CVP droht aus dem Buchrainer Gemeinderat auszuscheiden

Das Gemeindepräsidium von Buchrain wird per 2020 frei – doch die CVP findet keinen Ersatz für ihre zurücktretende Käthy Ruckli. Für das Amt interessiert sich nun Sozialvorsteher Stephan Betschen (FDP).

Roman Hodel
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Noch ist unklar, wer anstelle von Käthy Ruckli ins Gemeindehaus ziehen könnte. (Bild: hor)

Noch ist unklar, wer anstelle von Käthy Ruckli ins Gemeindehaus ziehen könnte. (Bild: hor)

Die Lage ist gerade etwas düster für die CVP Buchrain-Perlen: Seit Juli sucht die Partei einen Ersatz für ihre 2020 zurücktretende Gemeindepräsidentin Käthy Ruckli. Bislang erfolglos. «Trotz überzeugenden Kandidaturen erhielten wir für diese spannende Aufgabe leider keine Zusage», teilte die CVP am Montag mit. Präsident Walter Graf präzisierte auf Anfrage: «Einerseits war es den infrage kommenden Personen unmöglich, ihr Pensum im Job zu reduzieren – oder sie haben Familie und daher fehlt die Zeit für ein solches Amt.» Das Gemeinderatsamt beträgt in Buchrain 25 Prozent.

Doch damit nicht genug: In der Mitteilung machte die Partei publik, «dass auch das Amt des Sozialvorstehers wieder zur Verfügung stehen könnte». Will heissen: Stephan Betschen (FDP) interessiert sich fürs Präsidium. Also hat man laut Graf zuletzt jemanden für das Amt des Sozialvorstehers statt fürs Präsidium gesucht. Doch auch hier ergab sich nichts. Die Gründe? Erneut die berufliche und/oder familiäre Situation der möglichen Kandidierenden. Er sagt: 

«Ich habe keine grosse Hoffnung, dass wir noch jemanden finden werden.»

Und eine Notfallkandidatur wolle man keinesfalls stemmen. Kein Wunder: Es ist nicht einmal zwei Jahre her, als die Partei mit Betschens Vorgängerin Sandra Gerber kein glückliches Händchen bewies. Die CVPlerin hatte sich mit dem restlichen Gemeinderat überworfen. Und schon damals bekundete die Partei Mühe bei der Nachfolge. Sie präsentierte schliesslich Petra Kieliger, die Betschen bei der Wahl im Juni 2018 aber unterlag. Kieliger habe man diesmal erneut angefragt – und eine Absage erhalten. Damit droht die CVP das erste Mal seit Jahrzehnten nicht im Gemeinderat vertreten zu sein. Graf: «Ja, das ist sehr bitter.»

Bei der FDP würde man ein Ausscheiden der CVP aus dem Gemeinderat bedauern: «Wir hatten gehofft, dass die Partei jemanden bringt, denn ich bin für Vielfalt in der Exekutive», sagt Armin Niederberger, Präsident der FDP Buchrain-Perlen. Aber ebenso gelte für ihn: Bisherige Kandidaten mit einem erfolgreichen Leistungsausweis seien Garant für eine stabile Fortführung der in Gang gebrachten Arbeiten und Projekte. Etwas erstaunt ist Niederberger darüber, dass die CVP in ihrer Medienmitteilung auf einen möglichen Amtswechsel des Sozialvorstehers anspielt. Er sagt es so: «Wenn sich Stephan Betschen für das Amt des Gemeindepräsidenten zur Verfügung stellt, will das zuerst in Gesprächen mit den Ortsparteien konkretisiert sein.»

Stephan Betschen. (Bild: Pius Amrein, Buchrain 10. Juni 2018)

Stephan Betschen. (Bild: Pius Amrein, Buchrain 10. Juni 2018)

Ungeachtet dessen, wer für welches Amt kandidiert, stellt Niederberger aber klar: «Die FDP hat drei bisherige Gemeinderäte, welche sich erneut zur Verfügung stellen – und deren positive Bilanz ist beeindruckend.»

Spannend ist nun: Was tun die anderen Parteien mit Blick auf die Vakanz? Wegen dieser neuen Ausgangslage ist die SP, welche aktuell mit einem Sitz vertreten ist, auf der Suche nach Kandidierenden, wie Präsidentin Klara Vogel sagt: «Ja wir sind dran, denn wir brauchen kompetente Leute für den Gemeinderat, sei es im Präsidium oder im Sozialdepartement.» Auch die SVP wittert die Chance – Karin Hess, verantwortlich für die Kommunikation, schreibt: 

«Da die CVP alle Parteien bis am 14. November hingehalten hat, um endlich zu bestätigen, dass sie nun doch keinen Kandidaten haben, werden wir nun SVP-intern nochmals Gespräche führen und entscheiden, ob wir nun nicht doch schon für die kommende Legislatur eine passende Persönlichkeit für das Gemeindepräsidium stellen werden.»

Und sie fügt an: Die SVP sehe Betschen weiterhin im Sozialen. Die Grünliberalen sind neu in Buchrain vertreten. Sie warten laut der Buchrainer Kantonsrätin Ursula Berset ab, was die anderen Parteien machen: «Wir wünschen uns eine Person, die eine soziale und ökologische Politik der Mitte vertritt.» Einzig die Grünen passen schon jetzt, wie Eva Lerch schreibt: «Aus Mangel an personellen sowie zeitlichen Kapazitäten.»

FDP hat klar den höchsten Wähleranteil

Bei den letzten Kantonsratswahlen im Frühling 2019 wählten 29% Prozent der Buchrainerinnen und Buchrainer die FDP. Damit sind die Liberalen hier mit Abstand die wählerstärkste Partei. Auf dem zweiten und dritten Platz folgten die CVP mit 16,5 Prozent und die SVP mit 16 Prozent. Die SP brachte es auf 15 Prozent, die Grünliberalen erzielten 12 Prozent und die Grünen 8 Prozent. Die restlichen 3,5 Prozent entfielen auf die EVP (2) und BDP sowie PS (1,5). (hor)