COMEDY: Johnny Burn: Kindheit zwischen Bauernhof und Wald

Ein neues Pro­­gramm und bald Vater: Johnny Burn ist zufrieden. Seine Karriere begann schon als Teenager in Malters.

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Der Unterhaltungskünstler Johnny Burn (36) auf der Terrasse seines Ateliers an der Moosstrasse in Luzern. Er freut sich über den Erfolg seines neuen Programms. (Bild: Nadia Schärli /  Neue LZ)

Der Unterhaltungskünstler Johnny Burn (36) auf der Terrasse seines Ateliers an der Moosstrasse in Luzern. Er freut sich über den Erfolg seines neuen Programms. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Zurzeit läuft es extrem gut», freut sich Johnny Burn. Zu seiner Zufriedenheit beigetragen hat die gelungene Premiere seines neuen Programms «Wok the Line» am 23. April in der Zürcher Amboss Rampe. Es sei rappelvoll gewesen und wie am Schnürchen gelaufen, schwärmt Burn. Obwohl er seit über zehn Jahren unterhaltend unterwegs sei, gehöre die Nervosität zu ihm wie der Reis zum asiatischen Gericht, erzählt er. Und damit sind wir schon mitten in seinen Take-away-Geschichten.

Der Alltag liefert den Stoff

Begebenheiten, die er aus dem Alltag nimmt, verarbeitet er zu Songtexten. Burn, der mit bürgerlichem Namen Mav Bun heisst, sagt über seinen Beruf: «Ich unterhalte mit Gitarre.»

In seinem neuen Liederprogramm nimmt er humorvoll die Klischees der Schweizer über die Asiaten auf die Schippe und parodiert in Mundart beziehungsweise «Asiadeutsch» Situationen vor der Theke. Wer schon einmal bei einem asiatischen Take-away war, dem sind die sprachlichen Verwirrspiele nicht unbekannt. Luzerner Premiere von «Wok the Line» ist am 19. Mai im Luzerner Kleintheater. Einen Kurzauftritt hat Burn ausserdem am 10. Mai in der Sendung «Giaccobbo/Müller».

Malters ist seine Heimat

Burns Familie stammt ursprünglich aus Kambodscha, musste jedoch aus dem Land fliehen. So wurde er 1979 auf der Flucht geboren. Aufgewachsen ist er in Malters. Das ist seine Heimat. «In Malters wuchs ich zwischen Bauernhof und Wald auf, konnte jederzeit nach draussen und mich austoben. Mir ging es richtig gut. Da mein Bruder und die Neffen heute noch dort leben, bin ich öfters und gerne in Malters.» In Kambodscha war er schon zu Besuch. «Als Erstes fiel mir auf, dass auf den ersten Blick alle dunkel waren und schwarze Haare hatten. Das Klischee ‹Alle Asiaten sind gleich› war voll erfüllt.» Überrascht habe ihn auch, dass seine Familie ihn aufnahm, als wäre er gar nie weg gewesen. «Die Freundlichkeit und Spontanität der Menschen hat mich mitten ins Herz getroffen», schwärmt Johnny Burn.

Ganz als Einheimischer ging er dort aber nicht durch. «Da ich anders gekleidet und frisiert bin als die Einheimischen und mich auch anders bewege, bin ich oft angesprochen und gefragt worden, woher ich komme.» An eine Begegnung erinnert Burn sich besonders gut: «Einmal sass ich bei einem Bekannten hinten auf dem Roller. Der war sogar gleich alt wie ich, aber nie ausser Landes gewesen er hatte nicht flüchten können. Da wurde mir einfach wieder klar, was für ein Glück ich damals hatte. Dafür bin ich ewig dankbar.»

Stets gut gelaunt

Bereits im Teenageralter zog der heute 36-Jährige gerne die Aufmerksamkeit auf sich. So trat er aus Jux in der Jungwacht auf und machte während der Sekundarschulzeit im Musical «Space Dream» mit. Er war immer gut gelaunt und hatte stets die Gitarre dabei.

Im Lokal Gleis 5 in Malters sei es dann «professioneller» geworden; dann seien Utensilien wie Hellraumprojektor und diverse «komisch bekritzelte» Folien dazugekommen. Burn liebt es, Geschichten zu erzählen, und freut sich, wenn das Publikum lacht. Lustig fänden es übrigens auch seine Eltern. Sie hätten sich zwar früher gewünscht, dass er sich für einen «richtigen» Beruf, wie etwa eine Banklehre, entscheiden würde. Burn: «Im Bankbusiness hat es genügend Kambodschaner, da musste ich nicht auch noch hin.» Heute freuen sich seine Eltern über sein Tun: «Ihnen ist es wichtig, dass es mir gut geht und dass ich Freude habe an dem, was ich mache.»

Und Burn hat Freude. Vor zwei Jahren konnte er den Beruf als Lehrer für Zeichnen und Musik an den Nagel hängen und sich seitdem voll und ganz der Comedy verschreiben. Die Freiheit, zu tun was ihm gefällt, sei eine enorme Befriedigung, doch es erfordere auch eine strikte Disziplin, so Burn, und er fügt an: «Eigentlich rechnete ich mit drei Jahren bis zu meiner Selbstständigkeit, doch ich schaffte es schon nach zwei.» On Tour ist er meist mit seinem Techniker. «Wir sind ein gut eingespieltes Team, schätzen und fördern uns gegenseitig.» Ganz wichtig für ihn sei auch seine Freundin und die Familie. «Sie unterstützen mich, ohne mich einzuengen.» Burn schweigt, blickt in die Ferne und fängt an zu strahlen: «Und das Grösste ist, ich werde bald Vater!»

Kleinkunstbühne ist sein Leben

Der Publikumspreis «Swiss Comedy Award 2012» brachte ihn nach oben. «Das hat enorm motiviert und mich einem breiteren Publikum, über die Luzerner Kantonsgrenzen hinaus, bekannt gemacht», erzählt Burn. Seither tourt er durch die Schweiz. Gibt es andere Unterhaltungskünstler, die es ihm angetan haben? «Wer mir sehr imponiert, sowohl musikalisch wie auch textlich, ist Helge Schneider. Seine Energie und Präzision ist beeindruckend. Der ist schlicht genial.» Burns eigene Texte sind humorvoll und kaum politisch. «Ich bin eben ein positiver Mensch aber nie blauäugig», sagt er von sich.

Sandra Monika Ziegler

Hinweis

Weitere Infos und Spieldaten unter www.johnnyburn.ch