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City Vereinigung Luzern: «Flexiblere Öffnungszeiten erlauben den kleinen Läden mehr Möglichkeiten»

Von längeren Ladenöffnungszeiten profitieren nur die grossen Supermärkte und Warenhäuser, sagen die einen. Das Gegenteil trifft zu, sagt André Bachmann von der City Vereinigung Luzern – und verweist auf Beispiele aus den Nachbarkantonen.
Robert Knobel

Seit der Ankündigung der Stadt Luzern, einen Pilotversuch mit einem «Tourismus-Rayon» in der Innenstadt zu starten, ist das Thema Ladenöffnungszeiten wieder in aller Munde. Unterstützt wird der Stadtrat in seinem Vorhaben von der City Vereinigung Luzern (CVL), die das Gewerbe in der Innenstadt vertritt. Vorstandsmitglied André Bachmann erklärt, weshalb er im Moment keine Alternative zur städtischen Lösung sieht.

André Bachmann, Vorstandsmitglied der City Vereinigung Luzern (CVL).

André Bachmann, Vorstandsmitglied der City Vereinigung Luzern (CVL).

André Bachmann, inzwischen liegen drei Vorschläge für eine Anpassung der Ladenöffnungszeiten auf dem Tisch. Welcher ist aus Ihrer Sicht der sinnvollste?

Man muss unterscheiden zwischen kurzfristiger und langfristiger Perspektive. Der von der Stadt Luzern geplante Tourismus-Rayon ist die einzige Möglichkeit, rasch etwas zu bewirken – nämlich unter Einhaltung der geltenden Gesetze. Langfristig macht hingegen nur eine Gesetzesänderung auf kantonaler Ebene Sinn. Eine solche dauert aber selbst im optimalen Fall zwei Jahre.

Der Tourismus-Rayon der Stadt Luzern erlaubt allerdings Öffnungszeiten bis 22.30 Uhr und am Sonntag. Braucht es dies wirklich?

Nein. Weder die City Vereinigung noch der Stadtrat halten solche Öffnungszeiten für nötig. Was wir anstreben, ist eine moderate Anpassung der Öffnungszeiten.

Was bedeutet «moderat» konkret?

Das Wichtigste ist, dass wir die Wertschöpfungskette am Samstag schliessen. Wir wollen erreichen, dass die Leute nach dem Shopping am Samstagnachmittag nicht nach Hause gehen, sondern in der Stadt bleiben, um im Restaurant zu essen oder kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. Das funktioniert aber nur, wenn die Läden nicht schon um 16 Uhr schliessen, sondern idealerweise um 18 Uhr. Auch unter der Woche braucht es eine sanfte Verlängerung, bis 19.30 Uhr oder 20 Uhr – möglichst jeden Tag einheitlich.

Ladenschluss 22.30 Uhr und der Sonntagsverkauf sind also gar kein Thema. Wieso haben Sie das erst dann klar kommuniziert, als die Gegner bereits über eine «Totalliberalisierung» schimpften?

Wir haben immer gesagt, dass es nicht nötig ist, die Tourismus-Öffnungszeiten voll auszuschöpfen. Das ist nicht neu, und das wusste der Detaillistenverband ganz genau. Umso mehr ärgert mich, dass der Verband mit gezielten Unwahrheiten den Dialog vergiftet. Die Behauptung, die Stadt Luzern und die Workshop-Teilnehmer planten mit dem Tourismus-Rayon etwas Illegales, dient einmal mehr als Vorwand, um sich nicht der Diskussion stellen zu müssen.

«Der Detaillistenverband vergiftet den Dialog mit gezielten Unwahrheiten.»

Auf kantonaler Ebene ist eine Motion der FDP pendent. Sie fordert, dass künftig die Gemeinden für die Ladenöffnungszeiten zuständig sind. Was halten Sie davon?

