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CVP: Christian Ineichen: «Ich möchte, dass wir pointierter auftreten»

Der designierte CVP-Präsident Christian Ineichen (39) wünscht sich von seiner Partei mehr Profil. Gleichzeitig glaubt der Marbacher, dass die Zeiten für Parteien wie die SVP schwieriger werden.
Cyril Aregger
Christian Ineichen, designierter Präsident der CVP des Kantons Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 4. April 2017))

Christian Ineichen, designierter Präsident der CVP des Kantons Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 4. April 2017))

Interview: Cyril Aregger

cyril.aregger@luzernerzeitung.ch


Christian Ineichen, am 27. April werden Sie aller Voraussicht nach von den CVP-Delegierten zum neuen Präsidenten gewählt. Bislang profilierten Sie sich als Vertreter des konservativen Flügels. Gelingt Ihnen der Rollenwechsel?

Ja. Ich bin mir dessen bewusst, welche Rolle ich jeweils innehabe. Bisher habe ich in erster Linie als Präsident des Wahlkreises Entlebuch politisiert – und diese Aufgabe wohl auch gut erfüllt. Ich vertrat dabei nicht einfach meine Positionen, sondern diejenigen, die von allen mitgetragen wurden. Das waren Ergebnisse von Gesprächen und Diskussionen. Und so werde ich es auch als Präsident der CVP Kanton Luzern halten.

Dann gibt es den konservativen Christian Ineichen eigentlich gar nicht?

Natürlich habe ich meine eigenen Ansichten. Aber es ist klar, dass ich diese Positionen immer abgleichen muss – auch in meiner neuen Funktion.

Die Findungskommission hat sich früh dagegen entschieden, der Delegiertenversammlung ein Zweierticket vorzuschlagen, auch um Grabenkämpfe zu vermeiden. Hätten Sie sich einer Kampfwahl gestellt?

Angetreten bin ich, um Präsident zu werden. Und die Findungskommission hat sich für einen einzelnen Vorschlag entschieden – sie ist so ihrem Namen gerecht geworden. Und ein Zweierticket wäre wohl tatsächlich nicht so clever gewesen: Nach der Wahl hätte man wohl mehr Zeit in den Versöhnungsprozess investieren müssen als in die eigentliche politische Arbeit.

Sie sitzen nicht im Kantonsrat, das erschwert Ihren Zugang zu aktuellen Geschäften. Ein Handicap?

Ich habe einen sehr guten Draht zu unserem Fraktionschef Ludwig Peyer und unseren Parlamentariern. Die Informationswege sind schnell und kurz. Zudem werde ich auch an den Fraktionssitzungen teilnehmen.

Wie sieht Ihre Karriere­planung aus?

Im Mittelpunkt steht nun die Führung der CVP. Die Wahlen und deren Organisation werden schon sehr bald ein Thema, wir sind in der Mitte der Legislatur. Die eigene Karriereplanung hat derzeit gar keine Priorität. Zuerst will ich den Kontakt zu möglichst vielen Parteivertretern auf allen Ebenen suchen, denn mir ist klar: Es gibt Leute, die mit Vorbehalt reagieren, wenn ich zum Präsidenten gewählt werde.

Sie arbeiten zu 100 Prozent als Vizedirektor der Biosphäre Entlebuch. Wie wollen Sie daneben noch Parteipräsident sein – eine Aufgabe, die ungefähr einem 40-Prozent-Pensum entspricht?

Das Amt als Präsident der CVP Wahlkreis Entlebuch werde ich abgeben, dazu auch Präsidien in anderen Verbänden. Da ich schon jetzt als Vizepräsident in der Parteileitung bin, dürfte sich der Mehraufwand so in Grenzen halten. Aber eine Pensenreduktion bei der Biosphäre ist im Gespräch.

Der Wähleranteil der CVP hat sich stabilisiert. Wo wollen Sie mit der Partei hin?

Ich will, dass die CVP wächst. Eine Partei, die nicht wachsen will, hat sich aufgegeben. Für genauere Ziele müssen wir erst die Lage analysieren. Wir haben sicher Potenzial. Und ich glaube, dass das Pendel, das lange Zeit nach rechts ausgeschwungen hat, langsam zurückschwingt. Die Leute haben genug von Worthülsen und der mantraartigen Wiederholung von Problemen, die eigentlich untergeordnete Priorität hätten.

Um Wahlen zu gewinnen, braucht eine Partei auch ein Profil. Da haben es die Mitteparteien schwer. Soll die CVP unter Ihnen bissiger werden?

Ich möchte, dass die CVP pointierter auftritt und näher zur Basis geht. In der Vergangenheit wollten wir zu oft niemandem wehtun und haben uns deshalb zurückgenommen. Wir müssen mutiger sein, unsere Positionen mit Sendungsbewusstsein nach aussen tragen.

Also weniger Kompromisse?

Nein. Die CVP muss als Volkspartei in der Mitte Mehrheiten finden. Egal, ob rechts oder links. Hier haben wir eine Scharnierfunktion inne, die wir auch beibehalten wollen.

Pointierter politisieren und gleichzeitig Mehrheiten finden – das ist ein Spagat.

Natürlich ist es einfacher, bloss populistische Parolen rauszuhauen. Aber wir stehen dazu. Wir können für unsere Prinzipien Mehrheiten finden – je nach Geschäft auf der linken oder der rechten Seite. Unser Vorteil ist, dass wir thematisch sehr breit aufgestellt sind. Wir bearbeiten nicht bloss ein Thema wie zum Beispiel Ausländer oder höhere Sozialleistungen, das wir mit allen Geschäften irgendwie verknüpfen müssen.

Sie wollen auch neue Leute in die Partei integrieren, um zu wachsen. Wie soll das gehen?

Wir wollen neue Wählersegmente erschliessen. Besonders am Herzen liegen mir die Jungen. Ich möchte sie für die Politik begeistern, ihnen zeigen, dass es wichtig ist, mehrheitsfähige Lösungen zu finden, und dass dies nicht bedeutet, deshalb keine eigene Meinung zu haben. Und was für ein Potenzial haben wir in der Stadt und der Agglomeration, wo die politische Stimmungslage weniger konservativ ist als auf dem Land? Wir müssen uns hier öffnen für neue Ansichten, ohne dabei unsere Grundwerte zu verraten.

Am 17. April absolvieren Sie den Boston-Marathon. Werden Sie als CVP-Präsident noch Zeit haben für solche Aktionen?

Die Läufe absolviere ich in meinen Ferien, und das Training plane ich in den Tagesablauf ein. Da mein Tag um halb sechs beginnt, werden solche Sequenzen auch als Parteipräsident regelmässig stattfinden. Und: Da ich diese Läufe nicht einer Zielzeit, sondern dem Erlebnis unterordne, gibt es auch bewusste Trainingspausen. Schliesslich bin ich dann ja in den Ferien und nicht auf der Flucht.

Christian Ineichen (39) lebt in Marbach, ist ledig und kinderlos. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaften. Seit 2008 ist er Präsident der CVP Wahlkreis Entlebuch, seit 2016 auch Vizepräsident der Kantonalpartei. Ab 2009 koordinierte er die 2013 abgeschlossene Fusion von Escholzmatt und Marbach. Im Juni 2013 trat der begeisterte Ausdauersportler und Klarinettenspieler seine Stelle als Vizedirektor der Unesco-Biosphäre Entlebuch an.

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