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Coworking kommt auf der Luzerner Landschaft an

In wenigen Tagen eröffnet in Hochdorf ein neuer Coworking Space seine Türen. Er ist mit 1000 Quadratmetern der grösste im Kanton Luzern. Weitere Projekte auf der Landschaft sind in der Pipeline.
Roseline Troxler
Zsuzsa Cserhati und Thomas Bucher eröffnen im Juni an der Bellevuestrasse in Hochdorf den Coworking Space 6280.ch. (Bild: Boris Bürgisser, 14. Mai 2019)

Zsuzsa Cserhati und Thomas Bucher eröffnen im Juni an der Bellevuestrasse in Hochdorf den Coworking Space 6280.ch. (Bild: Boris Bürgisser, 14. Mai 2019)

Wer Coworking hört, denkt wohl zuerst an Städte, junge Start-ups und hippe Freiberufler im urbanen Raum. Doch dem muss nicht so sein. Wie ein Blick in den Kanton Luzern und die übrigen Zentralschweizer Kantone zeigt, tut sich auch auf der Landschaft einiges. Coworking steht für eine Zusammenarbeitsform, bei welcher Kleinunternehmen, Kreative oder Start-ups einen Platz in einem Büro mieten. Im Vordergrund stehen dabei Flexibilität und der Austausch mit Personen verschiedener Branchen.

Dass Coworking auch in der Peripherie angekommen ist, verdeutlicht, nebst rund einem Dutzend bestehender solcher Angebote, die Eröffnung eines neuen Büros in Hochdorf. Anfang Juni nimmt 6280.ch seinen Betrieb an der Bellevuestrasse auf. Dabei dürfte es sich um den grössten Coworking Space der Zentralschweiz handeln. Auf 1000 Quadratmetern entstehen rund 50 flexible Arbeitsplätze.

Bereicherung für die ländliche Region

Thomas Bucher, Initiant und Inhaber von 6280.ch, sagt: «Im Seetal als naturnahes Wohntal soll ein Angebot an flexiblen Arbeitsplätzen entstehen, welche Pendlern Richtung Zürich, Luzern, Zug und Bern neu die Möglichkeit bieten, tageweise oder mehr nahe am Wohnort arbeiten zu können.» Nebst reduziertem Pendlerverkehr bereichere dies die ländlichen Regionen, indem auch mehr Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten vor Ort genutzt werden könnten. Ein wichtiger Punkt sind für Bucher auch die Netzwerkeffekte beim Coworking durch den Austausch von Berufstätigen unterschiedlicher Branchen. «Das Community und Event Management soll nicht zu kurz kommen.» Ein Tag im Coworking Space in Hochdorf kostet ab 25 Franken, ein 10er-Abo 225 Franken.

Obwohl es in Hochdorf mit der Alten Cherzi bereits ein Coworking Space gibt, sieht Bucher die Nachfrage nach weiteren Plätzen. «Coworking gibt es in der ganzen Schweiz in den verschiedensten Ausführungen und Konzepten. Damit soll den vielfältigen Ansprüchen und Bedürfnissen der digitalen Nomaden oder der Home Office-Kundschaft entsprochen werden.»

Zunehmend auch von Firmen genutzt

Bereits etabliert ist die Kreativfabrik 62 GmbH in Oberkirch, die vor vier Jahren gestartet hat. «Wir sind sehr zufrieden mit der Auslastung», sagt Co-Gründer Andreas Troxler, verweist aber darauf, dass die Aufbauarbeit Zeit brauchte. «Zunehmend entdecken auch Firmen Coworking Spaces und wollen diese ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen.» Laut Troxler nutzen das Coworking in Oberkirch Personen von jung bis alt und aus ganz unterschiedlichen Branchen. Andreas Troxler führt aus:

«Jungunternehmen schätzen die tiefen Startkosten und den direkten Netzwerkanschluss, über 60-Jährige wollen am Puls der Zeit bleiben.»

Die beiden Gründer haben das Coworking Konzept im Auftrag der LUKB auf den ehemaligen LZ-Corner in der Stadt Luzern adaptiert. Troxler sieht Unterschiede zwischen Stadt und Land. «Auf der Landschaft haben wir weniger spontane Coworker, sondern mehr Fixmieter und Arbeitnehmer, welche froh sind, wenn sie einen Tag aufs Pendeln verzichten können.» Auch die Distanz zum Wohnort sei in Oberkirch grösser als in der Stadt. Das Einzugsgebiet ist jenes um den Sempachersee und die Nutzer kommen eher mit dem Auto.

Das neue Coworking Space in Hochdorf sieht Andreas Troxler nicht als Konkurrenz – im Gegenteil. «Wir pflegen eine offene Haltung und haben uns mit den Initianten in Hochdorf ausgetauscht. Als Vorreiter in der Zentralschweiz werden wir oft kontaktiert.» Manuel Lichtsteiner, der zweite Gründer, berät in seiner Funktion bei Village Office, einem Verein zur Förderung von Coworking in der Schweiz, auch ländliche Gemeinden.

Auf der Landschaft könnte sich in den nächsten Jahren hinsichtlich Coworking noch einiges tun. In der Evaluationsphase befindet sich auch ein Projekt in Wolhusen und in Buttisholz, wie Troxler weiss. Und er erklärt: «Auch Gemeinden erkennen langsam den Nutzen von Coworking Spaces unter anderem zur Belebung des Dorfzentrums und Entlastung der Pendlerströme.»

Frage nach Auswirkung auf die Pendlerströme

An einen Boom von Coworking auf der Landschaft glaubt auch Timo Ohnmacht, Verkehrsexperte und Soziologe. Er arbeitet als Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Mit einem Team untersucht er die Auswirkungen von Coworking Spaces auf die lokale Ökonomie. Eine Frage ist auch, ob sich dadurch Pendlerströme in den Städten reduzieren lassen. Das Projekt geht weiter der Frage nach, wie sich die Nutzer in der Stadt von jenen auf der Landschaft unterscheiden. Vorläufige Ergebnisse würden zeigen, dass die Fluktuation der Nutzer im städtischen Raum stärker sei als im ländlichen.

Zur Zentralschweiz sagt Timo Ohnmacht:

«Coworking Spaces sind nicht mehr aus dem öffentlichen Raum wegzudenken. Die Standorte verdeutlichen, dass sie nicht nur in den Zentren zu finden sind.»

Laut Ohnmacht wird Coworking teils auch von der öffentlichen Hand unterstützt. «Ein Beispiel, wo die Förderung indirekt stattfindet, ist die Zwischennutzung NF49 am Seetalplatz.» Bis die Kantonsgebäude entstehen, stellt der Kanton das Areal zur Verfügung – auch für Coworking.

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