Computersimulationen statt Laborexperimente: Wie die Hochschulen auf Fernunterricht umstellen

Nach der Uni und der Pädagogische Hochschule hat nun auch die Hochschule Luzern mit der digitalen Lehre begonnen – auch bei Fächern mit Praxisbezug. Studierende sollen trotz der aktuellen Situation kein Semester verlieren.  

Julian Spörri
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Die Hochschule in Horw: Alle Ausbildungsmodule sind in ein Online-Format überführt worden.

Die Hochschule in Horw: Alle Ausbildungsmodule sind in ein Online-Format überführt worden. 

Bild: Dominik Wunderli
(Horw, 10. März 2016)

Wegen des Coronavirus sind Hochschulen und Universitäten seit rund zwei Wochen geschlossen. «Kontaktlose Lehre» lautet darum das Credo für die Studierenden. Nach einwöchigem Unterbruch ging das Studium an der Hochschule Luzern (HSLU) erst diesen Montag weiter – und somit später als an der Pädagogische Hochschule und an der Universität (siehe Box). Sigrid Cariola, Leiterin Unternehmenskommunikation, erklärt: «Die Umstellung ist an einer Fachhochschule mit intensivem Praxisbezug und engem Coaching noch um einiges schwieriger zu bewältigen als an einer Universität.» 

Dies gilt besonders für praktisch orientierte Ausbildungsgänge. «Ein fliegender Wechsel hätte ziemlich sicher im Chaos geendet», sagt Urs Rieder, Ausbildungsverantwortlicher Technik & Architektur. Nun seien – mit Ausnahme von Studienreisen – alle 250 Module in ein Online-Format überführt worden. Dazu wurden Unterrichtsräume auf dem Campus Horw mit Kameras und Mikrofonen ausgerüstet. «Laborexperimente haben wir soweit möglich durch Simulationen am Computer ersetzt», so Rieder weiter. «Nur einige wenige Projektarbeiten, bei denen ohne den Laborzugang die Kernkompetenzen nicht mehr vermittelt werden konnten, mussten abgebrochen werden.»

Wechsel an PH und Uni geglückt

An der Uni Luzern werden bis auf wenige Ausnahmen alle der rund 400 Lehrveranstaltungen durchgeführt, heisst es auf Anfrage. Auch an der Pädagogischen Hochschule Luzern läuft der Online-Unterricht bereits in der zweiten Woche. Die PH Luzern schreibt, dass man gut vorbereitet gewesen sei. «Grosse Vorlesungen wurden bereits zuvor aufgezeichnet», sagt Marco von Ah, Leiter Kommunikation. «Die Umstellung aller Seminarveranstaltungen auf den Online-Lehrbetrieb war aber ein Kraftakt.» Insbesondere die Suche nach digitalen Lernformaten in Fächern mit praktischen Aktivitäten wie Sport oder Musik stellte eine grosse Herausforderung dar. (jus)

Praxisbezug: Studierende suchen Lösungen gegen Coronakrise

Cariola betont, dass sich die Ausgestaltung des Fernunterrichts bei den Hunderten von angebotenen Modulen an der HSLU stark unterscheiden würden: «Die Möglichkeiten reichen von Online-Vorlesungen und Videokonferenzen über das Literaturstudium bis hin zum Austausch in kleinen Arbeitsgruppen.» Ein Beispiel sei auch die Teilnahme des Masterstudienganges «Applied Information and Data Sciences» an einem dreitägigen sogenannten Hackathon zum Thema Coronavirus. «Eigentlich wären am Freitag Prüfungen angesetzt gewesen, doch um einen direkten Praxisbezug zu ermöglichen, wurden diese verschoben», so Cariola. Am HackZurich werden rund 180 Studierende der Hochschule zusammen mit Forschern und Entwicklern aus aller Welt nach Lösungen für die Coronakrise suchen. Denkbar seien Apps, die Prozesse im Pflegebereich optimieren oder das persönliche Risiko einer Coronainfektion eruieren würden, so Studiengangleiter Andreas Brandenberg.

Der Studiengang hat auch selbst schon Hackathons organisiert – etwa im vergangenen Dezember zum Thema Tourismus. Während damals alle Beteiligten im gleichen Raum, werden sich heuer die total über 500 Teilnehmenden nur online begegnen. «Die Arbeit im digitalen Raum ist für die Absolventen des Studiengangs grundsätzlich kein Problem», sagt Brandenberg. «Direkte Kontakte bleiben für die Studenten aber wichtig, weil soziale Nähe digital nur unvollständig abgebildet werden kann.»

Gewisse Modulnoten werden gestrichen

Um die Auswirkungen auf den Studienverlauf so gering wie möglich zu halten, werden an der HSLU im Frühlingssemester ungenügende Modulnoten annulliert und nicht mitgezählt, wenn es um die maximale Anzahl von möglichen Wiederholungen eines Moduls geht. Für Studierende, die sich auf ihre Bachelor- oder Masterabschlussprüfung vorbereiten, wird «bei Härtefällen» individuell der Zugang zu Labors und Werkstätten geprüft. Cariola betont: «Wir setzen alles daran, dass Studenten ihr Studium nahtlos fortsetzen können.» Ob dies möglich sei, stehe und falle aber auch damit, wie sich die Gesamtsituation weiterentwickle.

Auch die Uni Luzern und die PH bekräftigen das Ziel, dass für Studierende keine Verlängerung der Studienzeit resultiere. «Aufgrund der ausserordentlichen Umstände kann dies jedoch nicht in allen Einzelfällen garantiert werden», teilt die Uni mit. Bei der PH verweist man darauf, dass man beispielsweise keine Kontrolle über Fälle habe, bei denen Personen in den Militärdienst müssten.

Die PH Luzern ist zudem davon betroffen, dass derzeit keine Volksschule stattfindet. Viele Praktika seien zum Glück im Januar und Februar durchgeführt worden, sagt Mediensprecher Marco von Ah. «Für Diplomlektionen wird noch nach alternativen Prüfungsformen gesucht, damit die Studierenden das Studium abschliessen können.» Eine Hoffnung bestehe darin, dass die Lektionen im Juni nachgeholt werden könnten. In welcher Form die ebenfalls zu dieser Zeit angesetzten Prüfungen stattfinden, darüber können die Institutionen noch keine Angaben machen.

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