DAGMERSELLEN: «Sie gehören nun zum Dorfbild»

Seit kurzem leben 34 Asylsuchende in der Notunterkunft in Dagmersellen. Die Behörden sind bisher zufrieden und haben gar eine Regel gelockert.

Roseline Troxler
Drucken
Teilen
Marco Fellmann (links) spricht mit Tesfit Ghide am Tag der offenen Tür in der Notunterkunft für Asylsuchende in Dagmersellen. (Bild Philipp Schmidli)

Marco Fellmann (links) spricht mit Tesfit Ghide am Tag der offenen Tür in der Notunterkunft für Asylsuchende in Dagmersellen. (Bild Philipp Schmidli)

Roseline Troxler

Tesfit Ghide lebt seit drei Monaten in der Asyl-Notunterkunft in der Zivilschutzanlage Werkhof in Dagmersellen. Der 20-Jährige ist Mitte 2013 von Eritrea aufgebrochen. Er kam per Boot nach Europa in der Hoffnung, hier ein besseres Leben führen zu können. Neben Tesfit Ghide sind 33 weitere Asylsuchende in Dagmersellen untergebracht. Es sind alles junge Männer – vorwiegend aus Eritrea und Somalia.

Die Unterkunft ist sehr einfach eingerichtet. Im Aufenthaltsraum gibt es einen Fernseher und ein Sofa. Ein kleines Zimmer dient für Deutschkurse. An der Wand hängen Plakate mit Bildern und der deutschen Bezeichnung.

Am 5. Januar hat die Asyl-Notunterkunft in Dagmersellen, die bis zu 50 Menschen Platz bietet, den Betrieb aufgenommen. Ruedi Fahrni, Asyl- und Flüchtlingskoordinator des Kantons Luzern, sagt: «Der Kanton Luzern rechnet im Sommer wieder mit einer markanten Zunahme von Asylsuchenden.» Die Notunterkunft ist in Dagmersellen noch bis Ende Jahr geöffnet.

Begegnungen auf Fussballplatz

Susanne Hodel-Schumacher, Sozialvorsteherin von Dagmersellen, sagt zu den ersten drei Monaten: «Der Betrieb läuft problemlos. Die Asylsuchenden gehören nun zu unserem Dorfbild.» Nennenswerte Probleme gebe es bisher nicht. Der Gemeinderat hat gar eine Regel gelockert. Der Schulsportplatz gehörte zunächst zu den sensiblen Zonen, zu denen die Asylsuchenden keinen Zutritt hatten. «Wir haben die Regel angepasst, damit die Asylsuchenden Fussball spielen können», erzählt sie. Dadurch komme es regelmässig zu Begegnungen zwischen Jugendlichen und Asylsuchenden. «Unser Ziel ist es nicht, die Asylsuchenden zu integrieren. Aber wir wollen sie als Menschen wahrnehmen.»

Asylbewerber zeigen die Duschen in der Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)
12 Bilder
Der Waschraum in der Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)
Blick in die Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)
Blick in die Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)
Blick in die Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)
Blick in die Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)
Blick in die Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)
Blick in die Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)
Marco Fellmann (links) spricht mit Tesfit Ghide. (Bild: Philipp Schmidli)
Tesfit Ghide in seinem Schlafraum. (Bild: Philipp Schmidli)
Tesfit Ghide im Waschraum. (Bild: Philipp Schmidli)
Tesfit Ghide beim Work-out. (Bild: Philipp Schmidli)

Asylbewerber zeigen die Duschen in der Asyl-Notunterkunft. (Bild: Philipp Schmidli)

Auch Marcel Zemp, Kommandant der Zivilschutzorganisation Wiggertal, zieht ein positives Fazit: «Aufgrund der guten Erfahrungen wechseln wir ab Mai von einem 24-Stunden-Betrieb auf einen Nachtbetrieb.» Der Zivilschutz ist für die Sicherheit zuständig. Die Caritas Luzern betreut die Asylsuchenden. Laut Urs Odermatt, Leiter Kommunikation, kochen die Asylsuchenden selber, kaufen ein und reinigen ihre Unterkunft. Zudem können sie an Arbeitseinsätzen teilnehmen. «Dazu zählen Waldräumungen, Litteringprogramme, Garten- oder Schreinerarbeiten.» Für gemeinnützige Einsätze erhalten sie zehn Franken.

Unterkunft offen für Bevölkerung

Gestern war die Notunterkunft für die Bevölkerung offen. Zahlreiche Einwohner nutzten die Gelegenheit. Einer Gruppe von Frauen gefällt die Unterkunft grundsätzlich. Eine Frau sagt: «Die Burschen haben es gut hier. Mir aber würde das Licht fehlen, und es gibt zu viele Betten in einem Raum.» Die Dorfbewohnerinnen sagen, sie hätten bisher nichts Negatives über die Asylsuchenden gehört, obwohl es zu Beginn Skepsis gab. «Die Asylbewerber grüssen auf der Strasse. Schade ist, dass sie unsere Sprache nicht verstehen», erzählt eine Einwohnerin. Marco Fellmann, Präsident des Kirchenrats, kennt das eine oder andere Gesicht in der Zivilschutzanlage. Er organisiert regelmässige Treffen mit, wo sich die Asylsuchenden und die Bevölkerung austauschen können. «Bis jetzt hatte ich nur positive Begegnungen mit den Asylsuchenden. Ab und zu treffe ich sie auch im Dorf an oder helfe ihnen am Bahnhof, ein Billett zu lösen.»

Der Eritreer Tesfit Ghide bezeichnet die Bevölkerung von Dagmersellen als sehr freundlich. Mühe bereiten ihm und weiteren Asylbewerbern aber die Unterkunft ohne Tageslicht. «Die Luft ist trocken, und mit so vielen anderen in einem Raum kann ich kaum schlafen.» Dies betont auch Esmael Solahadin (18). Die Luft bereite ihm schlaflose Nächte. Er ist seit sieben Monaten in der Schweiz und mag Dagmersellen. Am liebsten möchte er hier die Schule besuchen.