Claudio Abbado eröffnet Lucerne Festival

Das Programm des Festivals vom 8. August bis 15. September steht im Zeichen des «Glaubens» - konfessionell und musikhistorisch in weitestem Sinne. Und bietet einmal mehr ein breites Spektrum von älterer und moderner Musik, von Film und Oper, von Tradition und Experiment.

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Claudio Abbado bei einem Konzert im KKL. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Claudio Abbado bei einem Konzert im KKL. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Mit Beethovens Bühnenmusik zu «Egmont» und Mozarts Requiem eröffnen Claudio Abbado und das Lucerne Festival Orchestra am kommenden Mittwoch das diesjährige Festival. Bruno Ganz übernimmt die Rolle des Titelhelden im «Egmont», die Solisten des feierlichen Auftakts im KKL Luzern sind Juliane Banse, Anna Prohaska, Sara Mingardo, Maximilian Schmitt und René Pape, flankiert vom Chor des Bayerischen Rundfunks und vom Schwedischen Rundfunkchor.

Zeitgleich wird das Konzert, das den Erdbebenopfern in der Region Emilia Romagna gewidmet ist, in Luzern mit einem Public Viewing auf dem «Inseli» vor dem KKL übertragen. Die insgesamt fünf Auftritte des Lucerne Festival Orchestra unter Abbado sind bereits ausverkauft, doch für den Grossteil der anderen Konzerte bis 15. September sind noch Restkarten verfügbar.

Festival widmet Thema «Glaube» Konzerte verschiedenster Gattungen

Einen Schwerpunkt bilden insgesamt sieben Aufführungen mit Werken von Sofia Gubaidulina, «composer-in-residence» im Sommer 2012, darunter die «Passion und Auferstehung Jesu Christi nach Johannes» am 19. August. Auch «artiste étoile» Andris Nelsons, der drei Konzerte mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra leitet (3.,4.,5.9.), widmet sich Gubaidulinas Schaffen und bringt darüber hinaus Mahlers «Auferstehungssinfonie» und die Neunte Beethovens zu Gehör.

Wichtige thematische Akzente setzen ausserdem Sylvain Cambreling mit Schönbergs Oper «Moses und Aron» (12.9.), Riccardo Chailly mit Mendelssohns «Reformationssinfonie» (11.9.) und Philippe Herreweghe, der das Te Deum des katholischen Visionärs Anton Bruckner mit Musik des protestantischen Zweiflers Johannes Brahms kombiniert (23.8.). Mit tibetanischen Liedern des Glaubens (25.8.) und einer Zeremonie der Wirbelnden Derwische (7.9.) sind der Buddhismus und der Islam vertreten.

Renommierte Orchester und prominente Solisten

Erneut versammelt das Lucerne Festival 2012 die weltweit renommiertesten Orchester und Solisten am Vierwaldstättersee: Am 28. August sind die Berliner Philharmoniker mit Simon Rattle zu erleben, die Wiener Philharmoniker kommen mit Vladimir Jurowski und Bernard Haitink (13.-15.9.). Ausserdem sind das Königliche Concertgebouworchester und Mariss Jansons zu Gast (1.,2.9.), das Cleveland Orchestra und Franz Welser-Möst (25.,26.8.), das London Symphony Orchestra und Valery Gergiev (24.08.) sowie Chor und Orchester der Mailänder Scala, die am 29. August unter Daniel Barenboim Verdis Requiem zur Aufführung bringen: mit dem Solistenquartett Anja Harteros, Elina Garanca, Jonas Kaufmann und René Pape. Das Debut beim Lucerne Festival gibt 2012 das St. Louis Symphony unter David Robertson (mit Violinist Christian Tetzlaff am 6.9.); erstmals mit ihrem neuen Chef Lorin Maazel präsentieren sich die Münchner Philharmoniker (8.,9.9.).

