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500 Spitalbetten sind nicht belegt – Kanton Luzern bietet freie Plätze seinen Nachbarn an

Fast 500 Betten sind in Luzerner Spitälern für Covid-Patienten unbelegt. Es gab schon Anfragen aus dem Ausland.

Alexander von Däniken
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Sie informierten: Die Regierungsräte Guido Graf, Paul Winiker, und Reto Wyss (vorne von links) sowie Marcel Schwerzmann (hinten Mitte) und Fabian Peter (Hinten rechts)

Sie informierten: Die Regierungsräte Guido Graf, Paul Winiker, und Reto Wyss (vorne von links) sowie Marcel Schwerzmann (hinten Mitte) und Fabian Peter (Hinten rechts) 

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 8. April 2020)

Für einmal hatte der Luzerner Regierungsrat am Donnerstag keine neuen Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus zu präsentieren. Stattdessen gaben die fünf Magistraten einen Überblick über ihre Departemente – mit spannenden Details.

Gesundheit

Die Lage in den Luzerner Spitälern ist dank rascher Reaktion und Aufstockung der Bettenzahl verhältnismässig entspannt. Dies sagte Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP). Die Gesamtzahl aller Betten in den vier Akutspitälern Luzerner Kantonsspital, Hirslanden-Klinik St. Anna, SPZ Nottwil inklusive Medical Center und Klinik Sonnmatt liegt bei 1573. Davon sind 900 Betten frei – auch für Patienten, die nicht am Coronavirus erkrankt sind. Seit Montag gibt es 560 Betten für die Behandlung von Covid-19-Patienten. Es handelt sich um Betten in Isolierstationen. Stand Mittwoch sind von diesen Betten 498 nicht belegt.

Von 81 Betten für Intensivpflege und Beatmung sind 47 frei. Von den 34 belegten Plätzen auf den Intensivstationen gehen 6 auf das Konto von Covid-19-Patienten. Insgesamt sind im Kanton Luzern 62 Patienten hospitalisiert, die am Coronavirus erkrankt sind. Im Moment steht jedem Patienten ein Beatmungsgerät zur Verfügung. Graf:

«Sollte die Zahl an zu beatmenden Patienten zunehmen und die aktuelle Kapazität überschritten werden, kann die Luft eines Beatmungsgeräts zwei Personen zugeführt werden.»

Auf Anfrage unserer Zeitung führte er zudem aus, dass Luzern anderen Kantonen die Bereitschaft signalisiert hat, Covid-19-Patienten zu übernehmen. Das gilt auch für solche aus dem Ausland. Am letzten Wochenende fragte Italien um 20 Plätze an, Frankreich um 6. Beide Anfragen wurden allerdings wieder zurückgezogen. Auch aus anderen Kantonen gibt es derzeit keine Covid-19-Patienten in einem Luzerner Spital.

Wirtschaft

Die rasche, schrittweise Öffnung der Läden ab dem 19. April war an der Medienkonferenz kein Thema mehr. Stattdessen betonten alle Regierungsräte unisono, dass es für die Unternehmen wichtig sei, einen Plan für den Neustart zu haben. «Wir brauchen jetzt einen Plan für den Neustart der Wirtschaft, aber die Gesundheit gibt den Takt vor», sagte Wirtschaftsdirektor Fabian Peter (FDP). Auch liege hierfür der Lead beim Bundesrat. Dennoch sei es wichtig, die Ideen dem Bund näher zu bringen, was die Luzerner Regierung auch gemacht habe.

Regierungsrat Marcel Schwerzmann (BKD) und Regierungsrat Fabian Peter (BUWD, rechts).

Regierungsrat Marcel Schwerzmann (BKD) und Regierungsrat Fabian Peter (BUWD, rechts).

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 8. April 2020)

Konkret sollen die Läden schrittweise und sortimentsorientiert öffnen. «Zuerst vielleicht Gärtnereien, Baumärkte, aber auch Detailhändler wie Kleider- und Schuhläden – in einem nächsten Schritt die Öffnung von Restaurants und später die Aufhebung des Versammlungsverbots», sagte Peter, um sogleich zu betonen: «Aber immer unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln.» Bis dahin hält sich der Kanton auch bei der finanziellen Unterstützung an den Bund. Es gibt also keine à-fonds-perdu-Beiträge wie etwa im Kanton Zug, stellte Peter auf Nachfrage klar. «Wir erachten es als sinnvoller, wenn die Staatsebenen nicht vermischt werden und wollen so auch die Gefahr eines Missbrauchs klein halten.» Zudem passe der Bund die Unterstützung laufend an.

