Corona-Massnahmen
Zentralschweizer Gewerbeverbände verlangen Exit-Strategie

Ab März soll die Wirtschaft schrittweise und längerfristig geöffnet werden, fordern die sechs Zentralschweizer Gewerbeverbände.

Alexander von Däniken
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«Die Zentralschweizer Unternehmen sind bereit und sie rufen auf zu einem strategischen Vorgehen mit einer zupackenden Zuversicht», schreiben die Gewerbeverbände der Kantone Luzern, Zug, Schwyz, Nid- und Obwalden sowie Uri in einer gemeinsamen Mitteilung. «Der Aufschwung beginnt im Kopf, der Ausstieg aus dem Lockdown mit der richtigen Haltung.»

Peter With, Präsident des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern, in seinem Betrieb.

Peter With, Präsident des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern, in seinem Betrieb.

Nadia Schärli (Luzern, 22. April 2020)

Peter With, Präsident des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern, sagt auf Anfrage: «Es handelt sich um einen Aufruf, der nicht nur an die Zentralschweizer Regierungen, sondern an die gesamte Gesellschaft gerichtet ist.» Es gehe um eine Planungssicherheit für Unternehmen, die nun schon seit fast einem Jahr sehr flexibel auf Massnahmen reagieren müssen. «Darum ist es ab März an der Zeit, an eine Exit-Strategie zu denken», so With. Dabei müssten auch die Corona-Mutationen berücksichtigt werden. «Hauptsache, es wird keinen Lockdown mehr geben, der die Wirtschaft lähmt, sondern Perspektiven für Schritte in eine neue Normalität.»

Verbände fordern grossflächiges Testen

Die Zentralschweizer Gewerbeverbände raten ab von einem kurzfristigen Reagieren auf Messwerte, welche sich bisher immer als wenig zuverlässig erwiesen haben. Stattdessen sollte auf ein evidenzbasiertes Handeln und eine zielstrebige Strategie gesetzt werden. «Diese kann sich inzwischen aus fünf Elementen zusammensetzen: Konsequentes, grossflächiges Testen; rasche, breite Impfung; Schutz der besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen; Vertrauen in die Schutzkonzepte der Betriebe; Hygienemassnahmen jedes Einzelnen.»

Die Bevölkerung und die Unternehmen müssten jetzt schnell und transparent wissen, welche Strategie die zuständigen Gremien aus diesen Elementen formen wollen. Die Betriebe seien bereit, sich im Rahmen von Test- und Impfaktionen zu beteiligen. Sie seien auch laufend dabei, ihre Schutzkonzepte den neuen Erkenntnissen und Gegebenheiten anzupassen. «Die Strategie und ihre Umsetzung müssen jetzt rasch erfolgen, denn es ist bereits eine starke Polarisierung der Gesellschaft festzustellen, welche zu schädlichen Spannungen führen könnte», so die Verbände.

Wirtschaft und Volk brauchen gemäss AWG Lockerungen

Von den aktuell im Raum stehenden Extrempositionen hält der Vorstand der Luzerner Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft (AWG) nichts, wie sie am Dienstag mitteilte. Weder von der «Panik auf Vorrat durch Bundesstellen noch vom sofortigen, kopflosen Abbruch des Lockdowns», wie es eine Partei fordere. «Das wäre verantwortungslos», so Josef Wyss.

Aber: «Unsere Wirtschaft braucht Umsätze, die Leute brauchen Arbeit und Einkommen, die Volksseele braucht Perspektiven», bringt Josef Wyss eine weitverbreitete Stimmung auf den Punkt. Und somit die Forderung nach sanften Lockerungsschritten.

Für Öffnungsschritte braucht es laut AWG klare, nachvollziehbare Bedingungen, wie:

  • Daten- und faktenbasierte (Ansteckungszahl, Positivitätsrate, R-Wert, Hospitalisierungen, Spitaleinweisungen/-entlassungen, Todesfälle) Berechnung einer Funktion für eine risikobasierte Öffnung.
  • Öffnungsschritte sind nur zuzulassen, wenn ausreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass kein weiterer Lockdown riskiert wird.
  • Hieb- und stichfeste Schutzkonzepte, funktionierende Zählsysteme
  • Die Unternehmen sind vorbereitet, im Bedarfsfall Massentest für Mitarbeitende und Kundschaft durchzuführen.

Des Weiteren fordert die AWG laut der Medienmitteilung «Bundesbern auf, das Tohuwabohu in der Kommunikation zu beenden». Führung und Kommunikation in dieser anspruchsvollen Aufgabe gehörten in die Hand des Bundesrates und der dafür zuständigen Verwaltungseinheiten.