Interview
Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf: «Wir schliessen keine Schule im Alleingang»

Der Bund hat die Alarmstufe wegen des Corona-Virus erhöht. Was heisst das für das öffentliche Leben im Kanton Luzern? Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) nimmt Stellung.

Lukas Nussbaumer
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Gesundheitsdirektor Guido Graf.

Gesundheitsdirektor Guido Graf.

Bild: Pius Amrein

Der Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) hat am Freitag eine Task Force ins Leben gerufen, die laufend Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus berät. Die von Kantonsarzt Roger Harstall geleitete Gruppe befasst sich auch mit dem Szenario, dass es im Kanton Luzern plötzlich zu vielen Corona-Verdachtsfällen oder -Erkrankungen kommt. Dies geschieht in engem Austausch mit dem Bundesamt für Gesundheit und den Luzerner Spitälern. Das Luzerner Kantonsspital hat am Montag mitgeteilt, dass es eine Isolierungsstation in Betrieb genommen hat und dass bis jetzt bei keinem der abgeklärten Verdachtsfälle das Corona-Virus nachgewiesen wurde.

Regierungsrat Guido Graf äussert sich im Gespräch mit unserer Zeitung zu Einschränkungen im öffentlichen Leben – wie möglichen Schulschliessungen, allfälligen Massnahmen im öffentlichen Verkehr oder abgesagten Veranstaltungen.

Der Bund hat letzte Woche Veranstaltungen, an denen sich gleichzeitig mehr als 1000 Personen aufhalten, verboten. Die Luzerner Dienststelle Volksschulbildung hat am Montag entschieden, die Schulbesuchstage vom 11. und 12. März abzusagen. An der Kantonsschule Alpenquai werden weit über 1000 Jugendliche unterrichtet. Was braucht es, bis Sie als Gesundheitsdirektor grosse Schulen schliessen?

Guido Graf: Eine Schulschliessung würde allenfalls dann zum Thema werden, wenn beispielsweise mehrere Schülerinnen und Schüler einer Schule positiv getestet worden wären und somit die anderen Schüler ohnehin einer Quarantäne unterzogen werden müssten. Rein präventiv wird im Kanton Luzern keine Schule im Alleingang geschlossen.

Sind Einschränkungen im öffentlichen Verkehr ein Thema? Beispielsweise am Bahnhof Luzern, wo sich zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abend Hunderte von Leuten aufhalten?

Nein. Es handelt sich um ein Virus, das in sehr vielen Ländern und auch in mehreren Kantonen bereits aufgetreten ist – bislang aber nicht im Kanton Luzern. Es wäre sicher nicht zielführend, wenn nun jeder Kanton für sich Massnahmen beschliessen würde. Das muss schweizweit oder zumindest regional abgesprochen sein und gelöst werden.

Alle Veranstaltungen im Kanton Luzern mit weniger als 1000 Teilnehmern müssen den Behörden gemeldet werden. Wie viele waren das bis jetzt?

Es sind bis jetzt rund 500 Anrufe wegen Veranstaltungen eingegangen. Bislang musste von der Dienststelle Gesundheit und Sport keine Veranstaltung verboten werden – viele Veranstalter haben ihre Anlässe von sich aus abgesagt.

Es gibt Firmen, die Home-Office angeordnet haben. Wird eine solche Massnahme von der Task Force geprüft?

Nein. Es kann aber natürlich durchaus im Interesse eines Betriebs liegen, Home-Office zu prüfen oder allenfalls umzusetzen.

Sie sind als Gesundheitsdirektor derzeit der Krisenmanager im Regierungsrat. Was beschäftigt Sie am meisten?

Wichtig ist vor allem, dass sich sämtliche Akteure austauschen. So kann die Task Force unter der Leitung von Kantonsarzt Roger Harstall das Handeln aufeinander abstimmen und damit einen optimalen Schutz, eine optimale Betreuung und eine optimale Versorgung der Luzerner Bevölkerung sicherstellen.