DAGMERSELLEN: Manuela Riedweg gewinnt Gold an der EM der Jungfleischfachleute

Manuela Riedweg (25) kennt alle Feinheiten der Fleischverarbeitung. An der Europameisterschaft gewann sie unter anderem im Team die Goldmedaille. Am Erfolg war auch ihr Grossvater beteiligt.

Manuel Burkhard
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Manuela Riedweg (25) präsentiert ihre Kreationen und den Pokal in der Metzgerei Willimann. (Bild: Philipp Schmidli (Dagmersellen, 12. Mai 2017))

Manuela Riedweg (25) präsentiert ihre Kreationen und den Pokal in der Metzgerei Willimann. (Bild: Philipp Schmidli (Dagmersellen, 12. Mai 2017))

Manuel Burkhard

kanton@luzernerzeitung.ch

Erfolg für zwei junge Frauen: Manuela Riedweg und Tanja Knechtle sicherten sich am Teamwett­bewerb an der jährlich durch­geführten Europameisterschaft der Jungfleischfachleute in Österreich vor kurzem den ersten Platz. Mit ihrem Aufschnitt, der das Dagmerseller Wappen darstellt, holte Manuela Riedweg zudem Bronze, ihr Lammgigot war silberwürdig. Damit platzierte sich die gebürtige Gettnauerin auf dem vierten Schlussrang. Mitstreiterin Tanja Knechtle aus Appenzell erreichte gar den zweiten Platz.

Die berufliche Laufbahn von Manuela Riedweg begann als Köchin. Ihr war aber klar, dass dies nicht ihre ganze Zukunft sein würde. Ihr Schwager schlug ihr deshalb einen Besuch an seinem Arbeitsplatz vor: bei der Metzgerei Willimann in Dagmersellen. Manuela Riedweg ging hin – und blieb. Sie absolvierte eine Zweitlehre als Fleischfachfrau, betont aber: «Ich würde alles wieder so machen. Die Lehre als Koch vermittelte mir Fähigkeiten, die für mich jetzt sehr wertvoll sind.»

Mehr Frauen als Männer im Schwerpunkt Veredelung

Ihre Spezialität ist die Veredelung von Fleischerzeugnissen, die Verarbeitung zu Apéroplatten, Pasteten und pfannenfertigen Fleischgerichten. Ihr Chef Hugo Willimann betont denn auch, dass dies die eigentliche Kernkompetenz der Fleischfachleute sei. Die Fleischgewinnung, also die Schlachtung, sei ein kleiner Teil des Handwerks und werde nur in wenigen Betrieben durchgeführt. Die Ausbildung trägt diesem Umstand Rechnung. Die Lehrlinge wählen eine Spezialisierung: Gewinnung, Verarbeitung oder Veredelung. Und während der Beruf eine Männerdomäne ist – Ende 2016 waren schweizweit 82 Prozent der Lehrlinge Männer –, zeigt sich in den einzelnen Sparten ein anderes Bild. Am BBZ Willisau besuchen 50 angehende Fleischfachleute die Berufsschule. Im Schwerpunkt Veredelung stellen die Frauen mit 12 von 14 Lehrlingen die grosse Mehrheit.

Für die Europameisterschaft hatten sich Riedweg und Knechtle mit ihren Spitzenplätzen an der Schweizer Meisterschaft 2015 qualifiziert. Dass sie dort teilnahm, war für Manuela Riedweg selbst eine Überraschung. Nach ihrem Lehrabschluss war die 25-Jährige zwei Monate auf Reisen. Bei ihrer Rückkehr eröffnete ihr Chef Hugo Willimann, dass sie angemeldet sei. Daraufhin folgten 40 Trainingstage, verteilt auf 18 Monate, im Ausbildungszentrum des Fleischfachverbands in Spiez. Zusätzlich trainierte sie jeweils einen Tag pro Woche in der Metzgerei Willimann. An der EM schliesslich mit dabei waren 30 Fans und ihr wichtigstes Werkzeug: «Scharfe Messer. Mein Grossvater Sepp Schumacher hat sie extra für die EM für mich geschliffen.»

Nun steht für sie ihre berufliche Entwicklung im Zentrum. Bei ihrem Arbeitgeber übernimmt Manuela Riedweg die Leitung der Feinkostabteilung und die Lehrlingsausbildung – sehr zur Freude des Geschäftsführers. Denn wer möchte schon eine frischgekürte Europameisterin ziehen lassen?