Corona-Entschädigung für Kulturschaffende: Luzerner Ausgleichskasse berücksichtigt Spezialfälle

Einer Musikerin wurde nur ein Teil ihres Einkommens an ihren Coronaerwerbsersatzangerechnet. Dagegen hat sie sich nun erfolgreich gewehrt. Der Entscheid könnte sich positiv für andere freie Künstler auswirken.

Dominik Weingartner
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Unter dem Dach von WAS Wirtschaft Arbeit Soziales koordinieren die Ausgleichskasse Luzern, die IV Luzern und wira Luzern ihre Leistungen und Beratungen.

Unter dem Dach von WAS Wirtschaft Arbeit Soziales koordinieren die Ausgleichskasse Luzern, die IV Luzern und wira Luzern ihre Leistungen und Beratungen.

Symbolbild: Manuela Jans-Koch

Freie Kulturschaffende gehören zweifellos zu jenen Bevölkerungsgruppen, die stark von der Coronapandemie und den damit verbundenen Einschränkungen betroffen sind. Während das öffentliche Leben im Frühjahr zum Erliegen kam, gab es für Musiker keine Konzerte, für Schauspieler keine Aufführungen und für Künstler keine Ausstellungen mehr. Personen, die in der Schweiz von diesen Tätigkeiten leben, sind finanziell in der Regel nicht auf Rosen gebettet. Umso wichtiger ist für sie, dass die Ausfälle, die sie in Folge der Coronamassnahmen erlitten haben, entschädigt werden.

Im Kanton Luzern ist dafür die Ausgleichskasse zuständig. Diese berechnet anhand des bisherigen selbständigen Erwerbseinkommens einen Tagessatz, der an die Künstler ausbezahlt wird. Doch bei vielen freischaffenden Künstlern, insbesondere Musikern, kommt eine Besonderheit hinzu: Sie sind gleichzeitig selbständig und unselbständig erwerbend.

Wie ein aktueller Entscheid zu einer Einsprache zeigt, ist die Ausgleichkasse in solchen Fällen auf präzise Einkommensangaben angewiesen. Im konkreten Fall geht es um eine Musikerin, die Ende April eine Entschädigung von 35.20 Franken pro Tag zugesprochen bekam. Doch diesen Betrag errechnete die Behörde ausschliesslich anhand des Einkommens, das die Musikerin als Selbständigerwerbende erzielte.

Es geht um 8400 Franken

Dagegen wehrte sie sich und erhob Anfang Juni Einsprache. Die Ausgleichskasse führte im Einspracheverfahren aus, dass sie noch nicht alle Fragen betreffend der Corona-Erwerbsersatzentschädigung im ordentlichen Verfahren habe klären können, wie es im Entscheid heisst. Relevant für eine abschliessende Beurteilung sei die Frage, ob die Musikerin 2020 Kurzarbeits- oder Arbeitslosenentschädigung bezogen habe und in welcher Form sie von ihren Auftraggebern beziehungsweise Arbeitgebern im 2019 entschädigt werde. Kurzarbeit- oder Arbeitslosenentschädigung bezog die Musikerin nicht.

Der Rechtsdienst hat in diesem Fall nun dem Antrag im Einspracheverfahren entsprochen. Laut dem Einspracheentscheid sindbeide Erwerbsformen bei der Berechnung des Taggelds zu berücksichtigen. Das Taggeld wird auf 83.20 erhöht, die Musikerin erhält rückwirkend rund 8400 Franken mehr.

Laut ihrem Anwalt Loris Fabrizio Mainardi könnte der Entscheid Folgen für andere Künstler haben. Denn viele freie Kunstschaffende dürften gleichzeitig selbständig und unselbständig erwerbend sein. «Diese Klarstellung könnte für weitere laufende Einspracheverfahren, auch bei anderen Ausgleichskassen, von Bedeutung sein», sagt Mainardi.

Die Ausgleichskasse Luzern führt aus, dass in Fällen von Kombinationen von selbständigem und unselbständigem Erwerbseinkommen auf Auftragsbasis, sie zwingend auf die Mitwirkung der Versicherten angewiesen sei. Nur so könne ein korrekter, den rechtliche Begebenheiten entsprechender Entscheid gefällt werden, welcher der Einkommenssituation von Musikern auch effektiv entspreche.

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