DAGMERSELLEN: Asyl: Anlage soll offen bleiben

Ende Jahr soll die Asylnotunterkunft geschlossen werden. Der Pfarreirat will nun, dass die Anlage weitergeführt wird.

Matthias Stadler
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Bleibt die Notunterkunft in Dagmersellen doch länger offen als bisher geplant? Eine Petition des Pfarreirats verlangt dies. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Bleibt die Notunterkunft in Dagmersellen doch länger offen als bisher geplant? Eine Petition des Pfarreirats verlangt dies. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Matthias Stadler

50 Plätze für Asylbewerber bietet die Zivilschutzanlage unter dem Werkhof in Dagmersellen. Sie wird von der Gemeinde seit Anfang Jahr als Notunterkunft betrieben, um dem Kanton bei der Asylproblematik unter die Arme zu greifen. Geplant ist, dass die Unterkunft Ende Jahr wieder geschlossen wird. Mit dem Kanton wurde abgemacht, dass Dagmersellen danach für drei Jahre keine Asylbewerber mehr aufnehmen muss.

Nun will eine Gruppe um den Dagmerseller Pfarreirat die Schliessung der Unterkunft verhindern, wie der «Willis­auer Bote» berichtet. Die Gruppe hat eine Petition gestartet, die fordert, dass der Gemeinderat «die Weiterführung der Notunterkunft ernsthaft» prüfen soll. In der Petition heisst es: «Mit einer Weiterführung der Notunterkunft über die einjährige vertragliche Verpflichtung hinaus kann sich Dagmersellen profilieren als weltoffene, menschliche und verantwortungsbewusste Gemeinde.» Anwohner der Unterkunft gehören zu den Erstunterzeichnern.

«Wir wollen den Vertrag einhalten»

Die Petitionäre wollen sich gegenüber unserer Zeitung nicht zum Vorhaben äussern, man wolle eine Polemik im Dorf vermeiden, heisst es. Dafür äussert sich Gemeindepräsident Philipp Bucher. Er steht dem Anliegen kritisch gegenüber und will die Zivilschutzanlage wie geplant Ende Jahr schliessen: «Für den Gemeinderat ist die Weiterführung momentan kein Thema. Wir wollen den Vertrag, den wir mit dem Kanton haben, einhalten», sagt Bucher. Der Gemeinderat sei diesbezüglich auch gegenüber den Bürgern verpflichtet.

Bucher betont, dass der Betrieb gut laufe, die Asylbewerber würden keine Probleme bereiten. «Natürlich gab es vor der Öffnung der Unterkunft kritische Stimmen, die gibt es auch jetzt noch. Aber wir schauen, dass die Asylbewerber für gemeinnützige Arbeiten eingesetzt werden können. Die Erfahrungen sind durchwegs positiv.» Dagmersellen habe nun aber dem Kanton geholfen, jetzt seien andere Gemeinden an der Reihe. Deswegen solle die Zivilschutzanlage wie geplant Ende Jahr geschlossen werden. Gleichzeitig fügt Bucher an: «Wenn es eine Notsituation gibt, kann man immer mit uns sprechen, aber wir wollen es mit den Asylplätzen auch nicht übertreiben.»

Ähnlich ist die Situation in Willisau: Die Stadt betreibt ebenfalls eine Notunterkunft, diese bietet seit Anfang März während eines Jahres Platz für 60 Personen. Das Weiterführen der Anlage ist für den Stadtrat kein Thema, wie Stadtpräsidentin Erna Bieri sagt. Man habe immer von einer befristeten Nutzung gesprochen und in diesem Sinne wolle die Stadt gegenüber der Bevölkerung eine verlässliche Partnerin sein.

Lösungen für 20 Personen pro Tag

Ruedi Fahrni, Leiter des Asylwesens des Kantons Luzern, hat von der Dagmerseller Petition Kenntnis. Diese ändere aber nichts am Vertrag. Gleichzeitig erklärt er: «Sollte uns der Gemeinderat auf Wunsch der Bevölkerung die Anlage für einen verlängerten Betrieb zur Verfügung stellen, würden wir dieses Angebot natürlich sehr gerne annehmen.»

Fahrni betont, dass die Situation um die Asylplätze im Kanton Luzern «sehr prekär» sei. Es müssten täglich Lösungen für bis zu 20 Personen gefunden werden. Momentan sei eine deutliche Zunahme von syrischen und afghanischen Flüchtlingen feststellbar, die Anzahl Flüchtlinge aus Eritrea habe etwas abgenommen.

Weiteres Zentrum in Aussicht

Die Aufnahmepflicht der Gemeinden beginne inzwischen zu greifen, sagt Fahrni. Es seien viele Objekte gemeldet worden. In Meggen sind derweil die ersten Asylbewerber in die vor kurzem geöffnete Notunterkunft eingezogen, in Nebikon ist die seit zwei Wochen geöffnete Anlage mit 50 Personen bereits voll ausgelastet. Weder in diesen beiden Gemeinden noch in Willisau sind dem Kanton zurzeit Bestrebungen bekannt, dass die Notunterkünfte länger als geplant geöffnet sein sollen.

Der Kanton wird gemäss eigenen Angaben nächste Woche ein weiteres Zentrum für Asylplätze kommunizieren.