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Damit Läden nicht mehr nach Weihnachten aussehen: Deko-Personal arbeitet am Stephanstag

Rotstift-Signete statt Christbäume: In vielen Luzerner Läden ist die Weihnachtsdeko seit heute der Schnäppchenjagd gewichen. Dafür wird am Stephanstag extra Personal aufgeboten. Dieses arbeite freiwillig, betont ein Grossverteiler.
Roman Hodel
Eine Migros-Mitarbeiterin entfernt die Weihnachtsdekoration. Symbolbild: Philipp Schmidli

Eine Migros-Mitarbeiterin entfernt die Weihnachtsdekoration. Symbolbild: Philipp Schmidli

Wer am Donnerstag einkaufen geht, ist vor allem eines: nicht allein. Zehntausende stürmen die Läden. Der erste Verkaufstag nach Weihnachten gehört zu den umsatzstärksten des Jahres. Kein Wunder: Viele haben frei, wollen Gutscheine einlösen oder müssen ganz simpel ihren leeren Kühlschrank wieder auffüllen. Der vielleicht wichtigste Grund aber: Heute beginnt die grosse Schnäppchenjagd.

Deshalb sollen die Läden nicht mehr nach Weihnachten aussehen. Ob Christbäume, Weihnachtskugeln oder Leuchtgirlanden – alles muss weg. In nicht wenigen Läden geschieht dies jeweils bereits am Stephanstag – etwa im Warenhaus Globus an der Pilatusstrasse in Luzern. «Aus Sicherheitsgründen, zum Schutz der Kunden und Mitarbeitenden werden die elektrische Infrastruktur sowie grosse sperrige Weihnachtsdeko-Elemente ausserhalb der Öffnungszeiten abgebaut», begründet Globus-Mediensprecherin Marcela Palek.

Der Globus-Haupteingang am 24. Dezember. (Bild: hor)

Der Globus-Haupteingang am 24. Dezember. (Bild: hor)

Auch bei der Migros wurde am Stephanstag umdekoriert. Betroffen sind jeweils die grossen MMM-Läden wie etwa der Länderpark und die Fachmärkte. «Der Abbau der Weihnachtsdekoration findet primär dann statt, damit unsere Kunden am 27. Dezember ungehindert einkaufen können», sagt Claudius Bachmann, Mediensprecher der Genossenschaft Migros Luzern. Teilweise handle es sich um «sperrige Kulissen», die aus dem Laden transportiert werden müssten. Er betont: «Für den Abbau der Deko werden nur Mitarbeitende eingesetzt, die sich freiwillig zur Verfügung stellen.» Unter ihnen sei der Tag eine Art Tradition. «Man trifft sich und führt die Arbeiten gerne gemeinsam aus.»

Bei den kleineren MM- und M-Supermärkten haben die Dekorateure mehr Zeit mit dem Abbau, konkret bis zum 3. Januar. «Es geht nicht darum, die Deko möglichst schnell abzuräumen, sondern das Ganze ist viel mehr eine Frage der internen Kapazitäten», sagt Bachmann.

«Unsere Mitarbeiter sollen die Weihnachtstage mit ihren Angehörigen verbringen können.»

Andreas Camenzind, Direktor Manor Luzern

Doch es gibt auch grosse Läden, die am Stephanstag nicht umdekorieren – dazu gehört beispielsweise Coop City. «Weder am Feiertag noch an den Folgetagen bieten wir in Luzern extra mehr Mitarbeitende auf», sagt Mediensprecherin Britta Bächli. Mit der Umstellung auf ‹Sale› beginne man am ersten Verkaufstag nach Weihnachten. Wobei nicht die Entfernung der Weihnachtsdeko Priorität habe. Es gehe vielmehr um die «Sale»-Kommunikation. Bächli: «Der Kunde möchte eine klare Differenzierung am Verkaufspunkt – wo kann er ein Schnäppchen machen und wo den regulären Einkauf tätigen.»

