Tandems gesucht: Ein Helfer pro Corona-Risikoperson 

Die Stadt Luzern und das Netzwerk Vicino warnen vor zu vielen Kontakten bei der Nachbarschaftshilfe. Es soll ein Tandem-System gelten.

Sandra Monika Ziegler
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Als der städtische Sicherheitsmanager Maurice Illi durch Einträge im Facebook sah, dass es Gruppen gab, die abwechselnd gleich mehreren Risikopersonen helfen, wurde es ihm mulmig.

«Wenn mehrere Personen abwechselnd mehreren anderen helfen und dabei die Hygieneweisungen des Bundesamtes für Gesundheit nicht strikte einhalten, dann kann die Hilfsbrücke rasend schnell zur Übertragungskette werden.» Zeichnerisch setzte er dann die Idee vom Tandem um: Ein Freiwilliger hilft immer der gleichen Person.

Zeichnungswettbewerb lanciert

Die Zeichnung machte die Runde und landete auch bei Fabrizio Laneve, Präsident des Quartiervereins Reussbühl. Er nahm die Idee auf und lancierte auf der Quartierhomepage einen Wettbewerb. Wer zeichnet noch die besseren Figuren? Mit dieser Frage zielte er ins Schwarze. Es entstand eine Auswahl an witzigen Figuren, die das Tandem-Prinzip illustrierten. Fabrizio Laneve ist von der Bereitschaft der Quartierbewohner begeistert.

«Das ganze Quartier hilft. Und immer mehr Menschen nehmen das Angebot auch an. Die Rückmeldungen sind überwältigend. Man ist füreinander da.»

Der Quartierverein hatte vor gut zwei Wochen den Flyer für das Hilfsangebot an alle Haushalte mit der Postleitzahl 6015 verteilen lassen.

Plakate im Quartier, Beiträge auf Social Media

Das war aber nicht die einzige Aktion, die in kürzester Zeit ergriffen wurde. «Wir haben zudem Plakate in den Quartieren aufgehängt und sind auf Social Media und auf unserer Homepage aktiv», erklärt Laneve weiter. Die Resonanz war grossartig. Aktuell hätten sie 57 Helfende und 34 Hilfesuchende. Er freut sich:

«Wir konnten also bereits 34 Tandems bilden.»

Ebenfalls positive Erfahrungen macht Christian Vogt. Er ist bei der Katholischen Kirche Leiter der Fachgruppe Sozialer Zusammenarbeit. An vier Standorten bietet sie mit Vicino und Zeitgut Nachbarschaftshilfe an, aktuell auch zum Einkäufe erledigen. Laut Vogt ist das Durchschnittsalter der Helfenden um die 30 Jahre. Bei den Hilfesuchenden liege es zwischen 65 bis 95 Jahren.

Auf neue Freiwillige angewiesen

Das Vicino-Angebot wird in der Stadt an vier Standorten angeboten und werde meist telefonisch genutzt, einige wenige hätten per Mail angefragt. «Wir haben nur telefonischen Kontakt und vermitteln an Freiwillige. Wenn mit Freiwilligen nicht geholfen werden kann, vermitteln wir an entsprechende Stellen.»

Es gehe aber nicht nur um das Einkaufen, so Vogt weiter: «Immer mehr Menschen melden sich auch, weil sie ihrer Sorge Ausdruck geben wollen.» Das Vertrauen, das ihnen die Hilfesuchenden entgegenbringen und die unkomplizierte Art wie Vicino und Zeitgut helfen, beeindruckt Vogt. «Wir sind immer wieder auf neue Freiwillige angewiesen. Unsere Leistungen passen wir fortwährend dem sich verändernden Bedarf an.»

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