Coronavirus
Warten auf Regierungsentscheid führt in Luzerner Skigebieten zu Stornierungen

Bis am 7. Februar dürfen Skigebiete im Kanton Luzern nur von Donnerstag bis Sonntag öffnen. Wie es danach weiter geht, ist noch offen. Der Entscheid soll am Dienstag fallen.

Roseline Troxler
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Lange mussten die Luzerner Skigebiete Anfang Monat auf die Öffnung warten. Am 8. Januar war es so weit. Doch bis am 7. Februar dürfen die Bergbahnen nur von Donnerstag bis Sonntag in Betrieb sein.

Die Pisten in Sörenberg sind seit dem 8. Januar 2021 wieder geöffnet – allerdings nur von Donnerstag bis Sonntag.

Die Pisten in Sörenberg sind seit dem 8. Januar 2021 wieder geöffnet – allerdings nur von Donnerstag bis Sonntag.

Bild: Manuela Jans-Koch (8. Januar 2021)

Wie es danach weitergeht, ist nach wie vor unklar. Obwohl die Luzerner Regierung in ihrer Mitteilung vom 6. Januar einen Entscheid in der Kalenderwoche 3 in Aussicht gestellt hatte – das war letzte Woche – warten die Skigebiete noch immer auf Informationen. Wie Regierungsrat Guido Graf (CVP) am Freitag in einer Mitteilung an die Skigebiete schrieb, soll der Entscheid an der Regierungsratssitzung vom nächsten Dienstag fallen. Das Gesundheits- und Sozialdepartement (GSD) führt auf Anfrage aus: «Sobald der Regierungsrat über das weitere Vorgehen entschieden hat, wird zeitnah informiert. Dies wird voraussichtlich bis Mitte nächster Woche der Fall sein.» Die kantonalen Behörden seien in den letzten Wochen in ständigem Austausch mit den Luzerner Skigebieten gestanden.

«Die Gäste haben keine Geduld mehr»

Bei Carolina Rüegg, Direktorin von Sörenberg Tourismus, ist der Geduldsfaden allmählich gerissen. «Die ganze Zentralschweiz fährt durchgehend Ski, nur wir nicht.» Laut der Tourismusdirektorin haben sich in den letzten Tagen Absagen gemehrt. «Seit Tagen vertrösten wir die Gäste. Doch diese haben inzwischen keine Geduld mehr und stornieren ihre Buchung in den Hotels und Ferienwohnungen für die nächste oder übernächste Woche.» Der Februar sei der umsatzstärkste Monat im Winter. Nächste Woche beginnen die Sportferien im Kanton Aargau, eine Woche später in Luzern.

«Wir fühlen uns von der Luzerner Regierung vergessen.»

Carolina Rüegg glaubt, dass die Betriebe in Sörenberg und Flühli überleben können, wenn ab dem 7. Februar wieder Vollbetrieb möglich ist. «Gibt es weiterhin ein Hin und Her, betrachte ich die Situation als düster.»

Benno Schöpfer vom Alphotel Schwand mit 30 Betten bestätigt, dass viele Gäste absagen, da unklar sei, wie es mit dem Skibetrieb ab dem 8. Februar weitergehe. «Ich vertröste täglich vier bis fünf Gäste.» Die Ungewissheit sei schwierig, so der Alphotel-Betreiber. «Wir möchten die Gäste schliesslich korrekt informieren.» Die nächsten Wochen seien entscheidend, weil die Schulen in Aargau, Luzern und Basel Ferien haben. «Das sind unsere wichtigsten Gästegruppen.»

Bisher kam kein Skifahrer von Sörenberg ins Luzerner Kantonsspital

Auch René Koller, Direktor der Bergbahnen Sörenberg, bestätigt zig Anrufe, die er von verunsicherten Betrieben und Kunden erhalten hat.

«Dass die Regierung den Entscheid hinausschiebt, trifft uns nun doppelt, da viele Gäste abspringen.»

In der Kalenderwoche 3 seien die Bergbahnen Sörenberg vertröstet worden. Letztes Wochenende hat das Unternehmen beim Kanton einen Antrag gestellt, ab sofort die ganze Woche öffnen zu dürfen. «Dazu haben wir bisher keine Rückmeldung erhalten.» Immerhin ist René Koller nun erleichtert, weil klar ist, wann ein Entscheid fallen soll. «Wenn der Zeitpunkt auch sehr spät ist.» Die Insellösung für Sörenberg ist für ihn indes immer noch unverständlich. Koller erzählt:

«Seit der Öffnung am 8. Januar wurde kein einziger Skifahrer von uns ins Luzerner Kantonsspital eingeliefert.»

Er führt dies auf die gute Gesundheitsversorgung in Flühli, die derzeit idealen Schneeverhältnisse und die Rücksicht der Skifahrer zurück. Ausserdem betont der Direktor der Bergbahnen, dass sein Unternehmen dem Kanton wöchentlich einen Rapport zustelle, in welchem Verbesserungsmassnahmen bei der Sicherheit aufgezeigt würden.

Die Schneeverhältnisse sind in Sörenberg derzeit sehr gut.

Die Schneeverhältnisse sind in Sörenberg derzeit sehr gut.

Bild: Manuela Jans-Koch (8. Januar 2021)

Im Kantonsrat hat Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf jüngst die beschränkte Öffnung der Skigebiete, die vor allem das Entlebuch betrifft, unter anderem mit den hohen Fallzahlen in der Region begründet. In der Tat weist Lustat Statistik Luzern für die letzten 14 Tage 405 bestätigte Fälle auf 100'000 Einwohner im Entlebuch aus. Am wenigsten sind es derzeit im Wahlkreis Luzern-Land mit 273 Fällen. René Koller sagt dazu: «Wir haben die Zahlen analysiert und festgestellt, dass sie hauptsächlich auf drei Alters- und Pflegeheime zurückzuführen sind.» Beim GSD heisst es zur aktuellen Lage: «Die Situation in den Spitälern ist weiterhin angespannt. Es ist seit einigen Tagen nicht mehr möglich, alle zertifizierten Betten der Intensivpflege-Station zu betreiben. Die Kliniken verzeichnen Personalausfälle.» Die Befürchtung, dass der grosse Arbeitsdruck früher oder später zu Personalausfällen führen wird, habe sich bewahrheitet. Die angespannte Lage verdeutlichte Guido Graf jüngst in einem Video.

Marbachegg ist auf Tagestouristen ausgerichtet

Etwas gelassener als die Sörenberger Kollegen sieht Martin Knüsel, Präsident und Geschäftsführer der Sportbahnen Marbachegg, die aktuelle Situation. «Wir sind auf Tagestouristen ausgerichtet. Die Planung ist viel kurzfristiger. Wir sind es uns gewohnt, vom Betrieb her schnell auf Ungewissheiten zu reagieren.» Bei der Aussprache mit der Regierung Anfang Januar habe der Kanton angedeutet, dass der Betrieb in den Sportferien durchgängig möglich sein soll.

«Das hoffen wir sehr. Da sich auch die Zahlen in eine positive Richtung entwickeln, bin ich zuversichtlich.»

Einen Strich durch die Rechnung könnte den Skigebieten hingegen die Virusmutation machen.