Dagmersellen

Gemeinde kritisiert unnötigen Bodenverschleiss und legt sich mit McDonald's an

Die Fast-Food-Kette will in Dagmersellen ein Restaurant mit Drive-in eröffnen. Daraus wird vorerst nichts, der Gemeinderat hat das Baugesuch sistiert. Den Behörden ist der Bodenverschleiss ein Dorn im Auge.

Reto Bieri
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McDonald's will in Dagmersellen Fuss fassen. Vergangene Woche hat die Fast-Food-Kette ein Baugesuch eingereicht. Bei der Autobahnausfahrt an der Altishoferstrasse soll ein Restaurant mit Drive-in entstehen. McDonald's mietet das Grundstück von der Perpetum Capital AG, der das Grundstück gehört. McDonald's zahlt den Bau des dreistöckigen Gebäudes selber. Die ersten beiden Etagen sind für das Restaurant vorgesehen.

Doch nun hat die Gemeinde Dagmersellen ihr Veto eingelegt. Sie belegt die zwei betroffenen Grundstücke mit einer Planungszone. Damit ist das Baugesuch sistiert. «Die Gemeinde will mit der Planungszone die Nutzungsplanung sicherstellen», begründet Gemeindepräsident Markus Riedweg (CVP) auf Anfrage. Dagmersellen erarbeitet aktuell die Gesamtrevision der Ortsplanung. «Sie ist weit fortgeschritten und befindet sich momentan beim Kanton in der Vorprüfung», so Riedweg. Darin seien verschiedene neue Vorgaben bezüglich des haushälterischen Umgangs mit Boden enthalten. «Diese wollen wir umgesetzt haben.»

40 Parkplätze: Gemeinde möchte unterirdisches Parkhaus

Die geplante McDonald's-Filiale entspreche diesen Vorgaben nicht. Hauptkritikpunkt der Gemeinde ist, dass die geplanten rund 40 Parkplätze alle oberirdisch zu liegen kommen. In der neuen Ortsplanung hingegen ist vorgesehen, dass die Gemeinde bei Bauten und Überbauungen mit 20 und mehr Parkplätzen verlangen kann, dass diese ganz oder teilweise unterirdisch erstellt werden.

Weiter stört den Gemeinderat, dass das vorgesehene McDonald's-Gebäude lediglich einen Fünftel der Grundstücksfläche einnimmt, die rund 2700 Quadratmeter beträgt. «Im neuen Bau- und Zonenreglement kann der Gemeinderat zur Wahrung der haushälterischen Bodennutzung eine minimale Überbauungsziffer festlegen», erklärt Markus Riedweg weiter. Das bedeutet konkret, dass McDonald's ein grösseres Gebäude bauen müsste – und wohl zusätzliche Mieterinnen und Mieter suchen.

McDonald's wird vom Entscheid überrumpelt

Nach der geltenden Dagmerseller Ortsplanung dürfte McDonald's die Filiale zwar wie geplant bauen. Aber: «So kurz vor der neuen Ortsplanung wollen wir mit den neuen Rechtsgrundlagen arbeiten», sagt Riedweg. Es sei in dieser Phase einer Ortsplanung nicht aussergewöhnlich, dass eine Gemeinde eine Planungszone erlässt. Die neue Bau- und Zonenordnung soll im Frühling öffentlich aufgelegt werden.

Der Entscheid der Gemeinde erwischt McDonald's auf dem falschen Fuss. Guy Mona, Leiter Development bei McDonald's Schweiz, erfährt durch die Recherchen dieser Zeitung von der Planungszone. «Wir werden zunächst die Fakten in Erfahrung bringen und anschliessend alles Weitere analysieren.» Mona äussert sich nicht dazu, ob McDonald's den Entscheid anfechten wird. Da er von der Gemeinde offiziell noch nicht informiert wurde, könne er momentan nichts dazu sagen. «Auf alle Fälle sind wir am Standort in Dagmersellen nach wie vor interessiert.»

Grundgebühr für Grüngutentsorgung und Häckseldienst wird nicht abgeschafft – zumindest vorerst

Am Sonntag haben die Dagmerseller die Teilrevision des Abfallreglements mit rund 53,4 Prozent Nein verworfen. Damit wollte der Gemeinderat die Grüngutentsorgung und den Häckseldienst verursachergerecht finanzieren. Momentan muss jeder Haushalt jährlich eine Grundgebühr von 50 Franken bezahlen. Neu wäre sie auf 20 Franken gesenkt und das Grüngut nach Gewicht sowie das Häckselgut nach Kubikmeter abgerechnet worden. Gemeinderätin Astrid Meier (CVP, Ressort Bau) nennt mögliche Gründe für die Ablehnung: «Es gab Bedenken, dass das Grüngut illegal im Wald entsorgt wird, um die Gebühren zu umgehen, und dass Grünflächen verschwinden und in Steinwüsten umgewandelt werden.» Die Leute seien zudem nicht glücklich darüber, dass die Gebühren für Grüngut teurer sind als für Kehricht. Weil das Umweltschutzgesetz des Bundes die verursachergerechte Abfallentsorgung vorsieht, werde der Gemeinderat einen erneuten Anlauf starten müssen. «Zudem haben die umliegenden Gemeinden es bereits umgesetzt.»