CHOR: Viel mehr als nur Singen

Statt in der Schule singen heute viele Kinder und Jugendliche in Chören. So auch die 188 Kinder, die an der 1. Innerschweizer Kinder- und Jugendchormeisterschaft mitmachten.

Natalie Ehrenzweig
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Incanto Ballwil belegte an der Meisterschaft den dritten Platz. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 6. Mai 2017))

Incanto Ballwil belegte an der Meisterschaft den dritten Platz. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 6. Mai 2017))

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

9 der 15 Kinder- und Jugendchöre, die im Verband der Chöre ­Innerschweiz organisiert sind, traten gestern an der 1. Innerschweizer Kinder- und Jugendchormeisterschaft an der Luga gegeneinander an. Dabei war nicht nur das Mitmachen wichtig, man wollte gewinnen. «Es wird weniger in der Schule gesungen als früher. Deshalb bilden sich mehr und mehr Kinder- und Jugendchöre. Das freut uns sehr», erklärt Toni Rosenberger, Projektleiter. Doch diese Chöre bräuchten einen Raum, allenfalls Instrumente, Noten.

«Und eine professionelle Chorleitung ist sehr wichtig», betont Toni Rosenberger. Gewinnerchöre konnten sich über einen Zustupf freuen.

Wegen Akustik nicht auf der Eventbühne

Anders als etwa beim Fussball, bei dem zum Beispiel ein interessierter Vater eine Mannschaft trainieren kann, brauche es beim Singen mit Kindern mehr Wissen. «Wenn man sich nicht mit Kinderstimmen auskennt, kann man sie sogar kaputtmachen», erklärt der Chorleiter. Deshalb brauche es einen Profi in der Leitung.

Am Vormittag sangen die Kinderchöre Projektchor, United Singers, Farfallina-Singers Obernau und der Boys Choir Lucerne gegen einander. Eine gewisse Nervosität war spürbar, auf der Bühne wie im Publikum, wo vor allem Eltern sassen. Dies könnte vor allem dem Ort geschuldet sein. «Wir können nicht auf der Eventbühne singen, das funktioniert mit der Akustik nicht», erklärt Toni Rosenberger, weshalb der Anlass im Forum oberhalb der Halle 1, etwas abgeschnitten von der Luga, stattfindet.

Doch das tat dem Engagement der Kinder auf der Bühne keinen Abbruch. Bei jedem Auftritt wurde klar: Chor ist so viel mehr als nur Singen. Da wird getanzt, einfache oder aufwendige Choreografien werden gezeigt, Requisiten wie Teddybären oder eine Hupe eingebaut. Die Jury ist streng, bemängelt zum Beispiel, dass nicht alle Sänger das «T» zur gleichen Zeit singen oder der Text nicht immer verständlich ist. Den ersten Platz belegte der Boys Choir Lucerne, dessen Mitglieder stolz ihren Preis entgegennahmen: «Ich war nicht besonders nervös, wir hatten schon einige Auftritte», erklärt Niklas Hodel (7) aus Luzern. Er sei gern im Chor, weil er Singen ein cooles Fach finde.

Am Nachmittag war es dann an den Jugendchören, um die Wette zu singen – leider vor weniger Publikum. Eine Chorleiterin machte ihrem Chor Dampf: «Jetzt mönder eifach schön senge.» Und das taten sie. Ob Pop, Klassik oder ein altes Volkslied: Das Repertoire ist sehr breit. Das ist ganz im Sinne des Verbands. Und von Lea Fischer (15). Die Ballwilerin singt bei Incanto Ballwil und mag diese Vielseitigkeit im Chor, auch wenn sie daheim vor allem Pop hört. «Ich habe immer gern Musik gehört, und als ich den Chor der Musikschule gesehen habe, wollte ich mitmachen.» Bei den Jugendchören haben übrigens die Herrenstimmen des Boys Choir gewonnen.

Hinweis

Infos: www.chöreinnerschweiz.ch