Stadt Luzern
«Danke, Gott, für Hans Küng» – rührende Gedenkfeier für den verstorbenen Luzerner Theologen

Bei der Gedenkfeier für den grossen Kirchenkritiker zeigte sich der Basler Bischof in der Stadtluzerner Jesuitenkirche versöhnlich.

Robert Knobel
Drucken
Die Bischöfe Gebhard Fürst von Rottenburg (links) und Felix Gmür von Basel beim Gebet für Hans Küng in der Luzerner Jesuitenkirche.

Die Bischöfe Gebhard Fürst von Rottenburg (links) und Felix Gmür von Basel beim Gebet für Hans Küng in der Luzerner Jesuitenkirche.

Bilder: Keystone/Urs Flüeler (Luzern, 3. September 2021)

Man nehme: eine prunkvolle katholische Kirche, zwei Bischöfe und eine reformierte Theologin. Dazu Musik von drei Komponisten, von denen je einer katholisch (Mozart), protestantisch (Bach) und jüdisch (Mendelssohn) war. Dies war das Setting am Freitagabend in der Luzerner Jesuitenkirche. Und es passte gut zu dem, dessen hier gedacht werden sollte: Der weltbekannte Luzerner Theologe Hans Küng, der im April 93-jährig verstarb, hatte sich eine «heitere Dankesfeier in ökumenischem Geist» gewünscht. So stand es in der Einladung der Herbert-Haag-Stiftung und der Stiftung Weltethos, welche die einzige offizielle Gedenkfeier in Luzern organisiert hatten.

Um Ökumene kämpfte Hans Küng zeitlebens. Als katholischer Theologe eckte er dabei vor allem in seiner eigenen Kirche an. «Er gilt als Kirchen- und Papstkritiker. Das war er auch – Gott sei Dank», sagte Odilo Noti, Präsident der Herbert-Haag-Stiftung sowie der Stiftung Weltethos Schweiz.

Die Gedenkfeier in Bildern:

Der Schweizer Theologe Hans Küng ist am 6. April 2021 verstorben.
8 Bilder
Diese Menschen haben dem Verstorbenen Hans Küng in der Jesuitenkirche gedacht.
Ein Bild des am 6. April 2021 verstorbenen Schweizer Theologen Hans Küng wurde anlässlich dessen Gedenkfeier in der Jesuitenkirche aufgestellt.
Die Bischöfe Gebhard Fürst von Rottenburg (links) und Felix Gmür von Basel bei ihrer Abschlussliturgie.
Alois Riklin von der Stiftung Weltethos hält eine Ansprache.
Odilo Noti von der Herbert Haag Stiftung hält eine Ansprache.
Die Schauspielerin Vera Bauer hielt bei der Gedenkfeier eine Vorlesung mit Texten von Hans Küng.

Der Schweizer Theologe Hans Küng ist am 6. April 2021 verstorben.

Urs Flueeler / KEYSTONE

«Treu und frei – so war sein Glaube»

Ebendiese Kirche, die Hans Küng 1979 die Lehrerlaubnis entzog, zeigte sich am Freitagabend versöhnlich: «Gott, wir danken dir für Hans Küng. Wir danken dir für die Schaffenskraft, die du ihm gegeben hast, für seinen Einsatz für die Freiheit.» Das waren die Worte, welche der Basler Bischof Felix Gmür zusammen mit Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg (Küngs Bistum in Tübingen), sprach. «Es war uns vergönnt, frei und unverfangen miteinander zu reden – auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren», sagte Felix Gmür über seine Beziehung zu Hans Küng.

Viele Menschen erwiesen Küng die letzte Ehre.

Viele Menschen erwiesen Küng die letzte Ehre.

Wie bei Gmür, dessen Eltern aus Luzern und Sursee stammen, spielten die beiden Städte auch in Küngs Leben eine Hauptrolle. «In Sursee lernte er, was Kirche ist und was es bedeutet, seinen Glauben selbstverständlich und eifrig zu praktizieren», sagte Felix Gmür – und an der «liberalen Kantonsschule Luzern» habe er den Grundstein für seine offene Haltung gelegt. «Treu und frei – so war sein Glaube», fasste der Basler Bischof zusammen. Er freue sich auch, dass sich Küng dank Papst Franziskus am Ende des Lebens ein Stück weit mit der Kirche versöhnen konnte. Denn im Grunde war Küng genauso papsttreu wie papstkritisch. Gmür:

«Ich war manchmal überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit er zum Papsttum stand. Aber gerade deshalb konnte er es kritisieren.»

Hans Küng habe dagegen angekämpft, «von der Autorität Gottes eine autoritäre Kirche abzuleiten», wie es Erwin Koller, Ex-Präsident der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche formulierte. Dies alles tat er nicht im stillen Kämmerlein. «Er war ein Global Player», sagte Alois Riklin vom Beirat der Stiftung Weltethos. Seine Vision eines globalen «Weltethos» konnte Küng 2001 vor der UNO-Generalversammlung präsentieren. Riklin: «Ziel ist weder ein Religionsgemisch noch ein Religionsersatz. Sondern ein Grundkonsens, der in allen Religionen sowie in nicht religiösen Weltanschauungen zu finden ist.»

Als Christ kein «Monopol auf die Wahrheit»

Auch wenn Hans Küng gerne auf den internationalen Bühnen verkehrte, so beschäftigte er sich immer auch mit seinem ganz persönlichen Glauben: «Die Frage nach Gott muss neu gestellt werden. Aber sie muss richtig gestellt werden. Wer Ja sagt zu Gott, weiss, dass er dem Leben trauen kann», zitierte die Autorin Vera Bauer einen Text von Hans Küng. Er liess darin auch keinen Zweifel, dass «für mich Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben bleibt». Doch das bedeute keineswegs, dass er als Christ ein «Monopol auf die Wahrheit» habe.

Yvonne Lehmann, Diakonin der Reformierten Kirche Stadt Luzern, zitierte ein Gebet Küngs, das Juden und Christen gemeinsam beten können. Darin heisst es unter anderem:

«Dein Wille geschehe, wo immer Menschen leben.»

Die Jesuitenkirche war am Freitagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Die musikalische Umrahmung der Gedenkfeier erfolgte durch das Capriccio Barock­orchester sowie das Luzerner Vokalensemble Corund.