliche Gäste pro Tag

Adrian Borgula, Verkehrsdirektor der Stadt Luzern, äussert sich nur zurückhaltend zur Nachhaltigkeit dieser Reisevariante. Er sagt: «Es ist nicht unsere Sache, diesen Unternehmensentscheid zu beurteilen. Immerhin reisen die Besucherinnen und Besucher unserer Stadt innerhalb der Schweiz in Cars, also in flächeneffizienten Verkehrsmitteln.»

Bereits am Freitag ist der erste Teil der Reisegruppe in Engelberg eingetroffen. Denn auch der Titlis darf in der Schweizer Reise von «Jeunesse Global» nicht fehlen. Anders als in Luzern hat man sich aber nicht speziell auf die Gäste vorbereitet. Pro Tag kommen nämlich weniger Gäste. Peter Reinle, stellvertretender Geschäftsführer der Titlis-Bahnen sagt: «Wir rechnen mit 800 bis 1000 zusätzlichen Gästen pro Tag. Das läuft sozusagen mit unserem Tagesgeschäft mit.» Die Reisegruppe reist auf neun Tage verteilt an.

Reinle rechnet im Mai mit insgesamt rund 120'000 Gästen. «Die Tagesgrenze liegt aktuell – im gemischten Betrieb – bei rund 6000 Gästen pro Tag. Im Moment zählen wir rund 2000 bis 3000 Gäste pro Tag auf dem Berg. Das sind eher wenig im Vergleich. Deshalb kommt uns diese grosse Gruppe gerade gelegen.»

«Jeunesse Global» ist in 88 Ländern tätig

Über den Veranstalter «Jeunesse Global» ist hierzulande wenig bekannt. Die Firma ist laut Webseite in 88 Ländern tätig. Ihre Produkte vertreibt sie nicht in Ladenregalen, sondern wie beim sogenannten Multi-Level-Marketing (MLM) üblich, durch Mundpropaganda von selbständig tätigen Vertriebspartnern. Diese verdienen nicht nur an verkauften Produkten, sondern auch am Umsatz, den von ihnen rekrutierte Mitglieder generieren.

Erreichen die Verkäufer ein gestecktes Ziel, steigen sie in der Erfolgstreppe eine Stufe höher. Ab der Stufe Direktor (Stufe 6 von 9) kommen die Verkäufer in den Genuss von Gratisferien. Die besten Verkäufer der Region «Asia Pacific» reisten kürzlich nach Griechenland – die besten Chinesen sind nun in der Schweiz.