Christbaum-Shopping: Wer die Wahl hat, hat die Qual

Wenn es beim Kauf des Weihnachtsbaums eine Regel gibt, dann diese: Je länger man sich Zeit nimmt, desto schwieriger wird die Entscheidung. Das zeigt sich beim Besuch zweier Christbaummärkte im Schönbühl-Quartier.

Jonathan Biedermann
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Ja nicht grösser als man selbst oder muss er bis unter die Decke reichen? Eher buschig und dicht — oder doch lieber karg, so dass auch die grössten Kugeln darin Platz haben? Weihnachtsbaum-Shopping war noch nie einfach. Der Besuch zweier Christbaummärkte beim Schönbühl-Center am Samstag zeigt die Vielfalt an Kriterien auf.

Für die Familie Ingerfeld reicht dieses Jahr ein kleiner Baum: Familienvater Peter und seine Tochter Leni Ingerfeld vor ihrem (noch ungeschmückten) Schmuckstück.

Für die Familie Ingerfeld reicht dieses Jahr ein kleiner Baum: Familienvater Peter und seine Tochter Leni Ingerfeld vor ihrem (noch ungeschmückten) Schmuckstück.

Jonathan Biedermann, Schönbühl, 14. Dezember 2019

Für Peter Ingerfeld und seine Tochter Leni zählt für gewöhnlich die Grösse. Da sie aber gleich nach den Festtagen verreisen, entscheiden sie sich dieses Jahr für einen kleineren. «Das reicht für die fünf Tage», erklärt der Familienvater. Obwohl sie den Baum nicht bis zum Tag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar stehen lassen können, muss er die anderen Kriterien erfüllen: «gerade gewachsen und gleichmässig buschig».

Das Schmücken sei immer ein Familienevent, erzählt Leni: «Papa kümmert sich um die Lichterketten, meine Schwester Mila und ich hängen die Kugeln auf und Mama wählt alle Farben aus, die an den Baum kommen».

Diese Familie freut sich über einen Baum, der fast so hoch ist wie ihr Wohnzimmer.

Diese Familie freut sich über einen Baum, der fast so hoch ist wie ihr Wohnzimmer. 

Jonathan Biedermann, Schönbühl, 14. Dezember 2019

Für die vierköpfige Familie aus dem Tribschenquartier, die nicht mit Namen genannt werden möchte, muss es unbedingt eine Nordmanntanne sein. Der Vater begründet: «Die halten nämlich besonders lange. Schliesslich soll der Weihnachtsbaum sobald als möglich im Wohnzimmer stehen und auch bis zum 6. Januar dort bleiben.» Beim Rest dürfen auch die Kinder mitbestimmen. Gross dürfe er auf jeden Fall sein, die Decke liegt auf 2.4 Metern. Der Mutter gefällt es, wenn der Baum dicht ist, dann kann auch aller Schmuck angehängt werden.

Die Kinder hätten nämlich Schmuck von den Grosseltern erhalten. «Wir haben verschiedene Kugeln», erzählt der Sohn, «und ausserdem eine Leiter mit Samichläusen drauf», fügt die Tochter an. Selbstverständlich dürfe die Schokolade nicht fehlen. Was auf keinen Fall in Frage komme, seien Lichterketten, hebt die Mutter hervor.

Lukas Lustenberger und seine Freundin freuen sich über ihr einheimisches Exemplar.

Lukas Lustenberger und seine Freundin freuen sich über ihr einheimisches Exemplar. 

Jonathan Biedermann, Schönbühl, 14. Dezember 2019

Anders bei Lukas Lustenberger und seiner Freundin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: Lichterketten gehören hier dazu. Den dazu passenden Baum finden sie schnell. Dichte und Breite spielen für das Paar keine Rolle. «Mir war vor allem wichtig, dass er von hier ist», stellt Lukas klar.

Das Schmücken wollen sie gemeinsam angehen. Dazu wurde das Arsenal wie jedes Jahr um zwei Kugeln erweitert. Der Christbaum soll zeitnah aufgestellt werden und wird erst Ende Januar wieder aus der Wohnung verschwinden.

Das Bild täuscht: Die Tanne ist nicht annähernd so gross wie Selma Oez. Sie wollte lediglich nicht erkennbar sein und ging in Deckung.

Das Bild täuscht: Die Tanne ist nicht annähernd so gross wie Selma Oez. Sie wollte lediglich nicht erkennbar sein und ging in Deckung. 

Jonathan Biedermann, Schönbühl, 14. Dezember 2019

Bei Selma Oez muss der Baum spätestens nach Neujahr raus. Sie und ihr Partner hängen dann allerdings Futtersäckchen für die Vögel an die Äste. Bei der Auswahl sage der erste Blick alles. «Manchmal sticht mir auch ein hässlicher Baum ins Auge, das ist völlig in Ordnung». Form und Dichte seien ihr nicht wichtig. «Ich geniesse allem voran den herrlichen Duft, deshalb muss er sogleich ins Wohnzimmer.»

Zum Schmuckbestand komme jedes Jahr eine neue Kugel. Dafür bleiben Lichterketten und Kerzen dem Weihnachtsbaum fern. «Am meisten Spass mit dem Schmuck haben jeweils die Katzen.» Aber auch die Nichten und Neffen, die am 24. Dezember zu Besuch kommen, würden sich darüber freuen.

Sie sind sich der Falle bewusst: Nicole Müller und Christoph Kaminski haben nicht lange hin und her überlegt, sondern sich schnell entschieden.

Sie sind sich der Falle bewusst: Nicole Müller und Christoph Kaminski haben nicht lange hin und her überlegt, sondern sich schnell entschieden.

Jonathan Biedermann, Schönbühl, 14. Dezember 2019

Für Nicole Müller und Christoph Kaminski macht es wiederum die Form aus: dicht und buschig müsse die Tanne sein. «Und kleiner als ich», fügt sie an. Wenn es beim Weihnachtsbaum-Shopping eine Regel gebe, dann diese: «Je länger man sich umsieht, desto schwieriger wird die Entscheidung.»

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