CSS-Gewerbegebäude in Luzern darf laut Kantonsgericht abgerissen werden – gehen die Fachverbände vor Bundesgericht?

Die Abbruchbewilligung für das Gewerbegebäude an der Tribschenstrasse sei rechtmässig, entscheidet das Luzerner Kantonsgericht. Noch ist unklar, ob der Streit ums Bauhaus-Gebäude ein Fall fürs Bundesgericht wird.

Simon Mathis
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Geht es nach dem Luzerner Kantonsgericht, darf das Gewerbegebäude an der Stadtluzerner Tribschenstrasse 51 abgebrochen werden. Anfang Juli hat das Gericht eine Beschwerde des Innerschweizer Heimatschutzes (IHS) und Schweizer Heimatschutzes (SHS) abgewiesen. Das Gericht kommt zum Schluss, dass die strittige Abbruchbewilligung rechtmässig sei.

Das Gewerbegebäude an der Tribschenstrasse 51.

Das Gewerbegebäude an der Tribschenstrasse 51.

Bild: Roger Grütter (Luzern, März 2017)

Eigentümerin des Gebäudes ist die CSS. Die Versicherung will an der Tribschenstrasse ihren Hauptsitz ausbauen – dafür soll das Gewerbegebäude weichen, das die Fachverbände als «wichtigen Pionierbau der frühen Moderne in der Zentralschweiz» erhalten wollen. Das Gebäude, das 1933 vom Luzerner Carl Mossdorf gestaltet wurde, ist ein Vertreter der Bauhaus-Architektur. Experten schätzen den baukulturellen Wert des Gebäudes als sehr hoch ein. Das schlichte Äussere des Betonbauwerkes spaltet allerdings die Gemüter der Stadtluzerner, wie in der Leserbriefspalte unserer Zeitung regelmässig zu lesen ist.

«Dem Gericht ist bewusst, dass es sich beim Gewerbegebäude an der Tribschenstrasse 51 um ein bedeutendes Bauwerk der Moderne handelt», heisst es im Urteil. Eine unhaltbare Missachtung des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder (Isos) liege jedoch nicht vor. Das Kantonsgericht betont:

«Es trifft nicht zu, dass sich die Behörden mit der Schutzwürdigkeit des Gewerbegebäudes nicht befasst hätten.»

In Anbetracht der «spezifischen Umstände» sei «zumindest vertretbar, wenn das öffentliche wirtschaftliche Interesse hier höher gewichtet worden ist als das Schutzinteresse für das Gewerbegebäude».

Gericht anerkennt denkmalpflegerische Qualitäten

Das Gericht nennt weitere drei Gründe, die gegen eine Aufhebung der Abbruchbewilligung sprächen: Die Grundsätze der Planbeständigkeit, die Rechtssicherheit sowie die Tatsache, dass das Gewerbegebäude durch die kantonale Fachbehörde nicht unter Schutz gestellt wurde. Das Kantonsgericht hält aber auch fest, dass «eine andere Wertung der denkmalpflegerischen Anliegen und der gegenläufigen Interessen vertretbar gewesen wäre». Das Gericht anerkennt auch, dass «die denkmalpflegerischen Qualitäten des Gewerbegebäudes durch die zahlreichen Fachmeinungen grundsätzlich erwiesen sind».

Das von Carl Mossdorf erbaute Gewerbegebäude im Originalzustand 1933.

Das von Carl Mossdorf erbaute Gewerbegebäude im Originalzustand 1933.

Bild: PD

Noch ist offen, ob der Fall weitergezogen wird

Die CSS selbst sagt zum Urteil wenig. «Wir nehmen die Entscheidung des Kantonsgerichts erfreut zur Kenntnis», schreibt CSS-Sprecherin Christina Wettstein auf Anfrage. Derweil richten sich die Augen auf die Beschwerdeführer IHS und SHS. Ihnen steht nämlich der Gang ans Bundesgericht offen. Ob sie diesen beschreiten, ist noch unklar. «Der IHS ist aktuell daran, den Weiterzug abzuklären und behält sich diesen vor», schreibt IHS-Präsident Rainer Heublein auf Anfrage. «Eine Unterschutzstellung darf nicht von ökonomischen Interessen abhängig gemacht werden. Das ist geltendes Bundesrecht.» Dieses wolle man hier mit dem schwammigen Begriff des «öffentlichen Interesses» aushebeln.

Laut Heublein habe man zudem den Beweis erbracht, dass auch bei Erhalt des Gewerbegebäudes die Zahl der Arbeitsplätze gesichert sei. Aus Sicht des IHS seien Kanton und Gemeinde in der Pflicht, Objekte im Isos entsprechend zu schützen. «Seit 1999 wäre dafür Zeit gewesen und die Fachverbände haben laufend auf diesen Umstand hingewiesen.»

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