Coronavirus

90-jährige Luzernerin erhält als erste Person in der Schweiz eine Impfung gegen Corona – laut Guido Graf wird gar an Neujahr weitergeimpft

Die grösste Impfaktion der Schweizer Geschichte hat am Mittwochmorgen begonnen. Auch über die Festtage wird – mit wenigen Ausnahmen – in den Pflegeheimen weitergeimpft. Noch offen ist, wann weitere vulnerable Personen geimpft werden.

Roseline Troxler
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Eine 90-jährige Bewohnerin einer Pflegeinstitution in einer Luzerner Landgemeinde wurde am Mittwoch als erste Schweizerin geimpft.

Eine 90-jährige Bewohnerin einer Pflegeinstitution in einer Luzerner Landgemeinde wurde am Mittwoch als erste Schweizerin geimpft.

Bild: Urs Flüeler/ Keystone (23. Dezember 2020)

Eine über 90-jährige Bewohnerin einer Pflegeinstitution in einer Luzerner Landgemeinde wurde am Mittwochmorgen mit dem zugelassenen Impfstoff von Pfizer/Biontech geimpft. Dabei handelt es sich um die erste Covid-19-Impfung der Schweiz, wie der Kanton mitteilt.

Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) sagt auf Anfrage: «Wir konnten in den Alters- und Pflegeheimen wie geplant mit den Impfungen starten. Ich bin sehr zufrieden damit.» Möglich sei dies nur dank der Zusammenarbeit diverser Institutionen und eines enormen Einsatzes.

«Gewisse Mitarbeiter haben das Wochenende durchgearbeitet oder waren bis in die Nacht im Einsatz.»

Guido Graf wird am Donnerstag ein Impfteam bei der Arbeit in einem Pflegeheim begleiten. In welchen Heimen erste Impfungen stattfanden, will der Gesundheitsdirektor nicht bekanntgeben, sagt aber: «Es handelt sich um mehrere Heime auf der Landschaft.» Auch am Donnerstag wird in den Heimen geimpft. Danach würden die ersten beiden Tage ausgewertet, bevor es am 27. Dezember weitergeht. «Selbst an Silvester und Neujahr sind unsere Teams im Einsatz. Wir möchten möglichst zügig vorankommen.»

Wie gross der Anteil der Heimbewohnerinnen und -bewohner ist, der sich impfen liess, kann laut Graf noch nicht kommuniziert werden: «Klar ist, dass gewisse Bewohner sich den Entscheid in Ruhe überlegen möchten.» Bei Personen mit einem Vormund entscheide dieser im Gespräch mit dem Bewohner über eine Impfung. Graf unterstreicht:

«Die Impfung ist freiwillig. Niemand soll gegen seinen Willen geimpft werden.»

Guido Graf will sich impfen, wenn die breite Bevölkerung an der Reihe ist

Der Gesundheitsdirektor wird sich ebenfalls impfen lassen und geht auch bei seinen Regierungskollegen davon aus, wie er auf Anfrage sagt. «Bis es so weit ist, stehen die Impfdosen aber Personen zur Verfügung, welche diese dringender benötigen.» Am Mittwoch seien in Luzern 5800 Dosen eingetroffen, weitere je 5000 würden in der ersten und dritten Kalenderwoche 2021 folgen.

«Nach den Heimbewohnern sind die Mitarbeiter der Heime an der Reihe. Dann folgen die Spitäler, bevor sich weitere vulnerable Personen impfen lassen können.» Den genauen Fahrplan könne er noch nicht kommunizieren: «Die Anzahl verfügbarer Impfdosen gibt den Takt an.» Bei den Hausärzten haben sich laut deren Aussage schon diverse impfwillige Risikopersonen gemeldet. Diese mussten vertröstet werden. Laut Guido Graf halte sich der Kanton Luzern an die Vorgaben: «Wir können keine Ausnahmen machen.» Die Hausärzte wurden laut Kanton am Mittwoch über das Vorgehen informiert. Im Schreiben heisst es, dass zu Impfbeginn laut Strategie des Bundes prioritär gefährdete Personen Zugang zur Impfung erhalten sollen. Da die Impfstoffmengen anfangs begrenzt seien, brauche es innerhalb dieser Impfzielgruppe eine weitere Priorisierung.

