Coronapandemie
Masken eines Horwer Start-ups sind rezyklierbar – doch Grossfirmen zögern

Kein Witz: Aus den gebrauchten Schutzmasken, die Reworks GmbH ab Februar vertreibt, werden später Töpfe oder Helme hergestellt. Der Recyclingkreislauf ist allerdings eine Herausforderung.

Roman Hodel
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Ob im ÖV, Supermarkt oder bei der Arbeit: Das Tragen von Schutzmasken gehört wegen der Pandemie längst zum Alltag. Meist handelt es sich um Einwegprodukte aus Kunststoff, einem Metallband und Gummibändern. Masken, wie sie in Spitälern, Laboren oder in der Lebensmittelproduktion schon seit Jahren zum Einsatz kommen. Allein in der Schweiz werden laut Schätzung des Bundesamts für Gesundheit täglich 3,5 Millionen Stück weggeworfen.

Das ist schlecht für die Umwelt: Der Abfallberg wächst – und nicht selten landen die Masken gar einfach irgendwo auf dem Boden. Zwar gibt es mehrfach verwendbare Stoffmasken. Doch ohne Filter bieten sie keinen medizinischen Schutz.

Diese Masken sind 100 Prozent rezyklierbar – vorne in der Mitte ist die Sammelbox zu sehen.

Diese Masken sind 100 Prozent rezyklierbar – vorne in der Mitte ist die Sammelbox zu sehen.

Bild: PD/Reworks

Um den Abfallberg zu minimieren, bräuchte es rezyklierbare Masken. Das Horwer Start-up Reworks GmbH, das sich den Vertrieb von sinnvollen und nachhaltigen Produkten auf die Fahne schreibt, wurde in England fündig. Es bringt im kommenden Februar eine Schutzmaske der Marke Ecobreathe neu in die Schweiz. Diese entspricht den gängigen medizinischen Schutzmasken des Typs IIR, besteht jedoch ausschliesslich aus Polypropylen und ist zu 100 Prozent rezyklierbar.

Post und Recyclingfirma sind mit dabei

Der 34-jährige Walter Küpfer ist Mitgründer von Reworks. Er sagt, die «Challenge» beim Recycling sei das Organisieren des Kreislaufs. Hierfür konnte das Start-up die Schweizerische Post und die Recyclingfirma Recoplast in Solothurn mit ins Boot holen. Und so funktioniert es: Die Kundschaft bestellt bei Reworks die rezyklierbaren Schutzmasken. Mit der Lieferung erhält sie zusätzlich eine Sammelbox. Ist diese voll, geht's per Post zur Recyclingfirma. Diese verarbeitet die Masken zu Kunststoffgranulat. Daraus werden anschliessend Produkte wie Töpfe, Helme oder Folien hergestellt. Küpfer sagt:

«Wichtig ist, dass keine herkömmlichen Masken in der Box landen, weil sonst die Qualität des Kunststoffgranulats leidet.»

50 Masken kosten 9.65 Franken. Damit gehört Reworks zwar zu den teureren Anbietern. Zum Vergleich zeigt eine Google-Suche: Die Preise für eine 50er-Box herkömmlicher IIR-Masken aus China variieren aktuell von 4.90 bis 7.90 Franken. Dafür sind bei Reworks sämtliche Kosten inbegriffen, also auch die Rücksendung der Sammelbox. Zudem werden diese Masken in der Türkei hergestellt und nicht in China.

Laut Küpfer sind bereits erste Bestellungen von KMU-Betrieben eingegangen: «Gerade grössere Firmen hingegen zögern noch, weil sie die Umsetzung fürchten.» Am meisten Anfragen hätten sie bislang von Privathaushalten. Nur, diese beliefere man zumindest am Anfang noch nicht. «Die Mengen wären zu klein und das Handling zu teuer», sagt Küpfer und fügt an: «Wir müssen zuerst an die grossen Verbraucher gelangen, bevor wir Private beliefern.»

Die Schutzmaske ist bereits das zweite Produkt, mit dem Reworks in der Pandemie Umsatz machen will. 2020 begann das Start-up mit dem Vertrieb der sogenannten Recycle Wall – einer Trennwand aus rezyklierbarem Wabenkarton, etwa für den Kassenbereich in Verkaufsgeschäften. Die Nachfrage war anfangs gross, ist laut Küpfer jedoch stark gesunken. Inzwischen bietet Reworks aus demselben Material Möbel für Messen und Läden an. «Das ist nun unser wichtigstes Standbein», sagt er.

Sollte die Ecobreathe-Maske in der Schweiz so gefragt sein wie in England und den USA, so will Reworks, das in Horw aktuell vier Männer beschäftigt, nach Deutschland und Österreich exportieren. Die exklusive Lizenz dafür habe man sich bereits gesichert. Und wenn das Angebot nach einem Jahr zu wenig zieht? Küpfer sagt es so:

«Dann wird es für unser Start-up eng – doch wir sind von diesem Produkt überzeugt.»