Cyberkriminalität
Luzerner Hackerin angeklagt – sie hat auch schon Nissan und Intel geknackt

Vor einem Bundesgericht in Seattle (Washington) ist am Donnerstag Anklage gegen eine 21 Jahre alte Luzernerin erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft der Informatikerin vor, sich illegal Zugriff auf Firmennetzwerke verschafft zu haben.

Renzo Ruf aus Washington
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Für «Identitätsklau» und «Verschwörung» ist eine 21-jährige Luzernerin in Washington angeklagt.

Für «Identitätsklau» und «Verschwörung» ist eine 21-jährige Luzernerin in Washington angeklagt.

Keystone

Die Anklageschrift zählt 12 Seiten und trägt das Datum 18. März. Für die 21 Jahre alte T. K. aus Luzern, in der Stadt auch als Jungpolitikerin bekannt, ist das Dokument dicke Post. Denn nun werfen die amerikanischen Ermittlungsbehörden der angeblich «überaus produktiven» Hackerin vor, sich Zugriff auf «Dutzende von Firmen» und Behördenseiten verschafft zu haben und dabei mehrfach amerikanische Gesetze gebrochen zu haben.

Die Vorwürfe drehen sich nicht nur um den vor einigen Tagen bekannt gewordenen Hacker-Angriff auf das Sicherheitsunternehmen Verkada aus dem Silicon Valley (Kalifornien) im Februar 2020, dessen mehr als 149'000 Überwachungskameras in Spitälern, Gefängnissen, Schulen und Polizeiwachen stehen. Die Anklageschrift erwähnt auch eine Attacke auf eine Firma, die Kampfgerät herstelle. Diese soll sich im April 2020 abgespielt haben. K. sei es dabei gelungen, sich gesetzeswidrig Zugriff auf vertrauliche Datenbanken zu verschaffen. Die ergatterten Daten veröffentlichte die Hackerin anschliessend online, um auf mögliche Sicherheitslücken aufmerksam zu machen. Dabei stand K. auch im Kontakt mit Journalisten.

Weitere prominente Opfer von Hacker-Angriffen: Eine Behörde des Bundesstaates Washington, ein Autobauer, ein Chip-Hersteller und eine Firma der Finanzbranche. Insgesamt sind in der Anklageschrift acht Opfer erwähnt, wobei die Ermittlungsbehörden keine Firmennamen nennen. (Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, mit Verweis auf K., dass es sich beim Autobauer um Nissan und beim Chip-Hersteller um Intel gehandelt habe.)

Gemäss der Staatsanwaltschaft in Seattle (Washington), die im Auftrag des Justizministeriums gegen die Hackerin ermittelte, droht K. eine Haftstrafe von rund 25 Jahren. Dass ihr allerdings jemals an der amerikanischen Westküste der Prozess gemacht wird, ist fraglich: Die Schweiz liefert Staatsbürgerinnen und Staatsbürger generell nicht gegen ihren Willen an andere Staaten aus.

Dank an die Luzerner Polizei

In einer Pressemitteilung dankte Staatsanwältin Tessa Gorman, die derzeit als verlängerter Arm der Bundesregierung in Seattle amtiert, dennoch ausdrücklich auch der Luzerner Polizei und weiteren Schweizer Behörden für die Zusammenarbeit. Diese Woche wurde nicht nur die Wohnung der Informatikerin in Luzern durchsucht, sondern auch die Wohnung der Eltern, sagte K. der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dabei wurden am vergangenen Freitag auch eine grosse Menge von Daten sichergestellt, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Auffallend ist allerdings, dass in der Berichterstattung über die Hacker-Attacke auf Verkada häufig die Rede von einem Kollektiv war, das aufzeigte, wie einfach sich Aussenstehende Zugriff auf hochbrisante Daten verschaffen können. Die Anklageschrift richtet sich nun aber allein gegen K. Das Hacker-Kollektiv «Advanced Persistent Threat 69420», dem K. angehören soll, wird nur am Rande und nicht namentlich erwähnt.