Beim Kanton hätten indes schon zahlreiche Hausärzte angeboten, die kantonale Impfaktion zu unterstützen. Die breite Bevölkerung wird sich voraussichtlich ab Spätfrühling 2021 im Impfzentrum bei der Messe Luzern und an weiteren Standorten impfen lassen können. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen auch Arztpraxen und Apotheken Impfungen durchführen.

«Läuft alles nach Plan, sollen alle Luzernerinnen und Luzerner, die sich impfen lassen wollen, bis im dritten Quartal 2021 geimpft sein.»

Aktuelle Fallzahlen und Testmöglichkeiten

Am Mittwoch hat der Kanton Luzern 240 neue Coronafälle registriert (Vortag 146). Der R-Wert liegt laut Gesundheitsdirektor Guido Graf bei 1,15 und ist somit leicht gesunken: «Ich hoffe, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.» Derzeit befinden sich 103 Covid-19-Patienten in Spitalpflege, 11 davon benötigen Intensivpflege. «Der Druck in den Spitälern ist nach wie vor sehr gross.» Die Situation bereite ihm Sorgen, sagt Graf weiter. «In der ersten Welle hatten wir Bedenken betreffend der Anzahl Beatmungsgeräte. Nun besteht das Problem, über genügend Mitarbeitende zu verfügen.» Es gelte, diesen trotz grosser Belastung Sorge zu tragen, betont der Regierungsrat.

Mit 23 Prozent nach wie vor hoch ist die Positivitätsrate, also der Anteil positiver Tests an der Gesamtzahl. Guido Graf ruft daher weiterhin auf, sich bei Symptomen testen zu lassen. Über die Feiertage sind Coronatests bei den kantonalen Drive-in-Testzentren sowie im Luzerner Kantonsspital mit einer Anmeldung möglich. Am 24. Dezember sind alle Drive-in-Testzentren in Luzern, Nottwil und Entlebuch zwischen 13 und 16 Uhr geöffnet. Am 26. Dezember ist das Testzentrum in Luzern von 13 bis 17 Uhr offen. Am 25. und 27. Dezember sind die kantonalen Testzentren geschlossen. An den Feiertagen (24. und 26. Dezember) werden «aus logistischen Gründen» keine Schnelltests durchgeführt. Weitere Infos finden Sie hier.

Blick ins Impfzentrum in der Messe Luzern:

Der Impf- und der Wartebereich sind getrennt.
24 Bilder
Der Impfstoff wird von der Firma Galliker Transport AG angeliefert.
Eine Lampe schaltet auf Rot und Grün.
Zum Einsatz kommen ganz viele mobile Trennwände.
Blick in die Wartebereich des Haupt-Impfzentrums Allmend
Blick auf das Haupt-Impfzentrum Allmend
Eine Lampe leuchtet im Impfbereich.
Hier wird geimpft.
Hier wird der Impfstoff gelagert.
Blick in die Räume des Impfzentrums in Luzern.
Ein Mann zeigt den Impfstoff.
Der Impfstoff von Pfizer und Biontech
Ein Mann kontrolliert die Lieferung.
Hier werden die Daten erfasst.
Blick in die Wartebereich
Hier werden die Daten erfasst.
Blick in die Impfbereich.
Ein Mann vom Zivilschutz liefert den Impfstoff ins Impfzentrum.
Blick in die Wartebereich
Nach dem Impfen muss 15 Minuten gewartet werden.
Das Impfzentrum ist in Räume aufgeteilt.
Ein Mann zeigt den Impfstoff
Ein Mann zeigt den Impfstoff

Der Impf- und der Wartebereich sind getrennt.

Bild: Ennio Leanza / Keystone (Luzern, 23. Dezember 2020)

Luzern startet mit Corona-Impfkampagne:

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