Corona-Virus sorgt für Kurzarbeit bei vielen Luzerner Firmen – Confiserie Bachmann installiert Wärmebildkamera

Wegen des Corona-Virus haben 18 Unternehmen beim Kanton Luzern ein Gesuch für Kurzarbeit eingereicht. Zehn wurden bereits bewilligt; unter anderem sind Bucherer und Casagrande betroffen.

Alexander von Däniken
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Das Virus ist von blossem Auge nicht sichtbar, wohl aber dessen Auswirkungen: Seit das Corona-Virus grassiert, bleiben die Gruppentouristen aus. Der Schwanenplatz in Luzern wirkt vergleichsweise leer. Das hat Folgen für viele Unternehmen der Tourismusbranche. Wie Martin Bucherer, Leiter des kantonalen Sozialversicherungszentrums WAS Wira, auf Anfrage sagt, haben wegen des Virus bis gestern Abend 18 Unternehmen ein Gesuch für Kurzarbeit gestellt, zehn Gesuche konnten bereits bewilligt werden. «Ausserdem geben wir telefonisch viele Auskünfte zur Kurzarbeit», so Bucherer. Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) hat darum eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Bucherer eingesetzt. Ziel ist eine rasche Abwicklung der Gesuche, sollte deren Zahl grösser werden.

Der Kanton Luzern verfolgt dabei grundsätzlich eine wirtschaftsfreundliche Praxis. Entsprechende Gesuche sind einzureichen, bevor die Kurzarbeit angeordnet wird. Anschliessend haben die Betriebe drei Monate Zeit, um die für die Abrechnung von Kurzarbeitsentschädigungen notwendigen Unterlagen einzureichen. Allenfalls müssen die Betriebe zuerst Überstunden abbauen, bevor Kurzarbeitsentschädigungen ausgerichtet werden können. Schon vor Ausbruch der Corona-Epidemie haben Firmen um Kurzarbeit nachgesucht – aus unterschiedlichen Gründen. Insgesamt haben im Kanton rund 40 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet.

Bucherer: 190 Personen von Kurzarbeit betroffen

Eines der Unternehmen, das im Kanton Luzern wegen des Corona-Virus Kurzarbeit beantragt hat, ist das Bijouterie- und Uhrengeschäft Bucherer. «Seit heute haben wir Kurzarbeit», bestätigte Chief Marketing Officer Jörg Baumann gestern.

Ein asiatischer Tourist reicht nicht: Beim Bijouteriegeschäft Bucherer in Luzern gilt Kurzarbeit.

Ein asiatischer Tourist reicht nicht: Beim Bijouteriegeschäft Bucherer in Luzern gilt Kurzarbeit.

Bild: Boris Bürgisser (2.3.2020)

Betroffen von der Massnahme sind rund 190 Personen. Schon früh habe man mit dem Abbau von Überzeit begonnen und zum Schutz der Angestellten auch auf die gängigen Hygienevorschriften hingewiesen. Wie lange das Unternehmen Kurzarbeit in Anspruch nehmen müsse, sei vom weiteren Verlauf der Epidemie abhängig.

Auch das Souvenir-Unternehmen Casagrande hat ein Gesuch um Kurzarbeit eingereicht. «Es wurde bis Ende Mai bewilligt», sagt Geschäftsleitungsmitglied Robert Casagrande. «Der Umsatz ist in den letzten Wochen sehr stark eingebrochen.» Genaue Zahlen werden nicht bekanntgegeben. Für das erste Halbjahr werden grosse Verluste erwartet. «Bis der Zug wieder läuft, dürfte es aber bis in den Herbst gehen.»

