Corona-Virus: Viele Infizierte während der Grippesaison würden das Luzerner Kantonsspital sehr stark fordern

Luzern rüstet sich für Corona-Patienten. Gäbe es plötzlich zahlreiche Fälle während der Grippesaison, wäre das Kantonsspital sehr stark gefordert.

Evelyne Fischer
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Gibt es Verdachtsfälle, werden diese im Kantonsspital isoliert und auf das Virus getestet.

Gibt es Verdachtsfälle, werden diese im Kantonsspital isoliert und auf das Virus getestet.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 18. November 2019)

Ein bestätigter Corona-Patient im Tessin, über 70 Verdachtsfälle in Abklärung: Das sind die hierzulande bekannten Fakten zum Corona-Virus. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass auch Luzern bald Corona-Infizierte vermeldet. Der Kanton hat eine fachübergreifende Taskforce gebildet und rüstet sich für den Fall, dass es plötzlich zu vielen Verdachtspatienten oder Erkrankungen kommt:

Kanton Luzern setzt Taskforce ein

Die Dienststelle Gesundheit und Sport des Kantons Luzern hat am Dienstag eine Taskforce gebildet, die laufend die Lage bespricht und Massnahmen berät. Geleitet wird die Taskforce von Kantonsarzt Roger Harstall, sagt Dienststellenleiter David Dürr auf Anfrage. Weiter vertreten sei darin nebst der Dienststelle der Stabschef des kantonalen Führungsstabs, das Gesundheits- und Sozialdepartement, die Staatskanzlei, die Spitäler, die Ärztegesellschaft, die Polizei, der Zivilschutz, der Verband der Luzerner Gemeinden sowie die Stadt Luzern. Die Dienststelle Gesundheit und Sport müsste Corona-Infizierte befragen und prüfen, mit welchen Personen sie während der Ansteckungszeit in Kontakt standen. «Dann würden mit den Betroffenen die notwendigen Massnahmen besprochen.» Dürr sagt, die Verunsicherung durch das Corona-Virus sei spürbar. «Wir stellen eine starke Zunahme der Anfragen von Medien, Ärzten, Betrieben und Bürgern fest.»

Die Taskforce steht in engem Kontakt mit den Spitälern. Im Luzerner Kantonsspital (Luks) ist man gewappnet: «Wir verfolgen die Lage kontinuierlich», sagt Sonja Bertschy, Leitende Ärztin und stellvertretende Chefärztin der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene.

«Wir werden, falls nötig, an allen Standorten Verdachtspatienten abklären und behandeln können.»

Die Kapazitäten könnten «zeitgerecht» erhöht werden – etwa durch die Eröffnung einer Isolierstation. Wie viele Betten zur Verfügung gestellt werden müssen, sei schwierig abschätzbar und hänge von der kantonalen Pandemieplanung ab.

Verdachtsfälle werden Kantonsarzt gemeldet

Bei Verdachtsfällen handelt das Luks gemäss den nationalen Richtlinien: Bei Spitaleintritt wird der Patient mit einer Maske ausgerüstet, in ein Isolationszimmer gebracht und auf das Virus getestet. Proben müssen derzeit noch an das nationale Referenzzentrum für neuauftretende Viruserkrankungen in Genf gesendet werden. Am Luks laufen aber Vorbereitungen, um die Proben gleich vor Ort auswerten zu können. Binnen zweier Stunden muss der Kantonsarzt eingeschaltet werden. Das behandelnde Personal wird mit Schutzmasken, Überschürzen, Handschuhen und Schutzbrillen ausgerüstet. An diesen Ablauf haben sich auch Arztpraxen und Heime zu halten, wenn es zu Verdachtsfällen kommt.

Nach wie vor ist die Influenza, die saisonale Grippe, weit verbreitet. Fälle von Corona-Infizierten würden beim Luks zu einer Zusatzbelastung führen, sagt Sonja Bertschy. «Derzeit bestehen Kapazitäten für die Abklärung von Corona-Verdachtsfällen wie auch für die Behandlung von allfällig Erkrankten. Durch einen Anstieg wären aber alle betroffenen Abteilungen sehr stark gefordert.»

