Ciao Stau! Dank Gebühr zählt Horwer Ökihof samstags bis zu 60 Prozent weniger Kunden

Wer im Horwer Ökihof samstags etwas entsorgen will, bezahlt seit Anfang Jahr fünf Franken. Diese Lenkung zahlt sich verkehrsmässig aus. Doch unklar ist, auf welchen Tag und wohin die Leute nun ausweichen.

Roman Hodel
Merken
Drucken
Teilen
Blick in den Ökihof.

Blick in den Ökihof.

Bild: Philipp Schmidli, Horw (18. Februar 2020)

Chaotische Zustände herrschten am Samstag mitunter im Horwer Ökihof: Im Minutentakt fuhren Kunden im Recyclingcenter vor. Manchmal bloss, um ein paar wenige Dinge zu entsorgen – so quasi auf dem Weg zum Einkaufen im benachbarten Pilatus-Markt. In der Folge kam es teils zu massiven Rückstaus. Doch damit ist seit Anfang Jahr Schluss: Die Einführung der Fünfliber-Grundgebühr am Samstag zeigt Wirkung. Pro Samstag kommen im Schnitt nur noch 180 Kundinnen und Kunden – im vergangenen Jahr waren es noch 360 gewesen. Das sind 50 Prozent weniger. Im Februar zählte man sogar 60 Prozent weniger Kunden.

«Die Lenkung über den Fünfliber funktioniert bestens und der Rückgang entspricht unseren Erwartungen», sagt Martin Zumstein, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Real. Der Entsorgungsverband betreibt elf Ökihöfe im Grossraum Luzern. «Wer nur wenig oder primär gebührenfreie Stoffe zu entsorgen hat, meidet in Horw nun den Samstag.» Jene hingegen, die ohnehin gebührenpflichtige Stoffe entsorgen, kämen weiterhin, denn das Geld wird ihnen angerechnet. Dies betrifft samstags mittlerweile 80 Prozent der Kunden. Zumstein sagt:

«Und der beste Effekt ist natürlich die staufreie Ringstrasse.»

(Bild: Philipp Schmidli, Horw 18. Februar 2020)

Allein schon die Ankündigung in den Medien, wonach die Grundgebühr von einem Fünfliber auf den 1. Januar eingeführt werde, hatte die Besucherzahlen an den Samstagen im Dezember um 30 Prozent schrumpfen lassen gegenüber dem Vormonat. Am ersten Samstag mit Grundgebühr kehrten dann laut Zumstein rund ein Dutzend Automobilisten um, weil sie nicht bereit waren, den Fünfliber zu bezahlen. Jetzt komme dies nur noch vereinzelt vor. Die meisten Kunden zeigten Verständnis, das Personal sei auch nie beschimpft worden. Zumstein: «Im Gegenteil. Viele begrüssen, dass endlich etwas geht im Kampf gegen das hohe Verkehrsaufkommen am Samstag.»

Nicht ganz klar ist allerdings, auf welchen anderen Tag und allenfalls in welches andere Recyclingcenter die bisherigen Horwer Kunden ausweichen. «Dafür ist die Zeitspanne seit Einführung des Fünflibers zu kurz», so Zumstein. Klar ist einzig: Der neu geschaffene offene Mittwochabend kann es nicht sein. Im Schnitt kämen am Mittwochabend bloss 20 bis 50 Kunden. Zumstein sagt:

«Das erstaunt uns ein Stück weit, denn in einer Befragung wünschten sich viele Real-Kunden bei uns gleiche Öffnungszeiten wie etwa im Detailhandel, insbesondere bezüglich Abendeinkäufe.»

Wobei es nicht das erste Mal sei, dass Wunsch und Realität auseinander klaffen würden. Als Beispiel nennt Zumstein die von Kunden einst gewünschte frühere Öffnung am Samstag. Auch hier habe man eine Zeit lang um 7.30 Uhr statt 8.30 Uhr aufgemacht. «Mit dem Resultat, dass die meisten trotzdem erst zwischen 9.30 und 11.30 Uhr gekommen sind», sagt Zumstein. Das Experiment habe man deshalb wieder abgeblasen. Das gleiche Schicksal blüht dem Mittwochabend, sollten sich die Zahlen nicht bessern. Die Testphase dauert bis Ende Jahr.

Das Fernziel ist sowieso immer noch ein Ökihof für Luzern-Süd an einem anderen Standort. Doch bekanntlich ist hier selbst nach 24 geprüften Standorten keine Lösung in Sicht. Beim aktuell wahrscheinlichsten im Grütwäldli neben dem Pilatus-Markt droht das Vorhaben zu scheitern, weil der Kanton keine Waldrodung bewilligen dürfte (wir berichteten).

Blick aufs Grütwäldli beim Pilatusmarkt.

Blick aufs Grütwäldli beim Pilatusmarkt.

(Bild. Roger Grütter, Kriens 18. Februar 2020)

Zum Ärger der FDP, die sich dem Thema Ökihof seit 2014 verschrieben hat - mit Vorstössen und auch einer Petition. FDP-Einwohnerrat Urs Rölli konnte sich an der Parlamentssitzung vergangene Woche im Rahmen der Beantwortung eines entsprechenden Vorstosses die Bemerkung nicht verkneifen: «Es ist schon erstaunlich, wie die Stadträte von Kriens und Luzern keine Ideen und Lösungen bringen, obwohl für ihre rund 110'000 Einwohner kein Ökihof auf ihrem Grund und Boden steht.»

Immerhin können die Krienser und Horwer noch über das Ganze lachen - zumindest an der Fasnacht. Die Fünfliber-Grundgebühr war idealer Stoff für ein Sujet an den vergangenen Umzügen, wie hier in Horw:

(Bild: Roman Hodel, Horw 23. Februar 2020)

«Ich war selber nicht vor Ort, musste aber schmunzeln, als ich die Fotos gesehen habe», sagt Martin Zumstein. Es zeige, dass die Bevölkerung den Ökihof schätze und Anteil nehme. «Umso betrüblicher ist deshalb, dass die Raumplanung keine Rahmenbedingungen schaffen kann, die ein neues Recyclingcenter an einen anderen Standort ermöglichen.»

Wegen Corona: Leute sollen Ökihof
möglichst selten aufsuchen

Die Ökihöfe des Gemeindeverbands Real sind noch zugänglich. Deren Betrieb könne aber aufgrund des Corona-Virus je nach Lagebeurteilung reduziert oder eingestellt werden, wie Real am Freitag mitteilte. Aktuelle Infos gibt es auf der Homepage. Als erste Massnahme werde die Anzahl der Parkplätze reduziert, damit nicht zu viele Besucher gleichzeitig auf dem Ökihof sind. Real ruft die Bevölkerung dazu auf, diese nur aufzusuchen, «wenn kein anderer Entsorgungsweg möglich ist». Der Zutritt für kranke Personen sei verboten, es gälten die vom Bund kommunizierten Schutzmassnahmen wie etwa der 2-Meter-Abstand zwischen den Personen.