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Cyrill Wiget tritt 2020 als
Krienser Stadtpräsident ab

Die laufende Legislatur wird die letzte sein für Cyrill Wiget (Grüne). Der 56-Jährige will sich danach vermehrt seinem Unternehmen widmen. Der Entscheid sei aber nicht aufgrund der aktuellen Diskussion um die Stadtratspensen gefallen.
Stefan Dähler
Cyrill Wiget auf der Wendeltreppe im neuen Krienser Stadthaus. (Bild: Pius Amrein, 11. März 2019)

Cyrill Wiget auf der Wendeltreppe im neuen Krienser Stadthaus. (Bild: Pius Amrein, 11. März 2019)

Eine lange politische Laufbahn geht bald zu Ende. Der Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget (56) kündigte am Dienstag an, dass er nächstes Jahr nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Damit wird seine Zeit in der Krienser Exekutive im September 2020 nach 16 Jahren enden. Zusätzlich mit den acht Jahren als Einwohnerrat von 1996 bis 2004 wird Wiget dann 24 Jahre als Politiker tätig gewesen sein.

Die Ankündigung kommt zu einer Zeit, in der Diskussionen um die Arbeitspensen sowie die Nebenbeschäftigungen der Stadträte in Kriens im vollen Gange sind. Das Thema führte letztes Jahr zu einem Streit innerhalb der Exekutive. Der Stadtrat schlägt nun bekanntlich vor, dass dessen Mitglieder künftig im Vollamt arbeiten sollen (wir berichteten). Ein Lebensentwurf wie jener Wigets wäre mit diesem Modell im Stadtrat nicht mehr möglich. Er bezog früher Tage für die Kinderbetreuung und war stets für sein Velo- und Gastrounternehmen tätig, wie dieses Bild aus dem Jahr 2002 zeigt:

Bild: Archiv Luzerner Zeitung

Bild: Archiv Luzerner Zeitung

Dies sei aber nicht der Grund für seinen Entscheid, der bereits im letzten Herbst gefallen sei, betont Wiget. Er erklärt:

«In den letzten Jahren stand das Engagement für die Stadt im Vordergrund. Ich will nun wieder ganz Unternehmer werden und damit auch Zeit für die Familie und eigene Projekte haben.»

Der Zeitpunkt der Bekanntgabe seines Entscheids hänge aber sehr wohl mit der politischen Diskussion zusammen. Der Einwohnerrat behandelt die Stadtratspensen am 28. März: «Es soll dann nicht um meine Person gehen», sagt Wiget. «Ich will bereits heute klarstellen, dass mich das neue Reglement nicht mehr betreffen würde.» So würden auch keine Spekulationen aufkommen, ob er bei einem Entscheid für das Vollamt seinen Betrieb ganz aufgeben oder allenfalls gar heimlich weiterhin für diesen tätig sein will.

Eigentlich wollte Wiget länger bleiben

Auch wenn Cyrill Wiget der dienstälteste Krienser Stadtrat ist – zum Stadtpräsidenten wurde er erst 2015 gewählt, als erster Grüner im Kanton Luzern überhaupt. Am Ende wird er die Exekutive während fünf Jahren präsidiert haben, was nicht besonders lange ist. Tatsächlich sei es zunächst der Plan gewesen, noch eine Legislatur anzuhängen, sagt Wiget. Doch nun hat er sich anders entschieden. «Ich mache die Arbeit gerne, die Menschen in Kriens liegen mir am Herzen.» Doch die Arbeitspräsenzzeit sei sehr hoch. Da ein Rücktritt während der Legislatur für ihn nicht in Frage komme, wären es nach einer erneuten Wahl am Ende 20 Jahre im Stadtrat geworden. Wiget sagt dazu:

«Ich will nicht als Fossil enden, die
Exekutive braucht altersmässig eine gute Durchmischung.»

Mit seiner frühen Ankündigung hätten die Parteien nun genügend Zeit, sich auf die Wahlen 2020 einzustellen und Kandidaten aufzubauen.

Wigets Abschied sei auch nicht als Folge an der Departementsreform 2016 zu verstehen, mit der ein separates Präsidialdepartement geschaffen wurde. Dadurch musste Wiget das Umwelt- und Verkehrsdossier, das ihm am Herzen lag, abgeben. «Die Reform ist schon richtig, es wären aber aber mehr Ressourcen für die Verwaltung nötig, um die Stadträte operativ zu entlasten.» Wiget denkt dabei an eine Art Strategie-Management, wie es der Luzerner Stadtrat erfolglos einführen wollte (wir berichteten). Doch diese Diskussion werde wohl erst nach seiner Zeit geführt.

Verbleibendes Ziel: Freiräume in Luzern Süd schaffen

In der verbleibenden Zeit als Stadtpräsident stehen andere Projekte im Vordergrund. Wiget nennt das sozialräumliche Konzept für Luzern Süd, wo trotz dichter Bebauung auch Freiräume entstehen sollen, die Erarbeitung eines Masterplans für die Aufwertung der Obernauerstrasse oder die Entwicklung einer guten Dienstleistungskultur im neuen Stadthaus. Dass er durch seine Rücktrittsankündigung an Durchsetzungskraft verliert, glaubt Wiget nicht. «Diese Gefahr besteht, wenn man keine Energie mehr hat.» Er sei aber noch motiviert für die letzten eineinhalb Jahre.

Bilanz über sein politisches Wirken will Wiget noch nicht ziehen. Dafür sei im Sommer 2020 Zeit. Ob er in Zukunft nochmals in einer anderen Form politisch tätig sein will, sei nicht ausgeschlossen. Wiget sagt dazu:

«Ich bin und bleibe ein politischer
Mensch. Auf irgendeine Art will ich weiter Einfluss nehmen.»

Wer ihn als Stadtpräsident ablösen könnte, ist offen. Die anderen Krienser Stadträte äussern sich derzeit noch nicht zu einer möglichen Kandidatur, wie Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) auf Anfrage sagt. Sie und deren Parteien benötigten noch Zeit, um sich zu organisieren und die Strategie für die Stadtratswahlen 2020 vorzubereiten. Dass Cyrill Wiget seine Pläne frühzeitig mitteilt, sei «sehr lobenswert». So bleibe genügend Zeit für ebendiese Vorbereitungsarbeiten.

Zur Person

Cyrill Wiget (56) wuchs im Baselbiet auf. Nach dem Theologiestudium gründete er 1988 in Kriens das Velounternehmen Velociped, später kamen das Café Ambrosia und der Bioladen Nektar dazu. 1996 wurde Wiget für die Grünen in den Einwohnerrat gewählt, 2004 in den damaligen Gemeinderat. 2015 folgte die Wahl zum Gemeindepräsidenten als Nachfolger von Paul Winiker (SVP) nach dessen Wahl in den Regierungsrat. Der dreifache Familienvater ist der erste grüne Politiker, der im Kanton Luzern eine Exekutive präsidiert.

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