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Darum passen die Willisauer zu deutscher Fasnachtszunft

Die Willisauer Karnöffelzunft ist Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. Eine Schweizer Zunft in einer deutschen Fasnachtsvereinigung? Das mache Sinn, sagt deren Sprecher Bruno Schöllhorn.
Martina Odermatt
Bruno Schöllhorn, VSAN Bild: PD

Bruno Schöllhorn, VSAN Bild: PD

Rund 600 Gäste aus Deutschland empfing die Karnöffelzunft Willisau am vergangenen Wochenende. Grund war die Hauptversammlung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Zum ersten Mal überhaupt wurde diese in der Schweiz abgehalten. Lucas Peter, OK-Präsident dieser Veranstaltung, sagte gegenüber unserer Zeitung, die VSAN habe die Karnöffelzunft in der Vergangenheit stets unterstützt.

Eine Willisauer Zunft erhält Unterstützung von einer deutschen Narrenvereinigung? Zeit, mal nachzuhaken. Bruno Schöllhorn ist Sprecher des kulturellen Beirats der VSAN. Dieser versteht sich quasi Fasnachts-Kompetenzzentrum und Anlaufstelle für jegliche Fragen rund um «Fasnetsbräuche, Masken und Häser» der Vereinigungszünfte.

Bruno Schöllhorn, wenn man an die Deutsche Fasnacht denkt, weckt das bei uns meistens Bilder des Karnevals in Köln. Warum kommt eine Willisauer Karnöffelzunft für Ratschläge ausgerechnet zu Ihnen?

Weil wir eben nicht Karneval machen. Unsere Traditionen und Bräuche im Süddeutschen Raum sind jenen der Schweiz ähnlich, ja teilweise gar identisch. Wohl auch deshalb hat sich die Karnöffelzunft an uns gewandt. Und das ist gut so, Willisau passt zu uns.

Die Willisauer Fasnacht und jene im Süddeutschen Raum dürften sich trotzdem unterscheiden. Schon in unserer Region wird die Fasnacht von Ort zu Ort anders zelebriert.

Natürlich gibt es Unterschiede. Jeder Ort hat seine eigene Fasnacht und das soll auch so sein. Wir sind da, um die Fasnachtstradition zu erhalten. Wir sammeln Informationen über alle Fasnachten. Wenn wir etwa sehen, dass irgendwo ein Brauch verschwindet, versuchen wir, uns einzuschalten, bieten Hilfestellung. Aber auch wir wissen nicht alles. Über die Schweizer Fasnacht weiss ich persönlich eigentlich zu wenig, aber deshalb haben wir ja im Kulturellen Beirat kompetente Schweizer Kollegen wie Werner Aregger aus Willisau, die enorm viel über die Masken und Bräuche der Schweiz wissen.

Wie kommen Sie an dieses Wissen? Es gibt so viele Bräuche und Traditionen, Sie können doch unmöglich alle kennen?

Jede Zunft hat ihren Kulturbeauftragten, der mit den Traditionen und Bräuchen seiner Zunft vertraut ist. Ausserdem sind natürlich auch wir Vollblut-Fasnächtler.

Wie genau haben Sie Willisau denn unterstützt?

Die Karnöffelzunft kam mit ihrem Anliegen, den Nachtwächter etwas anders zu gestalten, zu uns. Er sollte zum Rest der Figuren passen. Wir haben dann gemeinsam einen Vorschlag ausgearbeitet, den Willisau so übernommen hat. Wir machen lediglich Vorschläge, keine Vorschriften. Auch wir haben die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen.

Zünfte erwecken oft den Eindruck, dass alles gesittet und geordnet zu und her geht. Ist das nicht ein Widerspruch zur Fasnacht?

Ist das so? Sind die Zünfte wirklich so brav? Die VSAN hat ihren Ursprung eigentlich im Kampf gegen die Obrigkeit. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass auch für die Fasnacht Zünfte wichtig sind und quasi die Obrigkeit darstellen. Aber man muss natürlich unterscheiden können: Ein Fasnachtsumzug braucht gewisse Regeln, damit er ohne Zwischenfälle stattfinden kann. Doch der Umzug selbst darf durchaus wild und frech sein.

Aber Hand aufs Herz: Können Schweizer und Deutsche wirklich in einer gemeinsamen Zunft sein, wenn es um die Fasnacht geht?

Aber natürlich! Genauso wie wir auch gemeinsam ein Bier trinken können. Wir sind schliesslich beide alemannischer Herkunft. Wir haben die gleichen Vorfahren. Wir wollen uns nicht auf unsere Unterschiede fokussieren, sondern auf die Gemeinsamkeiten. Und die sagen klar: Wir sind alle Narrenfreunde.

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