Angestellte können Kurzarbeit ablehnen

Die Idee hinter der Kurzarbeit ist, dass Firmen die Arbeitszeit der Mitarbeiter vorübergehend reduzieren können, um so langfristig Arbeitsplätze zu erhalten. Die Angestellten haben das Recht, die Kurzarbeit abzulehnen. In diesem Fall muss der Arbeitgeber weiterhin den vollen Lohn auszahlen. Stimmen die Angestellten der Kurzarbeit zu, müssen sie eine Lohneinbusse in Kauf nehmen. Laut Raphael Gübelin, Präsident des gleichnamigen Uhren- und Bijouteriegeschäfts, habe man noch keine Kurzarbeit eingeführt. Aber: «Diese Möglichkeit ziehen wir für die Boutiquen in Luzern in Betracht.» Wie hoch der Umsatzrückgang ist, könne derzeit nicht abgeschätzt werden.

Die Confiserie Bachmann spürt den Rückgang an asiatischen Touristen vor allem beim Fachgeschäft am Schwanenplatz. «Dort verzeichnen wir einen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent», sagt Geschäftsleitungsmitglied Matthias Bachmann. Kurzarbeit ist für die Confiserie kein Thema – weil Café und Fachgeschäfte genügend von Einheimischen frequentiert werden. Und weil die Produktion am Hauptsitz im Luzerner Tribschenquartier wegen der bevorstehenden Ostertage nach wie vor auf Hochtouren laufe.

Angestellte der Confiserie Bachmann am Hauptsitz werden bald auf ihre Temperatur geprüft.

Angestellte der Confiserie Bachmann am Hauptsitz werden bald auf ihre Temperatur geprüft.

Bild: Eveline Beerkircher (Filiale Schwanenplatz, 2017)

Allerdings müssen sich die rund 200 Mitarbeiter am Hauptsitz bald auf eine neue Massnahme einstellen. Matthias Bachmann:

«Wir werden uns eine Wärmebildkamera beschaffen und diese am Personal- und Lieferanteneingang platzieren.»

Vor der Kamera müssen dann alle Angestellten der Produktion und alle Lieferanten durchlaufen.

«Wer eine erhöhte Temperatur hat, kommt nicht rein.»

Diese Massnahme sei sehr wichtig, um die Hygienevorschriften weiterhin einzuhalten und um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Überhaupt sei Hygiene wichtig. Für alle Fachgeschäfte stehen Schutzmasken zur Verfügung, das Aufsetzen sei jedoch freiwillig. Zudem werden an mehreren Orten in jedem Fachgeschäft Händedesinfektionsmittel aufgestellt. Weiter sei das Unternehmen mit den Lieferanten von Hygieneartikeln in Kontakt: «Hier darf es keinen Lieferengpass geben.»

Das Hotel Schweizerhof gibt zum Corona-Virus derzeit keine Auskünfte. Das Fünfsternehotel verschiebt jedoch die ersten Konzerte des Retro-Festivals vom 7. und 8. März im KKL auf unbestimmte Zeit. Die übrigen Konzerte im Hotel Schweizerhof werden nach aktuellem Stand regulär stattfinden.

Das Hotel Waldstätterhof musste keine Kurzarbeit anmelden. Generell seien die Folgen noch schwierig abzuschätzen, sagt Direktor Patric Graber. «Wir hatten am Freitag einige Annulationen. Die Frage stellt sich, was jetzt noch an Buchungen reinkommt.»

Migros: Team arbeitet «auf Hochtouren»

Während einige Unternehmen zu wenig Arbeit haben, brummt bei anderen das Geschäft. So etwa bei der Genossenschaft Migros Luzern. Sprecherin Lisa Savenberg: «Unser Team arbeitet auf Hochtouren, um die grosse Nachfrage zu bewältigen.» Dabei werde auf zusätzliches Personal gesetzt. «Die aktuelle Lage verlangt von vielen Mitarbeitenden der Migros Luzern einen Sondereffort ab.» Zuoberst auf dem Einkaufszettel der Kunden stehen gut haltbare Lebensmittel – etwa Konserven, Reis, Teigwaren aber auch Babynahrung. «Aktuell meist nicht im Verkauf erhältlich sind Desinfektionsmittel.» Den Ansturm auf länger haltbare Lebensmittel bestätigt auch Coop.