Coronakrise
Stadt und Kanton Luzern bekennen sich zu KKL und Messe ‒ welche Beträge nötig sind, bleibt offen

Noch bis Mitte Jahr kommen die beiden Institutionen finanziell über die Runden. Danach müsste die öffentliche Hand einspringen. Die Geschäftsführer hoffen, dass es nicht so weit kommt.

Reto Bieri
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Das KKL und die Messe Luzern werden von Corona besonders hart getroffen. Grund: Unternehmen, an denen die öffentliche Hand zu mindestens zehn Prozent beteiligt ist, können gemäss einer Bundesregelung nicht von den Härtefallgeldern profitieren. Kantonsrat Daniel Piazza (CVP, Malters) wollte angesichts dieser trüben Aussichten in einem Vorstoss wissen, wie die Luzerner Regierung das Überleben dieser beiden Institutionen sichern will. Auch im Stadtluzerner Parlament wurde die CVP aktiv; die Grossstadträte Mirjam Fries und Andreas Felder reichten eine gleichlautende Interpellation ein.

Der Konzertsaal im KKL bleibt wegen Corona auch weiterhin leer.

Der Konzertsaal im KKL bleibt wegen Corona auch weiterhin leer.


Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 13. November 2020)

Gestern äusserten sich Stadt- und Kantonsregierung. Man sei sich der volkswirtschaftlichen Bedeutung und der hohen Wertschöpfung des KKL und der Messe Luzern bewusst. Stadt und Kanton seien seit Beginn der Krise mit beiden Institutionen im engen Austausch.

«Die grossen Herausforderungen übertreffen die schlimmsten Erwartungen», schreiben Stadt und Kanton weiter. Buchungen mussten zum Teil mehrmals verschoben, storniert und bei definitiven Absagen zurückvergütet werden. Zudem mussten KKL und Messe Mitarbeitende entlassen.

Zweite Welle bringt KKL und Messe an finanzielle Grenzen

Dennoch hätten beide Institutionen das Geschäftsjahr 2020 aus eigenen Kräften meistern können.« Sie kommen aber mit der zweiten Welle an ihre finanziellen Grenzen, der Handlungsbedarf ist gross.» Aktuell würden Lösungskonzepte für das Geschäftsjahr 2021 erarbeitet. Dazu wurde je eine Arbeitsgruppe für KKL und Messe mit Vertretern der Institution, des Kantons und der Stadt eingesetzt.

Kanton und Stadt anerkennen, «dass beide Institutionen alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben und erst an die öffentliche Hand gelangt sind, als dieser Schritt unerlässlich wurde.» Deshalb setze man sich dafür ein, dass die zum Fortbestand notwendigen Entscheide rechtzeitig getroffen werden. Konkret soll für das KKL Luzern voraussichtlich für 2021 ein Nachtragskredit geprüft werden. Für die Messe Luzern müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, um bei Bedarf eine Unterstützung in Form eines Darlehens zur Verfügung stellen zu können.

Rettungspaket ist ein Notnagel

Doch wie gross müsste eine allfällige Unterstützung durch die öffentliche Hand ausfallen? Das könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, meint Markus Lauber, CEO der Messe Luzern. «Das hängt davon ab, ob ab Herbst wieder Veranstaltungen und Messen stattfinden können.»

Normalerweise beträgt der Jahresumsatz der Messe laut Lauber rund 15 Millionen Franken. Aktuell liegt er zwischen ein und zwei Millionen. Etwas finanzielle Linderung bringe das kantonale Impfzentrum, das eingemietet ist.

Bis ungefähr Mitte 2021 komme die Messe Luzern finanziell über die Runden. Danach werde die Situation schwierig. Lauber ist deshalb froh um den konstruktiven Dialog, in welchem man sich seit November mit der Stadt und dem Kanton befindet. «Wir haben alle unsere Zahlen transparent gemacht und Sparmassnahmen aufgezeigt.» Ein Rettungspaket durch die öffentliche Hand ist für Lauber aber ein «Notnagel».

CEO hofft auf Normalisierung nach den Sommerferien

Auch KKL-CEO Philipp Keller lässt sich keine konkreten Zahlen entlocken, «Das wäre nicht seriös, denn zu vieles ist momentan unklar, um die Auswirkungen abschliessend zu beurteilen.» So würden bei den Verordnungen zur Härtefallregelung laufend Anpassungen erfolgen, und auch bei den für das KKL wichtigen Entschädigungen im Kulturbereich sei vieles noch offen.

Das KKL versuche weiterhin seine Aufwände möglichst zu optimieren und komme so bis Mitte Jahr finanziell über die Runden. Keller hofft, nach Sommerferien zu einer gewissen Normalisierung übergehen zu können. «Wir gehen davon aus, dass wir das Lucerne Festival ab Mitte August mit zumindest einem gewissen Publikumsaufmarsch durchführen können.» Man sei bereit für eine rasche Wiedereröffnung und habe die entsprechenden Schutzkonzepte bereits letztes Jahr erarbeitet und ausgetestet.

Darlehen stehen für städtische Finanzdirektorin im Vordergrund

Auch die städtische Finanzdirektorin Franziska Bitzi (CVP) sagt, zu den finanziellen Auswirkungen für KKL und Messe könne man momentan noch nichts sagen, unter anderem weil viele Fragen rund um die Härtefallregelungen noch pendent sind.

«Wichtig ist, dass die Strukturen erhalten bleiben, denn beide Unternehmen sind wichtig für den Standort Luzern.» Falls finanzielle Unterstützung nötig wird, stehen für die Finanzdirektorin Darlehen im Vordergrund. «Diese sind schneller verfügbar.» A-fonds-perdu-Beiträge sieht Bitzi als« letzte Möglichkeit».