Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Darum sind Japaner ausgerechnet am Luzerner Wald interessiert

Eine japanische Delegation hat sich am Montag in Beromünster über den einheimischen Holzschlag informiert. Interessiert waren die Asiaten vor allem an der Mechanik und Elektronik. Aber nicht nur.
Ernesto Piazza
Die japanische Delegation mit der Dolmetscherin (in Weiss). (Bild: Ernesto Piazza (Beromünster, 5. November 2018))

Die japanische Delegation mit der Dolmetscherin (in Weiss). (Bild: Ernesto Piazza (Beromünster, 5. November 2018))

In einem Waldstück oberhalb von Beromünster strahlt die Herbstsonne durch die Baumwipfel. Derweil fährt Forstunternehmer Sepp Bättig aus Neudorf mit dem Holzvollernter gekonnt durch das Gehölz. Das Gefährt greift, sägt, fällt, entastet die Bäume und legt sie auf den Waldboden. Die manuell bediente und mit viel Elektronik ausgestattete Maschine arbeitet sich akkordmässig Stamm für Stamm vorwärts.

In gebührendem Abstand beobachten zehn Japaner mit grossem Interesse den Vorgang. Sie knipsen Fotos, machen Videos und schreiben in ihre Notizbücher. Die Delegation besteht aus sechs Forstingenieuren (inklusive zwei Frauen) sowie Waldbesitzern und Forstunternehmern aus der rund 30 Kilometer von Osaka entfernten Präfektur Nara. Dort werden die Japaner künftig beim Aufbau der praktischen forstlichen Ausbildung eine Rolle spielen – vielleicht sogar als Dozenten einer künftigen Försterschule. Dabei möchten sie vom Schweizer Know-how profitieren.

Doch weshalb kommen die Asiaten ausgerechnet in unsere Gegend? «Wir sind vom ehemaligen Direktor des Bildungszentrums Wald in Lyss angefragt worden, ob wir diesen Anlass organisieren», erklärt Christian Siegrist, Geschäftsführer und Betriebsförster von Wald Seetal-Habsburg (WSH). Der Verein setzt sich für Waldbesitzer ein und hilft diesen bei der nachhaltigen Pflege und Nutzung. Dem WSH gehören rund 1250 Eigentümer mit zirka 3500 Parzellen und knapp 3100 Hektaren Fläche an. Das Gebiet erstreckt sich von Meggen bis Schongau und umfasst 30 Gemeinden. Im Kanton Luzern gibt es insgesamt neun solche Regionale Organisationen (RO).

Kommunikation als grösste Herausforderung

Mit japanischen Kollegen pflegt das Bildungszentrum Wald in Lyss bereits mehrere Jahre Beziehungen. Der eigentliche Start sei 2011 gewesen, erinnert sich Alain Kocher, der ehemalige Direktor der Försterschule Lyss. «Damals besuchten uns zwei japanische Forstingenieure, welche sich für unsere Arbeit interessierten.» Das Ziel war damals dasselbe wie heute: für ihre Försterschule vom Schweizer Wissen profitieren. Aus diesem Grund haben sie Kocher auch als Konsultant engagiert. Bisher war er zweimal in Japan, nächstens folgt sein dritter Besuch.

Die Liaison hat sich im Laufe der Zeit vertieft. Und so organisiert das Bildungszentrum Wald jetzt ebenfalls die zwei Wochen dauernde «Nara Autumn School 2018» in der Schweiz. Als grösste Herausforderung sieht Kocher die Sprache. Zwar seien auch kulturelle Unterschiede vorhanden, doch die Kommunikation «ist ein wichtiger Bestandteil, dass der Austausch funktioniert». In Japan unterhält sich der Schweizer auf englisch, das dann auf japanisch übersetzt wird. Hierzulande ist eine mit einem Schweizer verheiratete Japanerin dabei. Sie ist der deutschen Sprache mächtig. Und ebenfalls wichtig sei, streicht Kocher heraus, dass man vertrauensvoll, transparent und offen miteinander umgeht.

70 Prozent von Japan ist bewaldet

Dass dieses Projekt im Land der aufgehenden Sonne interessiert, ist auch damit begründet, dass es dort rund 70 Prozent Wald gibt. In der Präfektur Nara liegt dieser Anteil sogar bei 77 Prozent, wobei vorwiegend Private Eigentümer sind. Dieser Umstand habe Alain Kocher auf die Idee gebracht, das Luzerner Modell genau zu studieren, sagt Siegrist. Die Japaner seien davon sehr angetan. Bereits beim Theorieblock von gestern Morgen waren sie nicht nur interessierte Zuhörer, «sie haben auch viele gute Fragen gestellt», erklärt der WSH-Geschäftsführer. Dasselbe Bild präsentierte sich wenig später bei der Praxis auf dem Gelände. Grosses Interesse zeigten die Japaner vor allem für die ganze Logistikkette – ausgehend vom mechanischen Teil bis zum integrierten Abrechnungssystem. Und da sie für ihr meist steiles, bewaldetes Gelände über keine in der Schweiz eingesetzten Holzvollernter verfügen, «könnte sich hier auch eine Zusammenarbeit abzeichnen», glaubt Kocher.

Damit die Asiaten sich schnell mit der Schweizer Kultur anfreunden konnten, wurde im Anschluss der Vorführung ein kleiner Apéro mit hausgemachtem Birnenweggen und Kaffee serviert – zumindest davon haben die Japaner noch beim Mittagessen geschwärmt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.