Finanzen

Laut Finanzdirektor Reto Wyss (CVP) werden die bisherigen kantonalen Massnahmen sehr geschätzt. Das betrifft die Behördenmassnahmen wie Kulanz bei Forderungen, Fristen und Zinsen. Es betrifft auch die Bankenmassnahmen, also die zusätzlichen Liquiditätshilfen für die kantonale Wirtschaft. Wyss:

«Allgemein kann festgehalten werden, dass Anfragen über Liquiditätshilfen unter 500'000 Franken in der Tendenz rückläufig sind, solche für über 500'000 Franken dagegen zunehmen.»

Der Regierungsrat überprüfe laufend, ob die Massnahmen bis zum Ende des Lockdowns nachjustiert werden müssen. Das hat zum Beispiel die Luzerner Kantonalbank bereits gemacht. «Sie hat nach Absprache mit dem Regierungsrat die Kreditvergabe von 50 auf 100 Millionen Franken verdoppelt.»

Bildung und Kultur

Wie bei der Wirtschaft will sich der Regierungsrat auch bei der Bildung an den Bund halten. So sagte Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) zur oft gehörten Forderung nach finanzieller Unterstützung der Kitas: «Kitas sind Vereine oder Aktiengesellschaften und werden bereits bei der ordentlichen Unterstützung des Bundes berücksichtigt. Für weiterführende Massnahmen warten wir auf Entscheide aus Bern.» Generell muss das Betreuungsangebot für Kinder im Kindergarten und der Primarschule, die nicht privat betreut werden können, so lange bestehen bleiben, wie es die Massnahmen des Bundes vorsehen – notfalls auch über den 19. April hinaus und während der Frühlingsferien.

Was den Fernunterricht betrifft, klappe dieser vor allem in den oberen Stufen sehr gut. Allerdings seien leistungsstarke Schüler klar im Vorteil. Noch ungelöst sei die Frage der Matura- und Lehrabschlussprüfungen. «Der Regierungsrat hat klar die Erwartung, dass alle nötigen Noten erhoben werden, alle nötigen Prüfungen unter Wahrung der Abstandsregeln durchgeführt und alle nötigen Abschlusszeugnisse ausgestellt werden. Niemand soll wegen der Coronakrise unverschuldet einen Rückstand in seiner Bildungslaufbahn erleiden.» Hier brauche es klare und einheitliche Vorgaben vom Bund. Das ist laut Schwerzmann auch schon bei der Erziehungsdirektorenkonferenz deponiert.

Von der Coronakrise sind laut Schwerzmann auch grosse und kleine Kulturbetriebe betroffen. Sie leiden wie auch selbstständige Kulturschaffende unter Einnahmeausfällen. Bund und Kantone hätten inzwischen Soforthilfen und Ausfallentschädigungen verabschiedet. Die Abteilung Kulturförderung im Bildungs- und Kulturdepartement berate die Kulturunternehmen und Kulturschaffenden bereits und bearbeite die eingetroffenen Gesuche.

Sicherheit

«Die meisten Luzernerinnen und Luzerner haben sich an die Weisungen gehalten», sagte Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP). Diese Disziplin und Eigenverantwortung gelte es jetzt auch über die Ostertage aufrechtzuerhalten. Die Polizei werde weiterhin Kontrollen an neuralgischen Punkten machen.

Der Regierungsrat hat die Ladenöffnungszeiten vor Ostern ausgeweitet, um die Kundenströme besser zu verteilen. Am Gründonnerstag dürfen die Läden bis 18.30 Uhr und am Karsamstag bis 17 Uhr offen haben. «Nutzen Sie also die ausgedehnten Zeiten, aber gehen Sie bitte nicht alle kurz vor Ladenschluss einkaufen», sagte Winiker. Die Versorgung mit den Grundgütern sei gewährleistet. «Es besteht kein Grund, Waren zu hamstern.»

Als Regierungspräsident mahnte Winiker die Luzerner Bevölkerung ausserdem, über Ostern zu Hause zu bleiben. «Wir üben nicht den Ernstfall, wir haben den Erstfall.» Dieser sei bisher relativ gut im Griff. Das soll so bleiben. Fabian Peter sagte:

Je besser wir die Massnahmen einhalten, desto früher können wir in die Normalität zurück – auch bei der Wirtschaft.

