Corona

Luzerner Spitalangestellte am Anschlag

Mitarbeitende am Luzerner Kantonsspital zeigten «zunehmend Erschöpfungserscheinungen», teilt das Spital mit. Die Spitalangestellten sind zudem in besonderem Masse der Ansteckungsgefahr ausgesetzt.

Dominik Weingartner
Drucken
Teilen

Es sind zwei Sätze, die aufhorchen lassen: «Unsere Leute sind am Anschlag. Viele fallen wegen Übermüdung oder Krankheit aus.» Das sagte Gesundheitsdirektor Guido Graf am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. Mit «unsere Leute» meinte der CVP-Politiker das Spitalpersonal. Auch Christoph Henzen, Leiter des Departements Medizin am Luzerner Kantonsspital (Luks), bezeichnete die Erholung des Spitalpersonals als «grösste Herausforderung».

Eingang zur Isolierungsstation am Luzerner Kantonsspital.

Eingang zur Isolierungsstation am Luzerner Kantonsspital.

Patrick Hürlimann (5. März 2020)

Doch wie prekär ist die Situation am grössten Spital der Zentralschweiz tatsächlich? Auf Anfrage teilt das Luks mit, dass man zwar keine Häufung von längerfristigen Ausfällen feststelle. Aber: «Die Dauerbelastung äussert sich zunehmend in Erschöpfungsmerkmalen. Auch unsere leistungsfähigen Teams können ihre Arbeit nicht in dieser sehr hohen Intensität über mehrere Monate fortsetzen.» Darum sei zentral, dass «alles unternommen wird, um die Bevölkerung vor Ansteckungen zu schützen und damit das Gesundheitssystem zu entlasten», so das Luks.

Impfung als grosse Hoffnung – auch für das Personal

Grosse Hoffnungen setzt das Spital darum in die Impfung. Diese werde «einen wichtigen Beitrag leisten». Die Impfung könne schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle reduzieren und zudem das Spitalpersonal vor dem Virus schützen. Dieses ist dem Virus in besonderem Masse ausgesetzt. «Aufgrund der allgemein hohen Fallzahlen in der Bevölkerung ist es unumgänglich, dass sich auch einige unserer über 7000 Mitarbeitenden mit dem Coronavirus anstecken», teilt das Spital mit. «Die wöchentliche Neuinfektionsrate beim Personal liegt konstant bei unter einem Prozent.»

Das bedeutet, dass sich pro Woche weniger als 70 Luks-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter mit dem Coronavirus infizieren. Diese Ausfallrate könne im normalen Spitalbetrieb noch kompensiert werden, heisst es weiter. «Auf den aktuell sehr belasteten Abteilungen fällt aber jeder abwesende Mitarbeitende besonders stark ins Gewicht.»

Neuer Rekord bei Hospitalisationen

Aktuelle Zahlen zeigen, wie stark das Virus trotz vieler Massnahmen zur Eindämmung im Kanton Luzern immer noch wütet. Am Dienstag wurden 255 neue Fälle gemeldet, fünf Personen sind verstorben. Zudem gab es mit 129 hospitalisierten Personen einen neuen traurigen Höchststand im bisherigen Pandemieverlauf. Am Mittwoch ist die Zahl der Hospitalisationen auf 119 gesunken. 15 Covid-19-Kranke werden zurzeit beatmet. Derweil wird die Zahl der freien Intensivbetten immer knapper – aktuell sind 48 von 50 Betten belegt.