Auch bei Manor ist der 26. Dezember fürs Umdekorieren kein Thema. «Wir haben bereits im vergangenen Jahr darauf verzichtet, an diesem Tag einen abrupten Wechsel bei der Dekoration durchzuführen», sagt Andreas Camenzind, Direktor Manor Luzern. «Unsere Mitarbeiter haben am 25. und 26. Dezember frei. Sie sollen die Weihnachtstage mit ihren Angehörigen verbringen können.» Durch eine effiziente Organisation sei ein Dekowechsel ohne Feiertagsarbeit möglich.

Manor unterscheidet bei der Umgestaltung laut Camenzind sowieso zwischen den verschiedenen Abteilungen: «In weihnachtsaffinen wie den Spielwaren bleibt die Weihnachtsdeko sogar bis Silvester bestehen.» Dafür werde der Wechsel in der Mode-, Kosmetik- oder auch Einrichtungsabteilung zügiger vorgenommen. So oder so sei der 27. Dezember «ein sehr wichtiger» Verkaufstag. «Die Familien geniessen die weihnächtliche Stimmung in der Innenstadt – und der Sale beginnt.»

Rabattschlacht beginnt schon vor Weihnachten

Wobei: Mittlerweile startet die Schnäppchenjagd ohnehin viel früher. Bestes Beispiel dafür ist der Black Friday Ende November. Und: Gerade in Modegeschäften hängen bereits seit Wochen Rotstift-Plakate neben der Weihnachtsdeko. Das wäre vor 25 Jahren undenkbar gewesen. Bis 1994 mussten Sonderverkäufe amtlich bewilligt werden – diese fanden jeweils im Januar und Februar sowie im Juli und August für maximal je drei Wochen statt.

Laut Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler beeinflusst der abrupte Deko-Wechsel den Umsatz am 27. Dezember ohnehin kaum: Die Kunden kommen auch, wenn alles noch voller Tannenbäume ist, denn sie haben genügend Zeit und dank Geschenken oft auch genügend Geld. Dass die Rabattschlacht mittlerweile schon Wochen vor Weihnachten beginnt, verurteilt Wangler sowieso: «Der Kunde, der regulär Ware kauft, kommt sich veräppelt vor und die Detailhändler schneiden sich beim Ertrag ins eigene Fleisch.»

Sonderverkaufs-Plakate und Christbäume gleichzeitig: In der Modebranche ist das mittlerweile üblich, wie dieses Beispiel zeigt. (Bild: hor)

Sonderverkaufs-Plakate und Christbäume gleichzeitig: In der Modebranche ist das mittlerweile üblich, wie dieses Beispiel zeigt. (Bild: hor)

Immerhin: Wenigstens eine Abteilung darf selbst in den grossen Warenhäusern und Supermärkten ihr festliches Kleid auch heute noch bis an Silvester behalten – die mit den Lebensmitteln. Warum eigentlich? «Das Jahresende und Neujahr werden wie Weihnachten mit Festessen gefeiert», erklärt Globus-Sprecherin Marcela Palek. «Abgesehen davon findet in unserer Delicatessa kein klassischer Ausverkauf statt.»

Die Einkaufszentren haben es sowieso nicht so eilig wie die Läden: In der Mall of Switzerland beginnt der Abbau der Weihnachtsdeko erst nach Neujahr und dauert volle zwei Wochen. «Bei uns hängt die Deko in und an drei Gebäuden und auf vier Etagen verteilt, entsprechend benötigen wir Zeit», sagt Centermanger Jan Wengeler. Zudem werde in den Kundenbereichen nur nachts abgebaut, um die Kunden beim Einkaufen nicht zu stören. Der Pilatusmarkt ist sogar bis am 6. Januar innen und aussen weihnächtlich beleuchtet. «Die Weihnachtszeit dauert bei uns bis Drei Könige», heisst es bei der Centerleitung.

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