Luzerner Musikschulen setzen in der Coronakrise auf virtuelle Instrumentenparcours

Weil Schulkinder aufgrund des Coronavirus Instrumente nicht an Parcours testen können, greifen Lehrpersonen zur Videokamera.

Roger Rüegger
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Angehende Musikschüler können sich in verschiedenen Schulzimmern einen Überblick der Instrumente machen. Dabei dürfen oder sollen sie nach Herzenslust versuchen, der Geige einen Ton zu entlocken, das Akkordeon anzuschnallen, die Saiten der Gitarre zu zupfen, oder auf der Tastatur des Klaviers «Frère Jaques» zu spielen. Die Lehrpersonen der Musikschule zeigen den Kindern Instrumente und beraten Eltern.

Diese Szenarien eines Instrumentenparcours wird es vorläufig nicht geben. Sie fallen aufgrund der aktuellen Situation weg. Für Schulkinder gestaltet sich die Wahl ihres Instruments für die Musikschule deshalb heuer etwas schwieriger und auch für die Lehrpersonen wird es nicht einfacher, jungen Menschen ein Instrument zu lehren. «Dieser Erlebnishalbtag fehlt den Kindern. Das ist schlimm», sagt Pirmin Hodel, Leiter der Musikschule Region Willisau und Beauftragter Musikschulen des Kantons Luzern.

Anmeldefrist für Musikschulen verlängert

Der Verband Musikschulen des Kantons Luzern sowie die Dienststelle Volksschulbildung (DVS) gaben den Musikschulen zwar Empfehlungen ab, etwa für den Fernunterricht. Zudem wurde die Anmeldefrist verlängert. Der Ausfall des Parcours ist dennoch einschneidend. «Das Schöne für Kinder ist, wenn sie ein Instrument erleben können, es fühlen und ausprobieren», sagt Hodel. Zudem gelte es, neben den Instrumenten auch die Lehrpersonen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Findige Musikschulen haben deshalb begonnen, Instrumente im Internet vorzustellen, wie etwa die Musikschule Brittnau

oder die Musikschule Cham zeigen.

Dieser Austausch vermisst auch Adrian Leuenberger. Der 41-jährige Familienvater unterrichtet Akkordeon an den Musikschulen Wiggertal-Hürntal und der Musikschule Region Schötz.

Bild: Patrick Hürlimann (Dagmersellen, 21. April 2020)

Anstelle der persönlichen Beratung präsentiert er sich und das Akkordeon den Schulkindern und Eltern nun per Video. «Das Ausprobieren der Instrumente fehlt den Kindern garantiert sehr. Insbesondere beim Akkordeon wird das Testen rasch zu einem schönen Erlebnis, weil sich beim Drücken eines Knopfes der Ton sofort in der richtigen Intonation entfaltet. So können Kinder auch bereits nach kurzer Zeit einfache Stücke spielen», sagt der Dirigent des Handharmonika-Club Dagmersellen, der auch Inhaber eines Akkordeon-Fachgeschäfts ist.

Konzerte gestrichen

Sein Verkaufsladen ist derzeit für Kundschaft geschlossen. Der in Huttwil aufgewachsene Leuenberger hat dennoch mit Reparaturen genug zu tun.

Bild: Patrick Hürlimann (Dagmersellen, 21. April 2020)

Nach seiner vierjährigen Lehre als Schreiner absolvierte er bei Hohner in Deutschland eine dreijährige Ausbildung als Handzuginstrumentenmacher. Nach erfolgreichem Abschluss nahm er am Konservatorium in Trossingen vier Jahre das Studium auf und schloss dieses als staatlich anerkannter Musikpädagoge ab. 2006 kehrte er zurück nach Huttwil, wo er eine Reparaturwerkstätte für Akkordeon eröffnete. Grossdietwil war seine erste Station als Musikschullehrer.

2012 zog sein Geschäft nach Dagmersellen wobei nebst den Reparaturen auch noch der Verkauf von Instrumenten und Zubehör dazu kam.

Patrick Hürlimann / Patrick Huerlimann

Das 30 Akkordeon starke Orchester des Handharmonika-Clubs kann er derzeit nicht dirigieren. Die Konzerte von 16. und 20. Mai wurden genau gleich wie der Instrumentenparcours abgesagt. Der Unterricht an der Musikschule ist natürlich ebenfalls eingeschränkt.

Hoffen auf stabile Schülerzahlen

«Die älteren Schüler schalten sich per Skype oder Face Time zum Unterricht ein», mit den Jüngeren kommuniziere er per Video. «Sie wiederum senden mir einen Film von sich mit dem Stück, das ich ihnen als Aufgabe schickte.» Insgesamt unterrichtet er zehn Akkordeon-Schüler. Wie viele er im neuen Schuljahr begrüssen darf, steht noch nicht fest. «Ich bin gespannt, wie sich die Sache auf die Schülerzahl auswirkt», sagt er.

Pirmin Hodel ist zuversichtlich, dass die Auswirkungen der Coronakrise auf die Musikschulen nicht allzu schlimm sind. Er hofft, dass der Ausfall des Instrumentenparcours mit verschiedenen anderen Aktionen aufgefangen werden kann. «Die Menge an Anmeldungen, welche bis heute eingetroffen ist, lässt mich hoffen, dass die Schülerzahlen stabil bleiben werden.» Auch die Musikschule Region Willisau füllt die Lücke mit einem virtuellen Instrumentenparcours. Alle Lehrpersonen haben ein Video von sich und ihrem Instrument aufgenommen, anhand dieses sich die Kinder ein Bild machen können. Hodel erfreut: «Die Rückmeldungen sind sehr gut.»

Hinweis: Eine Linksammlung zu Anregungen und Angeboten rund ums Distanzlernen des Verbands Musikschulen Schweiz finden Sie hier