Ende 2005, Anfang 2006 grassierte in der Schweiz die Vogelgrippe, Ende 2009 folgte die Schweinegrippe. Wie gefährlich ist das Corona-Virus im Vergleich mit diesen Erkrankungen? «Das Virus ist zwar sehr ansteckend, auch deshalb, weil es sich um ein neues Virus handelt und entsprechend keine Immunität in der Bevölkerung besteht», sagt Bertschy. Gemäss aktuellem Wissensstand verlaufe die Erkrankung aber meist relativ mild.

«Die Symptome sind vergleichbar mit jener einer saisonalen Grippe.»

Während bei der Schweinegrippe ein Maskenzwang fürs Personal geprüft wurde, sei dies momentan kein Thema. Bertschy: «Wir haben das Know-how, die Infrastruktur und ausreichend Schutzmaterial, um die Sicherheit für unser Personal zu gewähren und Mitpatienten zu schützen.»

Seeblick Sursee setzt auf Kommunikation

Während gerade junge Menschen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, oft nur leicht erkranken, kann eine Ansteckung bei Senioren schwerwiegende Folgen haben. Im Surseer Seeblick, dem Haus für Pflege und Betreuung mit 76 Betten, gleich neben dem Kantonsspital, gibt man sich dennoch gelassen. «Panik ist fehl am Platz», sagt Co-Geschäftsleiterin Elke Hönekopp.

«Weil wir in regelmässigen Abständen mit dem Norovirus zu kämpfen haben, sind wir uns solche Situationen ein Stück weit gewohnt.»

Das A und O sei eine stete, gute Händedesinfektion. Käme es zu mehreren Corona-Infizierten, würden Besuche eingeschränkt sowie öffentliche Veranstaltungen und Weiterbildungen abgesagt. Sollte sich die Lage zuspitzen, würde man versuchen, das Personal möglichst auf der jeweiligen Etage zu behalten und den Nachtdienst zu verstärken, um die Viren nicht weiter zu verschleppen. «Ich stelle eine hohe Bereitschaft des Personals fest, in solchen Situationen auch zusätzliche Dienste zu übernehmen», sagt Hönekopp. «Das Verständnis ist gross.» Am allerwichtigsten sei aber vor allem: transparent informieren. «Dazu gehören auch gut sichtbare Schilder.»

Viva Luzern hat Arbeitsgruppe einberufen

Auch bei Viva Luzern – die dazugehörigen fünf Stadtluzerner Betagtenzentren betreuen rund 900 Bewohnerinnen und Bewohner – setzt man derzeit vor allem auf Kommunikation, sagt Sprecherin Ramona Helfenberger. «Viva Luzern hat diese Woche eine Arbeitsgruppe einberufen, welche die Situation regelmässig einschätzt, die Mitarbeitenden informiert und falls nötig weitere Massnahmen ergreift.» Aktuell gelte es, jene Punkte zu beachten, die auch bei einer saisonalen Grippe eingehalten werden sollen. Heisst: alle zwei Stunden mit Seife Händewaschen, eine Armlänge Abstand zu anderen Personen, bei Grippesymptomen zu Hause bleiben.

Zu beurteilen, ob und wie gross die zusätzliche Belastung durch den Ausbruch des Corona-Virus während der Grippesaison ist, wäre zum jetzigen Zeitpunkt «rein spekulativ», sagt Ramona Helfenberger. «Wir halten Bewohnende und Mitarbeitende an, sich gegen die saisonale Grippe zu impfen. Die damit zusammenhängenden Hygienemassnahmen rufen wir den Mitarbeitenden jeden Herbst in Erinnerung.»

Hinweis: Der Kanton hat unter www.lu.ch ein Faktenblatt zum Corona-Virus zusammengestellt. Das Bundesamt für Gesundheit informiert auf www.bag.admin.ch und hat unter Telefon 058 463 00 00 eine Hotline eingerichtet (täglich erreichbar von 8 bis 18 Uhr).

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