Der Newsticker zum Nachlesen

Das Wichtigste im Überblick: 

  • Die Spitalkapazitäten sind noch genügend hoch. In den vier Luzerner Akutspitälern stehen derzeit in Isolierstationen total 560 Betten für die Behandlung von COVID-19-Patienten zur Verfügung. 62 Betten waren Stand gestern belegt, 498 Betten waren frei. Von 81 Betten für Intensivpflege und Beatmung sind derzeit 34 Plätze belegt – sechs davon sind COVID-19-Patientinnen und Patienten.
  • Im Kanton Luzern wird die Polizei weiterhin Kontrollen an neuralgischen Punkten durchführen, um Menschenansammlungen zu verhindern. Der Regierungsrat ruft dazu auf, beim Aufenthalt im Freien die Nähe zu anderen Menschen zu meiden und auf Reisen in andere Kantone zu verzichten.
  • Die Ladenöffnungszeiten vor Ostern wurden ausgeweitet, um die Kundenströme besser zu verteilen.
  • Fernunterricht: Drei Viertel kommen gut kla. Mit Blick auf die Zeit nach den Osterferien treffen die kantonalen Behörden zahlreiche Vorbereitungen in enger Abstimmung mit dem Bund. So soll die Frage der Abwicklung und Gültigkeit von Abschlussprüfungen und Zeugnissen schnell geklärt und kommuniziert werden.
  • Unterstützung der Luzerner Wirtschaft: Die kantonalen Behörden sind bei Forderungen, Fristen und Zinsen kulant. Die Banken können die Anfragen der Firmen zügig abwickeln.
  • Rückkehr zum Normalzustand: Die Verantwortung dafür liegt gemäss der Luzerner Kantonsregierung letztlich beim Bund. Man sei aber überzeugt, dass die Wirtschaft möglichst bald schrittweise in den Normalzustand zurück müsse. Dies klar mit der Meinung, dass die Entwicklung der Pandemie den Takt vorgebe.
14:43 Uhr

Die Medienkonferenz ist beendet. Es tickerte David von Moos. Besten Dank für Ihr Interesse. Den Artikel zum Thema lesen sie in Kürze hier

14:42 Uhr

Winiker macht klar: Die Versorgung ist «absolut gewährleistet». Es gebe überhaupt keinen Grund zum Hamstern. Winiker kommt zum Schluss. «Bisher haben wir den Ernstfall relativ gut im Griff.» Die Lage bleibe aber äusserst heikel. Diejenigen, die unbedingt nach draussen gingen, müssten aufpassen. Auch darauf, beim Bräteln keine Wälder in Brand zu setzen.

14:39 Uhr

Zur Versorgung: Der Regierungsrat hat die Ladenöffnungszeiten vor Ostern ausgeweitet, um die Kundenströme besser zu verteilen: Gründonnerstag bis 18.30 Uhr, Karsamstag bis 17 Uhr. 

14:37 Uhr

Den Abschluss macht Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker. Man habe die Nagelprobe der ersten warmen Frühlingstage gut überstanden. Die allermeisten Luzernerinnen und Luzerner hätten sich an die Weisungen gehalten. Man bleibe aber wachsam. Rechtsfreie Räume dürfe es keine geben. «Weder auf den Flaniermeilen noch auf den Kantonsstrassen.»

14:35 Uhr

Jetzt spricht Schwerzmann über die Abschlussprüfungen, Zeugnisse und Noten. Man wolle alle anstehenden Prüfungen durchführen, immer unter Wahrung der Abstandsregeln. «Niemand soll wegen der Coronakrise unverschuldet einen Rückstand in seiner Bildungslaufbahn erleiden.» Das betreffe vor allem die Matura und die Lehrabschlussprüfungen.

14:32 Uhr

Dann kommt Schwerzmann auf die Kultur zu sprechen. «Die grossen Kulturbetriebe trifft die Schliessung hart.» Sie würden unter den Einnahmeausfällen leiden. Das gehe auch den kleineren Kulturbetrieben und den freien Kulturschaffenden so. Mit Soforthilfen und Ausfallentschädigungen wolle man die schlimmsten Folgen abwenden. «Die dazu notwendigen Richtlinien sind nun erlassen.»

14:30 Uhr

An einigen Schulen gibt es gemäss Schwerzmann schon Auswertungen zu den ersten Ergebnissen der Umstellung. Die meisten Schüler kämen mit dem selbstorganisierten Lernen gut zurecht. Wobei: «Leistungsstarke Lernende sind klar im Vorteil.» Das müsse man genau im Auge behalten. Für leistungsschwächere Schüler müsse man nach dem Ende der Coronakrise Fördermassnahmen in Betracht ziehen.

