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Dampfschiff «Stadt Luzern» taucht drei Jahre ab

Die Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee werden eins nach dem anderen revidiert. Die Auffrischung des Flaggschiffs wird die bisher teuerste Arbeit. Ende Saison wird das Schiff für fast drei Jahre ausgewassert.
Roger Rüegger
Das Dampfschiff «Stadt Luzern» bei der Anfahrt zur Schiffsstation Beckenried.
Robert Horlacher, Ingenieur und Vorstandsmitglied der Dampferfreunde Vierwaldstättersee, zeigt einer Tele-1-Journalistin den Motorraum.
Ein Mitarbeiter deckt die Tische im Queens Salon der «Stadt Luzern».
Das Dampfschiff läuft einwandfrei in Beckenried ein. Dennoch muss die 90-jährige Maschine revidiert werden.
Die Vorstandsmitglieder der Dampferfreunde nach der Medienkonferenz. Von links: Damian Müller (FDP-Ständerat und Präsident der Dampferfreunde), Robert Horlacher, Werner Grossniklaus (Vize-Präsident) in der 1. Klasse des DS «Stadt Luzern».
Auf Wiedersehen: Die «Stadt Luzern» bei der Schiffsstation Beckenried. Im Oktober läuft sie vorläufig zum letzten Mal aus.
6 Bilder

Die alte «Stadt Luzern» aus verschiedenen Blickwinkeln

Vor über 90 Jahren wurde auf dem Dampfschiff «Stadt Luzern» zum ersten Mal das Kommando «Leinen los» erteilt. Das Flaggschiff der Dampferflotte der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) hat am 23. Juni 1928 zu seiner Jungfernfahrt abgelegt. Der Dampfer stellt mit einer Länge von über 65 Metern und dem Gewicht von 415 Tonnen eine eindrückliche Erscheinung dar.

Noch dieses Jahr wird das jüngste Schiff der SGV-Dampferflotte aber für eine Weile aus dem Verkehr gezogen. «Ende Saison kommt die ‹Stadt Luzern› in die Werft und wird während zweieinhalb Jahren für rund 12,5 Millionen Franken generalrevidiert», sagte Damian Müller, Präsident der Dampferfreunde Vierwaldstättersee, an der Medienkonferenz vom Freitagmorgen, die natürlich an Bord der alten Dame im «Queens Salon» durchgeführt wurde. Apropos: als Queen Elizabeth II am 2. Mai 1980 die Schweiz besuchte, wurde die «Stadt Luzern» für die Fahrt von Luzern zum Rütli ausgewählt. Daher der Name des 1.-Klasse-Salons.

«Ein Stück Zentralschweizer Kulturgut erhalten»

Die Dampferfreunde Vierwaldstättersee beteiligen sich an den Kosten der Renovation mit 4 Millionen Franken – die Mehrheit bezahlt die SGV. «Wir haben uns verpflichtet, diese Summe beizusteuern. Das ist ein grosser Kraftakt für einen Verein wie die Dampferfreunde. Aber es ist eine gute Sache, denn wir werden damit ein Stück Zentralschweizer Kulturgut an kommende Generationen weitergeben», betonte Walter Grossniklaus, Vize-Präsident der Dampferfreunde.

Die «Stadt Luzern» wurde nach 26 Jahren Betriebszeit 1954 zum ersten Mal umfassend renoviert. Es folgte eine weitere grosse Erneuerung im Winter 1988/89. Der nächste Eingriff ab dem kommenden Herbst wird der umfassendste. Laut Robert Horlacher, Vorstandsmitglied der Dampferfreunde und Experte der Baukommission, werden zum Beispiel die beiden Original-Kessel durch einen einzelnen neuen ersetzt. «Dadurch versprechen wir uns eine markante Reduktion des Brennstoffverbrauchs», so der Ingenieur.

Denkmalschutz wird ins Projekt mit einbezogen

Die gesamte technische und gastronomische Infrastruktur werde erneuert und verbessert. Ziel ist auch, dass die «Stadt Luzern» unter Denkmalschutz gestellt wird. «Der Denkmalschutz wird von Anfang an in die Renovation mit einbezogen. Er wird auch einen nicht unwesentlichen Beitrag an die Arbeiten leisten», sagt Grossniklaus. Die Summe jedoch sei noch nicht festgelegt.

Die «Stadt Luzern» ist mit einem Fassungsvermögen von 1100 Passagieren das grösste Schiff der Dampferflotte auf dem Vierwaldstättersee. Nach der Auffrischung sollen wieder, wie früher, 1200 Passagiere befördert werden können. Die «Stadt Luzern» unterscheidet sich auch optisch von den anderen Dampfschiffen, da sie nicht wie diese von Escher Wyss oder Sulzer in der Schweiz gebaut wurde, sondern von den Deutschen Gebrüder Sachsenberg. Das sei nicht sehr goutiert worden in einer Zeit, in der die Schweizer Wirtschaft am Boden war, sagte Horlacher.

Modernste Dampfmaschine

«Aber wir bekamen dafür ein Schiff, das mit dem Oberdeck-Salon viel maritimer als die andern Schiffe der SGV aussah. Gerade heute, wo gerne auf den Schiffen gegessen wird, ist das von erheblicher Bedeutung.» Speziell an der «Stadt Luzern» sei auch, dass in den ersten Betriebstagen die Original-Maschine ausgestiegen sei. «Sie funktionierte einfach nicht mehr. Das war nicht nachvollziehbar und äusserst peinlich für die Werft. Diese Maschine wurde dann durch eine Kolbendampfmaschine der Firma Sulzer ersetzt, die als modernste Dampfmaschine weltweit gilt.» So gesehen, sei der Defekt ein Glücksfall gewesen.

Die Dampferfreunde Vierwaldstättersee – der Verein zählt rund 10 000 Mitglieder – lancieren am 23. Juni eine Sammelaktion, um die 4 Millionen Franken beisteuern zu können. Unter dem Motto «Volldampf für die Stadt Luzern» startet eine Sammelfahrt von Luzern aus zu den Ufergemeinden, wo überall Empfänge stattfinden. Die Fahrt beginnt um 8.35 Uhr in Luzern und endet wieder am Ausgangspunkt um 18 Uhr. Bereits ab 14.30 Uhr startet ein grosses Fest auf dem Europaplatz mit Musik, Shows, Interviews und einem Überraschungsgast. «Für die neunstündige Fahrt auf einem 90-jährigen Schiff haben wir uns gedacht, dass der Preis von 90 Franken der einzig richtige ist», sagt Werner Grossniklaus. Die «Stadt Luzern» wird im April 2021 wieder in Betrieb genommen.

Sanierung der Dampfschiffe

Schiff Sanierung (Jahr) Kosten (Fr.)
«Uri» 1992 - 1994 5.5 Mio.
«Schiller» 1997 - 2000 6 Mio.
«Gallia» 2001 - 2004 6 Mio.
«Unterwalden» 2009 - 2011 10 Mio.
«Stadt Luzern» 2018 - 2021 12.5 Mio.

Die Revision des Dampfschiffs «Unterwalden» von 2009 bis 2011 kostete 10 Millionen Franken. Das war die bisher teuerste Instandhaltung auf dem Vierwaldstättersee. Die «Gallia» kostete 6 Millionen Franken, sie wurde von 2001 bis 2004 saniert. Die gleiche Summe verschlang die «Schiller», die von 1997 bis 2000 eine Auffrischung bekam. Die «Uri» war mit 5,5 Millionen Franken das günstigste Schiff. Sie wurde von 1992 bis 1994 überarbeitet.

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