CVP und FDP kämpfen um Sitz des Surseer Finanzvorstehers

Bei den Stadtratswahlen nimmt das Gewerbe Region Sursee eine Schlüsselrolle ein. Für die Grünen kommt eine Kandidatur derweil zu früh.

Ernesto Piazza
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Das Rathaus in Sursee.

Das Rathaus in Sursee. 

Pius Amrein (3. Dezember 2019)

Mit der Nomination ihrer Stadtratskandidaten hat die CVP in Sursee dem Wahlkarussell nochmals Schub verliehen – und vor allem die FDP herausgefordert. Denn mit Sabine Beck (Präsidium), Romeo Venetz (Bau) und Bruno Odermatt (Finanzen) schickt die Partei drei Kandidaten ins Rennen. Und aspiriert damit auf ein zusätzliches Mandat. Momentan setzt sich die Surseer Exekutive aus je zwei CVP- und FDP-Vertretern sowie einer SP-Frau zusammen.

Mit Venetz greift die CVP nach dem FDP-Sitz von Bruno Bucher. «Diese Konstellation hat den Druck von aussen auf uns in den vergangenen Tagen erhöht», bestätigt Ortsparteipräsident Hans Bachmann. Vor allem das Gewerbe Region Sursee drängte die Partei aufgrund der neuen Situation, eine Kandidatur zu stellen.

Am Montagabend schliesslich nominierte die FDP Daniel Gloor (62). Er soll den zweiten Parteisitz halten und das Ressort Finanzen übernehmen. Das bedeutet auch: Die Liberalen bereiten sich auf eine Kampfwahl vor. Neben Gloor schickt die FDP Bildungsvorsteherin Heidi Schilliger für eine dritte Legislatur auf den Weg zur Wiederwahl. Bereits letzte Woche hatte die SP bekannt gegeben, dass sie weiterhin auf Jolanda Achermann Sen als Sozialvorsteherin setzt.

Legitimation, um über gemeinsame Listen zu reden

Dass die CVP Sabine Beck als Stadtpräsidentin portiert, ist für Bachmann «die richtige Wahl». Mehr noch: Er hätte es gerne gesehen, wenn sie für die FDP ins Rennen gestiegen wäre. «Wir waren mit ihr ebenfalls im Gespräch.» Denn Beck stammt aus einem liberalen Haus, ihr Mann ist allerdings ein langjähriges CVP-Mitglied. In der internen Ausmarchung setzte sie sich gegen Christian Bertschi klar durch. «Andernfalls hätten wir uns überlegt, für den Stapi eine Kandidatur zu prüfen», erklärt Hans Bachmann.

An der Nomination am Montagabend holte die FDP-Geschäftsleitung bei ihren Mitgliedern auch grossmehrheitlich die Legitimation, unter Umständen mit andern Parteien Verhandlungen über gemeinsame Listen aufzunehmen. «Darauf könnten die Namen Beck, Venetz, Schilliger und Gloor stehen», mutmasst Bachmann. Das würde aber bedingen, dass sich der von der CVP nominierte Odermatt zurückziehen würde.

Der Wunsch der Parteiführung, solche eventuelle Gespräche führen zu dürfen, wurde kontrovers diskutiert. Ein Votant machte beispielsweise den Vorschlag, eine überparteiliche Verständigungsliste zu machen. Der jetzige Stadtrat Bruno Bucher riet davon ab, diesbezügliche Gespräche mit der CVP aufzunehmen. Er erklärte:

«Wir haben mit Dani Gloor einen so guten Kandidaten. Wir brauchen keine gemeinsame Liste.»

Und er verwies darauf, dass das Gewerbe Region Sursee allenfalls hier noch aktiv würde.

Deren Vereinspräsident Patrik Bräuchi sagte: Sie seien dabei, die Strategie zu definieren. Dazu gehöre auch eine sogenannte gemeinsame Liste – mit Daniel Gloor. Gegenüber einem Finanzvorsteher Bruno Odermatt bestehen also Vorbehalte. So sagte Gloor bei seiner Vorstellung: «Ich bin ein Liberaler zu 100 Prozent.» Hiermit spielte er wohl darauf an, dass Odermatt bei der FDP ebenfalls wegen eines Gesprächs zur Stadtratskandidatur angefragt haben soll.

Grüne Bewegung wurde «sehr schnell sehr gross»

Die Grünen hingegen konnten an der gestrigen Nomination keine Kandidatur für den Stadtrat präsentieren. «Wir haben zahlreiche kompetente Personen angefragt. Doch es lag am Faktor fehlende Ressourcen», sagt deren Ortsparteipräsident Samuel Zbinden. Ein zeitliches Engagement von offiziell 60 Prozent für so ein Amt sei herausfordernd.

Damit gelingt es den Grünen nicht, den nationalen Schwung zu nützen. Auch bei den Wahlen ins Kantonsparlament ist die Stadt «grüner» und «linker» geworden. Doch Zbinden relativiert: «Unsere Bewegung ist sehr schnell sehr gross geworden. Die Zeit für eine erfolgversprechende Kandidatur war aber noch nicht reif. Wir mussten in der jüngeren Vergangenheit erst mal Strukturen schaffen. Wir sind jedoch auf gutem Weg.»

Die SVP Sursee konnte für ein Statement zu den Stadtratswahlen nicht erreicht werden.