DARTS: Dieser Luzerner ist unschlagbar

Thomas Bremgartner (37) dominiert seit Jahren die Schweizer Szene. Der Stadtluzerner ist ein Naturtalent, das zeigt, dass auch Leichtgewichte Erfolg haben können.

René Barmettler
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Einen treffsichereren Darter als Thomas Bremgartner – hier im Anfield Pub Luzern – gibt es zurzeit schweizweit nicht. (Bild Nadia Schärli)

Einen treffsichereren Darter als Thomas Bremgartner – hier im Anfield Pub Luzern – gibt es zurzeit schweizweit nicht. (Bild Nadia Schärli)

Jeweils im Dezember wird die Steeldarts-WM auch in heimische Stuben übertragen. Was auffällt: Die meisten Weltklasseleute stehen ziemlich gut im Futter. So auch der aktuelle Weltmeister Michael van Gerwen (Ho) oder die langjährige Nummer eins Phil Taylor (Eng). Nicht so der Stadtluzerner Thomas Bremgartner. Der 37-Jährige ist durchtrainiert. Schon als Kind rannte er jedem Ball, der sich in Sichtweite befand, nach, mit 10 Jahren entschied er sich für Landhockey (Luzerner SC), wo er es bis in die U-21-Nationalmannschaft schaffte. Vor rund achteinhalb Jahren wurde er überredet, in den Dartssport einzusteigen. Bei den Red Castle Rothenburg warf er die ersten Electronic Darts (siehe Box unten rechts). Was er damals nicht wusste: dass in englischen Pubs auch Steeldarts gespielt werden. Zwei Jahre nach seinem Debüt griff er auch zu diesen schwergewichtigen Pfeilen – und war auf Anhieb erfolgreich: «Ich kann es mir auch nicht erklären weshalb, wahrscheinlich habe ich einfach das Talent dazu», sagte Bremgartner mit einem Schulterzucken. Sieben Schweizer-Meister-Titel (Steel) und zwei im Electro-Darts zeugen von seiner grossen Begabung. Der Baselbieter Walter Tschudin (55) regierte die Schweiz jahrzehntelang, vor rund sieben Jahren lief ihm Bremgartner den Rang ab.

Er hat auch zupackende Hände

Für das Dartsspiel braucht es ein feines Händchen. Bremgartner ist es sich aber auch gewohnt, mit beiden Händen anzupacken. Er verdient seinen Lebensunterhalt als Orgelbauer, ein komplexer Beruf. «Für eine Standard-Kirchenorgel ist ein Jahr Arbeit dahinter, sie kostet zwischen 800 000 und einer Million Franken. Der Unterhalt ist ebenfalls aufwendig.» Ein Handwerker, der eine Sportskanone ist und über feine Hände und Engelsgeduld verfügt: Bremgartner ist eine Ausnahmeerscheinung. Trotzdem räumt er mit den vielen Vorurteilen auf: «Viele Menschen bringen Darts mit Pubs und Alkohol in Verbindung. Tatsächlich ist es eine Sportart. Auch nicht ganz leichtgewichtige Darter treiben Sport und benötigen mentales Training.» Das Mineralwasser auf dem Tisch an der Weltmeisterschaft, gibt er hingegen zu, sei nur zu Dekorationszwecken da. «Hinten, wo sich die Spieler in den Pausen zurückziehen, wird Bier getrunken.» Er selber hält es mit Mineralwasser oder bei Zuckermangel mit Cola.

WM-Traum bleibt wohl unerfüllt

Bis vor einem Jahr trainierte er noch zwischen einer und drei Stunden täglich. Bremgartner fällt bezüglich Trainingsaufwand eine Anekdote ein: «Raymond van Barneveld fragte einst den 14-fachen PDC-Weltmeister Phil Taylor: ‹Weshalb bist du so gut›? Taylors banale Antwort lautete: ‹Ich trainiere mehr als du.›» Der 53-Jährige wendet pro Tag sieben bis acht Stunden für das Training auf.

Bremgartner nimmt auch an zahlreichen Turnieren im Ausland teil, hatte sich zum Ziel gesetzt, eines Tages an einer British-Darts-WM teilzunehmen, musste dann allerdings einsehen: «Ich müsste an zu vielen Turnieren teilnehmen, um an genügend Ranglistenpunkte zu gelangen. Doch das geht ins Geld, es ist wie ein Fass ohne Boden.» Seine Ferien in den letzten Jahren gingen für Reisen an internationale Veranstaltungen drauf. Einnahmen von Sponsoren: Fehlanzeige. Für einen Schweizer-Meister-Titel bekam er einen Umschlag mit 500 Franken drin. Nun tritt er etwas kürzer, nimmt noch an der Innerschweizer Electro-Darts-Meisterschaft teil. Dort ist Bremgartner selbstredend ungeschlagen – und dies nach 27 Duellen (Stand letzte Woche) für die Grizzlys, die im Anfield Pub in Luzern ihr Zuhause haben.

Tipps für ganz Nervöse

Für Spieler, die jeweils nervös an den Start gehen, hat er folgende Tipps: «90 Prozent sind mentale Stärke. Mit Atemtechnik kann man viel erreichen: tief einatmen, langsam ausatmen. Eigentlich dasselbe wie im Schiessstand.»

Das Beispiel Thomas Bremgartner zeigt, dass es mit 30 Jahren noch nicht zu spät ist, um mit Darts anzufangen. «Im Dartssport gibt es keine Altersgrenze. Es ist körperlich nicht besonders anstrengend, man hat aber trotzdem Bewegung.» Darts aus der Scheibe nehmen, am Boden liegende Spielobjekte aufheben: Abendfüllend betrachtet, legt man einige Meter zurück. Nur dürfen sich Bremgartners Gegner derzeit keine Illusion machen, ihn bezwingen zu können.

Thomas Bremgartner

Geboren: 25. August 1976
Wohnort: Luzern
Ausbildung: Schreiner
Beruf: Orgelbauer
National: Mitglied des Schweizer Nationalkaders
Erfolge: – Unter den besten 32 Spielern im Weltcup in Kanada. – 9 Schweizer-Meister-Titel (7 Steel, 2 Electro)
Nationales Ranking: 1. Rang
Vorbilder: Toni O’Shea (England)
Hobbys: Sport allgemein, Biken, Fitness