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Luzern-Touristen wollen vermehrt dorthin, wo die Einheimischen sich treffen

Reisegruppen aus China, die carweise den Schwanen- und den Löwenplatz bevölkern, bestimmen heute das Bild des Tourismus in der Stadt Luzern. In Zukunft dürfte aber ein anderes Touristen-Phänomen zunehmen.
Roman Hodel
DIE NEUSTADT WIRD IMMER MEHR BEVOELKERT. AM MITWOCH, 5. APRIL 2005 SITZEN LEUTE IM RESTAURANT HELVETIA IM HELVETIAGARTEN. (NEUE LZ / MICHAEL BUHOLZER) (Bild: Michael Buholzer)

DIE NEUSTADT WIRD IMMER MEHR BEVOELKERT. AM MITWOCH, 5. APRIL 2005 SITZEN LEUTE IM RESTAURANT HELVETIA IM HELVETIAGARTEN. (NEUE LZ / MICHAEL BUHOLZER) (Bild: Michael Buholzer)

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

Woran denkt man bei Tourismus in der Stadt Luzern – an Reisegruppen, die vom Car zum Löwendenkmal marschieren? Gut möglich. An chinesische Touristen beim Uhren-Grosseinkauf am Schwanenplatz? Bestimmt. Doch schätzungsweise nur 1,4 der 9,7 Millionen Tages- und Übernachtungsgäste, die im vergangenen Jahr Luzern aufsuchten, entsprechen diesem klassischen Touristen. Jenen also, die sich grob gesagt zwischen Löwen- und Schwanenplatz bewegen – und am nächsten Tag schon in Mailand oder Paris weilen. Der Grossteil der 9,7 Millionen sind jedoch Tagesgäste, vornehmlich aus der Schweiz. Sie kommen hierher, um einzukaufen und ihre Freizeit zu verbringen.

In Zukunft aber wird Luzern vermehrt von einer anderen Art Touristen besucht: Einzelreisenden aus dem Ausland, die sich bewusst unter die Einheimischen mischen. Touristen, die man nicht auf der Hertensteinstrasse trifft, sondern in einem kleinen Szene-Laden in der Neustadt, beim Kaffeetrinken im Helvetiagärtli oder auch im Ausgang im Neubad. «New Urban Tourism» nennt sich das. «Im Gegensatz etwa zu Berlin und anderen Grossstädten ist dieses Phänomen in Luzern zwar noch nicht sehr verbreitet – aber stark im Kommen.» Dies sagte Bruno Affentranger am Dienstagabend am City-Talk der City-Vereinigung.

Asiatische Touristen zunehmend in Kleingruppen

Der Inhaber und Partner der BA Media GmbH Luzern hat sich intensiv mit «New Urban Tourism» beschäftigt – und er sieht viel Potenzial gerade für den einheimischen Detailhandel: «Davon könnten beispielsweise Uhrmacher profitieren, weil solche Touristen Interesse an Dingen haben, die wirklich von hier kommen oder hier produziert werden.» Möglich sei auch, dass es zu einer Renaissance von gewissen Berufsarten wie etwa dem Sattler komme. Zahlen, wie viele Touristen heute schon unter den Begriff «New Urban Tourism» fallen, gebe es zwar keine, «aber man beobachtet bereits heute, dass asiatische Touristen zunehmend in Kleingruppen reisen», so Affentranger.

Jede Chance birgt allerdings Risiken: Wer sich unter Einheimischen bewegt, will auch entsprechend leben. Diese Leute buchen kein Hotel, sondern ein Zimmer via Buchungsplattform Airbnb. Mögliche Folgen davon sind die Verknappung von Wohnraum in gewissen Stadtquartieren oder steigende Mietzinse. Affentranger nannte als Negativbeispiel das kroatische Küstenstädtchen Dubrovnik. Dort können sich Einheimische kaum mehr Wohnungen leisten. «In Luzern sind wir jedoch weit davon entfernt, wie mir Fachleute versichert haben», sagte Affentranger. Einen weiteren Knackpunkt ortete er bei der Mobilität: Diese nehme gerade beim Individualtourismus viel stärker zu als beim Gruppentourismus, wie Untersuchungen zeigen würden. Ein heikles Thema gerade in Luzern.

Einkaufen ennet der Grenze lohnt sich ab Luzern kaum

Apropos Touristen: Mit Einkaufstouristen befasste sich Sascha Jucker, Ökonom bei der Credit ­Suisse, in seinem Referat: «Luzern profitiert in der Schweiz am meisten von Einkaufstouristen.» Gemeint sind insbesondere die Chinesen, die hier Uhren und Schmuck kaufen. «Zwar sind die Wachstumsraten bei den Chinesen nicht mehr so hoch wie auch schon», sagte Jucker. «Aber weil Luzern im Gegensatz zu anderen Städten von der Lage her umgekehrt kaum vom Einkaufstourismus der Schweizer im Ausland betroffen ist, hat die Stadt unter dem Strich den besten Saldo.»

Er rechnete überdies vor, dass sich für Luzerner das Einkaufen ennet der Grenze kaum lohnt. Konkret müssten zwei Personen, die mit dem Auto nach Waldshut fahren, für mindestens 729 Franken einkaufen, damit es «rational-ökonomisch» einschenkt. Zum Vergleich: Ab Basel wäre bloss ein Einkauf von 20 Franken nötig. «Bei unserer Berechnung sind die investierte Zeit, die Distanz und auch die Fahrkosten voll eingerechnet», sagte Jucker. Es ist denn auch kein Wunder, dass laut Statistik drei von vier Schweizer Einkaufstouristen aus Grenz­kantonen stammen. Jucker formulierte es so: «Der Einkaufstourismus der Schweizer etwa in Deutschland hat wenig Einfluss auf den Luzerner Detailhandel.»

Das dürften die anwesenden Detailhändler gerne gehört haben. Ebenso wie die Prognose von Jucker, wonach der Detailhandel dieses Jahr leicht an Umsatz zunehmen wird: «Allerdings gilt dies auch für den ausländischen Onlinehandel wie etwa Amazon – und damit wird sich der Schweizer Detailhandel noch auseinandersetzen müssen.

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