CITY TRAIN: Ein Viertel der Fahrgäste stammt aus Indien

Seit 10 Jahren hat Luzern ein Touristen- Bähnli. Rund 20 000 Personen nutzen das Angebot pro Jahr.

Hugo Bischof
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Geschäftsführer Otto Schmidlin gestern in der Fahrerkabine des City Train Luzern. (Bild Manuela Jans)

Geschäftsführer Otto Schmidlin gestern in der Fahrerkabine des City Train Luzern. (Bild Manuela Jans)

«Der Grendel war früher ein Wasserkanal mit direkter Verbindung zum See; er wurde Anfang 19. Jahrhundert aufgeschüttet; heute sind hier die traditionellen Uhrengeschäfte Luzerns ansässig.» Knapp und leicht verständlich tönt die Information aus den Kopfhörern im City Train Luzern, der vom Hotel Schweizerhof aus zu seiner Tour gestartet ist. Seit 10 Jahren dreht der 18 Meter lange blauweisse Tatzelwurm, bestehend aus Lokomotive und zwei Anhängern, seine Runden in Luzern.

Gründer und Geschäftsführer des City Train ist der 48-jährige Otto Schmidlin. «Ich wollte ein neues Angebot für die Touristen in Luzern schaffen», erzählt er. Am 28. Mai 2003 fuhr der Zug erstmals. In der Startsaison verzeichnete er rund 10 000 Fahrgäste – Tendenz steigend. Schmidlin: «Seit vier Jahren hat sich die Zahl bei rund 20 000 eingependelt. Die City-Train-Saison dauert jeweils von Ostern bis Ende Oktober.

Fahrt dauert 40 Minuten

40 Minuten dauert die Fahrt. Sie führt an die touristischen Highlights der Innenstadt. Gestern waren auffällig viele indische Touristen an Bord. «Sie machen 20 bis 25 Prozent unserer Gäste aus», bestätigt Schmidlin. Etwa gleich gross ist der Anteil Deutscher. Danach folgen Russen (10 Prozent), weitere Asiaten (10 Prozent) sowie Spanier, Italiener, Franzosen, Amerikaner und Australier (je 5 Prozent). Die Schweizer sind mit 10 Prozent vertreten. Auch Luzerner können auf der Tour Spannendes erfahren. Oder haben Sie gewusst, dass die Spreuerbrücke so heisst, weil man früher nur von dieser Brücke aus Spreu, Stroh und Laub in die Reuss schütten durfte?

Letztes Jahr schaffte Schmidlin neues Fahrmaterial an. «54 Plätze hat der City Train nun, die Seitenfenster sind versenkbar, an kalten Tagen können wir heizen.» Den Audiokommentar gibts in zehn Sprachen. «Damit sind wir schweizweit führend», sagt Schmidlin. Vergleichbare Angebote gibt es an etwa zehn anderen Orten – von Murten über Interlaken bis Lugano. «Bei Regen haben wir mehr Fahrgäste», sagt Schmidlin. «Dann verzichten die Leute auf die Bergtour und machen lieber eine Stadtrundfahrt.»

Es gab auch Rückschläge

Zehn Jahre City Train – da gab es auch Rückschläge. Im Juli 2004 durchbohrte eine vom Bourbaki herunterfallende Holzlatte das Zugdach – glücklicherweise ohne Verletzte. Schmidlin: «Abgesehen von kleineren Streifkollisionen, hatten wir sonst glücklicherweise keine nennenswerten Unfälle.»

Der aus Triengen stammende Schmidlin arbeitet hauptberuflich als Verkehrsexperte im Bereich Führer-, Fahrzeug- und Schiffsprüfungen. Den Unterhalt und die Reparaturen am City Train macht er nach Möglichkeit selber. Seine Frau Gaby ist für das Administrative zuständig. «Der City Train Luzern ist rentabel», sagt Schmidlin. Sechs Fahrer sind teilzeitlich für ihn im Einsatz.

«Der City Train ist eine wertvolle Ergänzung zu unseren Stadtführungen, bei denen wir vorwiegend zu Fuss unterwegs sind», sagt Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus. «Ein City-Train-Angebot gehört zu einer Touristenstadt wie aufgeschlossene Museen und Sehenswürdigkeiten», sagt Stadtpräsident Stefan Roth, der nach eigenen Angaben schon mehrmals selber mitfuhr.

Hinweis

Von April bis Oktober finden täglich mehrmals Fahrten statt. Plätze können online gebucht werden. Erwachsene: 12 Franken. Kinder und Schüler (5 bis 15 Jahre): 5 Franken. www.citytrain.ch