Auch Cecilia Bartoli wird das Luzerner Publikum beglücken. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Auch Cecilia Bartoli wird das Luzerner Publikum beglücken. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Natürlich prägen auch prominente Solisten das Programm: Maurizio Pollini setzt seine Reihe «Pollini Perspectives» fort (12.,30.8.); Stars wie Cecilia Bartoli (10.9.), Pierre-Laurent Aimard (16.8.), Lang Lang (21.8.) oder Murray Perahia (15.9.) sorgen für weitere Glanzlichter. Vilde Frang, Preisträgerin des «Credit Suisse Young Artist Award», konzertiert mit den Wiener Philharmonikern unter Bernard Haitink (14.9.). Vom 19. August bis 7. September leitet Pierre Boulez die Lucerne Festival Academy Kompositionen von Peter Eötvös, Jonathan Harvey, Tristan Murail sowie «composer-in-residence» Philippe Manoury stehen hier im Fokus; zwei Schlüsselwerke der frühen Moderne - Schönbergs «Erwartung» und Ives' Vierte Sinfonie - bilden einen weiteren Schwerpunkt (Konzerte am 19., 26.8. und am 1.,5., 7.9.). Neben Pierre Boulez werden Peter Eötvös und Pablo Heras-Casado die Werke einstudieren.

«Meisterkurse Dirigieren» finden sowohl mit Pierre Boulez (1.-7.9.) und Peter Eötvös (20.-26.8.) statt. Die neuen Academy-Formate «Spotlights» und «Open Stage» wagen erneut einen Brückenschlag zu anderen Musikformen und bilden eine Plattform für unkonventionelle Programme der Akademisten in Eigenregie, die im Luzerner «Bourbaki» stattfinden («Indie Classical Night» am 24., 25.8.; 1.9. «The Peter Entertainment»). Neue Wege erforscht die Academy mit Manuel de Fallas Oper «Meister Pedros Puppenspiel» (2.9.), einer Gemeinschaftsproduktion von Lucerne Festival und dem Theater Basel. Am Ende der Saison steht ein Konzert des Lucerne Festival Academy am 9. September in der Pariser Salle Pleyel, mit Pierre Boulez am Pult.

Acht Uraufführungen und Filme in Luzern

Lucerne Festival ist 2012 ausserdem Schauplatz von acht Uraufführungen: «Chute d'Étoiles» heisst das Auftragswerk von Roche Commissions an Matthias Pintscher (25.8.), ebenfalls Weltpremieren sind Wolfgang Rihms Sinfonie «Nähe fern» (20.08.), Salvatore Sciarrinos «Carnaval Nr. 10-12» (30.8.), Heinz Holligers «nichts Ichts - nicht Nichts» und Karlheinz Stockhausens Vokalsextett «Menschen, hört» (1.9.) sowie Thomas Amanns neues Orchesterwerk «Les Jeux/Les Poupées» (9.9.) und die beiden Kammeropern «Im Bau» von Michel Roth bzw. «Ana Andromeda» von Alfred Zimmerlin (14.9.).

Dieses vielfältige Programm wird ergänzt durch eine Filmreihe, den Weltmusikschwerpunkt Lucerne Festival in den Strassen (21. bis 26.08.) sowie ein buntes Konzertangebot in der Freiluft-Bar «Buvette» auf dem «Inseli» gleich hinter dem KKL Luzern, das Mitglieder von Orchestern oder Musiker des Strassenmusikfestes gestalten. Nach Ende des Festivals begibt sich schliesslich das Lucerne Festival Orchestra auf eine internationale Tournee mit den Solisten Maurizio Pollini und Maria João Pires. Sie treten zunächst am 16. und 17. September im Wiener Musikverein auf, debütieren am 19. September im Tschaikowsky-Saal des Moskauer Konservatoriums, starten die Saison der Elbphilharmonie in der Hamburger Laeizhalle am 21. September und beenden die Konzertreise schliesslich am 23. September im Teatro Comunale di Ferrara.

pd