Dank Pinsel und Hochdruckreiniger wird das BaBeL-Quartier in Luzern farbiger

Die Anwohner der Baselstrasse in der Stadt Luzern gehören nicht zu den Privilegiertesten. Jetzt nehmen sie das Heft selber in die Hand, um ihr Quartier aufzuwerten.

Natalie Ehrenzweig
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Eine alte, verschmutzte Rutschbahn erhält im Dammgärtli einen neuen Anstrich. (Bilder pd)

Eine alte, verschmutzte Rutschbahn erhält im Dammgärtli einen neuen Anstrich. (Bilder pd)

Jeweils freitags treffen sich Matthias Leutwyler und Andreas Müller mit ihren Kindern auf dem Spielplatz im Dammgärtli. «Wir haben hier eine schöne Oase. Doch manchmal finden wir in den Büschen Drogen, Kondome und Abfall. Wir haben uns überlegt, was wir tun könnten, um für diesen Flecken mehr Wertschätzung zu schaffen. Wie wir es schön machen könnten», erzählt Andreas Müller.

Andreas Müller vor der neu gestalteten Rutschbahn.

Andreas Müller vor der neu gestalteten Rutschbahn.

Die Idee nahm etwa vor einem Jahr ihren Anfang. Der soziokulturelle Animator sitzt im Dammgärtli, hinter ihm die Geräte, mit denen die Testbohrungen für den Schacht des Bypass-Tunnels durchgeführt werden. «Schade, dass das jetzt passieren muss, denn nun ist die Zeit, in der der Spielplatz am meisten genutzt wird», bedauert er. Schade ist es auch, weil das Resultat der Idee von Matthias Leutwyler und Andreas Müller so nicht zur Geltung kommt: «Matthias ist Künstler. Unsere Familien haben uns mit Rahel und Damon Lam zusammengetan. Sie realisieren auf der ganzen Welt kreative Projekte im öffentlichen Raum. Gemeinsam haben wir ein Konzept ausgearbeitet», erzählt Andreas Müller.

«Zum Teil pinselten vierzig Leute im Dammgärtli»

Das Vorhaben sei gewesen, erst mal in einer Woche die Dammwand, den Löwenwagen und die Rutschbahn neu zu gestalten, und zwar mit der Mithilfe der Bevölkerung. «Es ist in Studien erwiesen, dass Menschen mehr Sorge zu einem Ort tragen, wenn dessen Schönheit sichtbar gemacht wird. «Zum Teil pinselten vierzig Leute hier im Dammgärtli», freut sich Andreas Müller. Schwarz-Weiss-Bilder von den Teilnehmern sind mit einer speziellen Kleistertechnik in die Bilder integriert. Man sei sich neu begegnet, Grenzen zwischen den einzelnen Subkulturen des Quartiers seien überschritten worden. «Dazu braucht es eben öffentlichen Raum wie das Dammgärtli. Am Ende der Woche haben wir hier ein Fest mit einer Band gefeiert, als es plötzlich gewitterte. Da haben sich alle unter das Dach gepfercht, wir haben gelacht, weiter Musik gemacht, es war wie ein Wunder.»

So einfach kann ein Quartier verschönert werden: Mit einem Hochdruckreiniger wurden Verzierungen auf eine verwitterte Betonwand gespritzt.

So einfach kann ein Quartier verschönert werden: Mit einem Hochdruckreiniger wurden Verzierungen auf eine verwitterte Betonwand gespritzt.

Ein Grill soll das Quartierleben weiter fördern

Der Kioskbesitzer hat ausserdem zum Grillabend eingeladen. Der sei so schön gewesen, dass man jetzt vielleicht einen Grill deponieren wolle, um das Quartierleben weiter zu fördern. Bevor aber mit Farbe und Hochdruckdreiniger die Objekte verschönert werden konnten, mussten die Organisatoren das Administrative erledigen. «Es war unglaublich, wie viele Stellen hier involviert waren, bis wir alle Bewilligungen hatten. Hätten wir gewusst, wie aufwändig das sein würde, hätten wir es vielleicht nicht gemacht», meint Andreas Müller schmunzelnd: Anlassbewilligung, Spezial­bewilligung für die Hebebühne, die Stadtgärtnerei war involviert, und sogar SBB und die Kunstkommission. Immerhin sei man aber überall auf Wohlwollen gestossen. «Es hat sicher geholfen, dass wir mit unserem beruflichen Hintergrund ein gutes Konzept erstellen konnten», vermutet er.

Auch der Bauwagen beim Dammgärtli erhielt mit Hilfe der Anwohner einen neuen Anstrich.

Auch der Bauwagen beim Dammgärtli erhielt mit Hilfe der Anwohner einen neuen Anstrich.

Bald wird das Quartier noch bunter

Besonders überrascht haben die Organisatoren des Projekts mit dem Namen «Seed of Change» auch die Spenden, die aus der Nachbarschaft kamen. «Ganz viel Material wurde uns gratis oder sehr günstig zur Verfügung gestellt. Auch Geld wurde uns gespendet. Sogar so viel, dass wir noch etwas in der Kasse haben für die Weiterführung», sagt Andreas Müller. Und auch die Stadt habe im Nachhinein einen Beitrag aus einem Projektpool gezahlt. Als nächstes möchten sie das EWL/Stadtgärtnerei-Häuschen beim Dammgärtli und das kleine Gebäude bei der Abfallsammelstelle verschönern. Wie und wann das angegangen werden soll, wollen sie an einer Sitzung im September festlegen. 

Informationen zum Projekt: www.cupofcolor.org/seed-of-change