14:26 Uhr

Marcel Schwerzmann, Bildungs- und Kulturdirektor, spricht über den Fernunterricht. Der Aufwand für die Umstellung sei gross gewesen, aber die meisten Schulen seien am ersten Montag nach der Schulschliessung parat gewesen. 

14:22 Uhr

Gelobt werde das unbürokratische Vorgehen und die Geschwindigkeit bei der Bearbeitung der Gesuche. Anfragen für Kredite unter 500'000 Franken seien eher rückläufig, solche für über 500'000 dagegen immer häufiger. Die Luzerner Kantonalbank hat gemäss Wyss die Kreditvergabe von 50 auf 100 Millionen Franken verdoppelt. 

14:20 Uhr

Es spricht Finanzdirektor Reto Wyss. Die kantonalen Massnahmen würden sehr geschätzt und stark in Anspruch genommen. Gefragt seien vor allem die zusätzlichen Liquiditätshilfen zugunsten der kantonalen Wirtschaft. 

14:12 Uhr

Jetzt wendet sich Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor Fabian Peter an die Öffentlichkeit. Die Regierung habe in den letzten Tagen ihre Drei-Punkte-Strategie im Umgang mit den wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise in eine Vier-Punkte-Strategie umgewandelt:

  • Der Lead liegt beim Bund. Die Bundesmassnahmen zur Stützung der Wirtschaft würden im Kanton Luzern unterstützt, umgesetzt und durchgesetzt. Das habe sich bewährt und bleibe so.
  • Man prüfe fortlaufend den Bedarf an neuen Massnahmen auf kantonaler Ebene. Der aktuelle Massnahmenkatalog ist auf www.lu.ch publiziert.
  • Wir mache das in enger Absprache mit der Luzerner Wirtschaft. Der Austausch sei gut und laufe weiter.
  • Neu ist der vierte Strategiepunkt: Wir machen uns intensiv Gedanken über die Zeit nach der Corona-Pandemie. «Die schrittweise, sortimentsbezogene Öffnung der Läden, Restaurants und später die Aufhebung des Versammlungsverbots.

Peter betont: «Das Leben wird weitergehen, so bald wie möglich!» Man brauche jetzt einen Plan für den Neustart der Wirtschaft, aber die Gesundheit gebe den Takt vor.

14:08 Uhr

Gemäss Guido Graf sind in den Luzerner Spitälern aktuell 62 COVID-19-Patienten hospitalisiert. Davon lägen 6 Personen auf der Intensivstation und würden beatmet. Aktuell stehe jedem COVID-19-Patient, der beatmet werden muss, eine separate Beatmungsmaschine zur Verfügung. Dennoch habe es bisher 9 Todesopfer gegeben. Deshalb: «Gerade vor Ostern ist es matchentscheidend, dass sich weiterhin alle an die Hygiene- und Abstandsregeln halten.» Graf spricht dem im Kampf gegen das Virus stehenden Gesundheitspersonal ein «grosses Dankeschön» aus.

14:05 Uhr

Den Anfang macht Gesundheitsdirektor Guido Graf. Man wolle im Kanton Luzern so viele Menschenleben wie möglich retten. Deshalb sei es unbedingt notwendig, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Heute vor drei Wochen sei er mässig zufrieden gewesen mit der Umsetzung der Vorsichtsmassnahmen, so Graf. Jetzt sehe es besser aus.

13:58 Uhr

Es geht los. Regierungspräsident Paul Winiker begrüsst die Zuschauerinnen und Zuschauer. «Danke», so Winiker, «dass Sie alle Ihren Beitrag zum Ganzen leisten.» Es brauche Geduld und Besonnenheit und ein konsequentes Durchsetzen der Verhaltensregeln. Die Lage habe sich noch nicht entspannt. «Wer sich noch immer nicht an Regeln halten mag, handelt unverantwortlich und fahrlässig.» Man übe hier nicht den Ernstfall, «wir haben den Ernstfall.»

13:47 Uhr

Die fünf Mitglieder des Regierungsrates werden je einen Überblick über die Lage und den Stand der Massnahmen im Zuständigkeitsbereich ihres Departementes geben.

13:35 Uhr

Willkommen im Liveticker über die aktuellen Entwicklungen bei der Bewältigung der Coronakrise im Kanton Luzern. 

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