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Darum muss ein Emmer Bauer für mehr Tierschutz Land verkaufen

Die Anforderungen für Tierhalter wurden verschärft. Für einen Emmer Bauern hat dies unerwartete Folgen: Um die Massnahmen zu finanzieren, muss er einen Teil seines Landes verkaufen.
Christian Tschümperlin
Landwirt Christoph Seiler auf seinem Hof in Emmen. Das Haus im Hintergrund soll einer Autogarage weichen. (Bild Jakob Ineichen, 8. Mai 2019)

Landwirt Christoph Seiler auf seinem Hof in Emmen. Das Haus im Hintergrund soll einer Autogarage weichen. (Bild Jakob Ineichen, 8. Mai 2019)

Seit zirka 100 Jahren steht an der Seetalstrasse 145 in Emmen ein Bauernhäuschen, das zu einem dahinterliegenden Hof gehört und von der Familie Seiler bewohnt wird. Das Häuschen hat das ursprüngliche Ortsbild in Emmen lange mitgeprägt. Nun soll es abgebrochen werden und einem Neubau weichen: Im Erdgeschoss soll eine Garage des Autocenters Goldau einziehen, in den Obergeschossen entstehen sieben Wohnungen:

Visualisierung des Neubaus an der Seetalstrasse 145. (Bild Tomic&Horat Architektur)

Visualisierung des Neubaus an der Seetalstrasse 145. (Bild Tomic&Horat Architektur)

Doch warum verkauft Christoph Seiler einen Teil seines Grund und Bodens? Seine Begründung lässt aufhorchen: Wie er sagt, zwingen ihn neue Tierschutzgesetze, in den Hof zu investieren. Um die zusätzlichen Massnahmen zu finanzieren, verkaufe er das Land an der Seetalstrasse 145. Auf seinem Hof züchtet Christoph Seiler Pferde und zieht Rinder auf – ein Vollzeit-Job, bei dem die ganze Familie mithilft. «Wir wollen weiter bauern, ich habe das gelernt, unsere Familie hat das immer gemacht, doch das ist in der heutigen Zeit nicht so einfach», sagt Seiler. Er sei nun an einem Punkt angekommen, wo man ohne Investitionen nicht mehr weiter kommt. «Viele Bauern haben gehofft, dass wir aufhören, damit das Land frei wird. Doch wir machen weiter», so Christoph Seiler.

Früher waren die Kühe den ganzen Tag angebunden

Die Investitionen betreffen wie erwähnt Massnahmen für den Tierschutz. Dazu gehört insbesondere, dass die Tiere mehr Platz erhalten. Tatsächlich wurden die Mindestanforderungen vom Bund nach oben angepasst. Seiler betont: «Ich finde es gut, dass die Tiere mehr Platz erhalten und wir wollen das auch umsetzen.» Er habe sich schon gegenüber seinem Vater, von dem er den Hof übernommen hatte, für das Wohl der Tiere stark gemacht. «Wenn man bedenkt, wie die Kühe früher gehalten wurden, das waren ganz andere Zeiten», sagt er. Zu Zeiten seines Vaters seien diese den ganzen Tag lang angebunden gewesen und hätten den Stall nie verlassen können.

Christoph Seiler will nun beim Bundesprogramm «Raus» teilnehmen, bei dem Pferden und Rindern ein freier Auslauf gewährt wird. Die Tiere können somit frei wählen, ob sie sich draussen bewegen oder sich in den Stall zurückziehen wollen. Seiler sieht darin mehr als nur einen Vorteil: «In Zukunft müssen wir die Tiere nicht mehr rein- und raustreiben.»

Er entschied sich für Pferde statt Kühe

Auf das Land angesprochen, das ihm künftig fehlen wird, räumt Seiler ein: «Manchmal werden die Folgen von Gesetzen zu wenig bedacht.» Forderungen an die Politik hat er aber keine. «Es muss sich jeder Bauer auch Gedanken machen, was man tun kann, wenn sich etwas ändert», so Seiler. Für ihn sind die verschärften Tierschutzanforderungen denn auch nicht die erste Umwälzung in seinem Bauernleben. «Als vor zwanzig Jahren die Kontingentierung der Milchpreise aufgehoben wurde, sanken die Preise.» Seiler, der mit 18 Hektaren einen eher kleinen Betrieb führte, musste sich entscheiden, den Kuhbestand aufzustocken – oder auf andere Tiere umzusatteln.

Er entschied sich für letzteres. Heute kann er von seinen Pferden und Rindern leben. Seiler blickt weiterhin optimistisch in die Zukunft. Die Nachfolge ist zwar noch nicht geregelt, «aber ich bin ja erst 44», sagt er. Ob sein Sohn eines Tages den Hof übernehmen wird, das steht noch in den Sternen.

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