Unbestritten ist, dass das Bedürfnis für eine Änderung des Ladenschlussgesetzes vorhanden ist. Die FDP-Motion ist aber nur eine von vielen Möglichkeiten. Es ist zwar positiv, dass nun auch vom Kantonsrat her Bewegung in die Sache kommt. Aber jetzt muss die Regierung den Lead übernehmen. Wir wünschen uns, dass sie eine Vorlage für eine Gesetzesanpassung ausarbeitet.

Einen weiteren Vorschlag hat der Detaillistenverband an die kantonale Justizdirektion geschickt: Verlängerung des Samstags bis 17 Uhr und die Streichung eines Abendverkaufs. Diese Lösung wäre wohl ohne grosse Opposition umsetzbar und käme Ihrem Anliegen ein Stück weit entgegen.

Der Vorschlag des Detaillistenverbands ist ein Kuhhandel: Hier eine Stunde mehr, dafür dort zweieinhalb Stunden weniger. Statt dass sich die Kunden dem Angebot anpassen müssen, sollten besser die Läden den geänderten Kundenbedürfnissen Rechnung tragen können. Schliesslich kann kein Geschäft ohne Kunden bestehen. Um im Wettbewerb erfolgreich zu bleiben, kann der Detailhandel die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ausblenden.

«In Obwalden gibt es sogar einzelne Dorfläden, die am Sonntag offen sind, während dies für grosse Supermärkte gar nicht rentieren würde.»

Dann müssen aber die Mitarbeiter länger arbeiten...

Diese Behauptung ist schlicht falsch. Die Mitarbeiter sind durch das Arbeitsgesetz geschützt, nicht durch das Ladenschlussgesetz. Das beweisen all diejenigen Nachbarkantone, die gar kein Ladenschlussgesetz haben. Die dortigen Angestellten sind keineswegs schlechter gestellt als in Luzern. Auch das Argument, grosse Einkaufszentren würden auf Kosten von kleinen Läden profitieren, ist falsch – im Gegenteil. Flexiblere Öffnungszeiten erlauben gerade den Kleinen mehr Möglichkeiten. In einem Dorf, in dem die meisten Bewohner auswärts arbeiten, macht es wenig Sinn, wenn der Dorfladen den ganzen Tag geöffnet hat. Hingegen könnte er mit Öffnungszeiten am Abend punkten, wenn die Leute nach Hause kommen. In Obwalden gibt es sogar einzelne Dorfläden, die genau aus diesem Grund am Sonntag offen sind, während dies für grosse Supermärkte gar nicht rentieren würde. Auch viele inhabergeführte Dienstleister, etwa Coiffeure, wären froh, wenn sie ihre Öffnungszeiten auf die Bedürfnisse ihrer Kunden ausrichten könnten.

Sie fordern, dass der Regierungsrat in Sachen Ladenöffnungszeiten jetzt aktiv werden soll. Doch die einzelnen Positionen klaffen immer noch weit auseinander. Die Regierung könnte sich bei diesem heiklen Thema leicht die Finger verbrennen. Was, wenn sie sich weigert, eine Gesetzesrevision einzuleiten?

Die Regierung hat jetzt die Chance, einen Weg aufzuzeigen, der für alle gangbar ist. Andernfalls bleibt die Debatte weiterhin von Extrempositionen geprägt, und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis das Thema wieder per Volksinitiative aufgegriffen würde. Dann wäre die Regierung ohnehin gezwungen, Stellung zu beziehen. Die Arbeit muss sie also so oder so machen.

Wer würde denn eine allfällige Initiative lancieren? Die City Vereinigung zum Beispiel?

Unsere Aufgabe besteht zurzeit darin, die Stadt bei ihrem Vorhaben für einen Tourismus-Rayon zu unterstützen. Eine Volksinitiative ist erst dann sinnvoll, wenn sämtliche anderen Möglichkeiten gescheitert sind. Sollte eine Initiative gestartet werden, wird die City Vereinigung diese ernsthaft und sachlich prüfen.

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